Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 12 (20.3.1884)
- Article
- Kollektiv-Berichte aus Ungarn
- Date
- 1884-03-20
- Page
- 183 (sequence 3)
- Language
- German
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183 nicht auch in Zukunft, trotz dieser ״Außerkraftsetzung", mir solche Personen als Nabbinen anstcllen werden, die von drei in orthodoxen Kreisen anerkannten Nabbinen autovifirt wurden? Du rufst ferner ganz verwundert:! Wozu die ,.Aufhebung" dieses Paragraphen? Könnte denn die Verordnung, ״daß der Nabbinats-Aspiraut vier Klassen einer Mittelschule mit Erfolg absolvirt habe," neben diesen: Paragraphen oder vice versa, liidjt bestehen? — — O, mein lieber Fragesteller, ich halte dich gewiß nicht für einen פחם נוקעין, doch bei alle dem bitte ich dich, halte ein. — Im Angesichte eines Negierungserlasses, der im Namen Sr. Majestät unseres glorreichen und gerechten Königs pnblizirt wird, dürfen wir nicht ungestüm fragen, sondern müssen danach forschen, den wahren Grund zu ernircn, welcher den gerechten König ירום חודו zu dieser a. h. Entschließung veranlassen konnte, womit der Kultus- Minister diese seine Unterbrcitung wohl motivirt haben mochte. — — Man muß eine ״Zeitfrage" nach allen Richtungen ventiliren, jede Sache nach allen Seiten hin nnpartciisch in Augenschein nehmen. Auch die gegenwärtige Frage hat, genau betrachtet, eine scharf ausgeprägte Kehrseite! — Wohl gewahren wir dahinter einen sein durchdachten diplomatischen Schachzag — aber auch ein starke Dosis Wahrheit! (Korlfttzung folgt.) Aus der ersten Hälfte imseres Jahrhunderts. (Nach einer wahren Begebenheit) Friedrich ״Hott. (Forlsepmig.) (Mc Rechte Vorbehalten) ״Gewiß, Leah, ganz gewiß ist cs mein Ernst — und Du möchtest cs?" ״Ob ich's möchte? na, und wie gern! — wcnn'S nur ginge!" ״Warum sollte es iticht gehen? — In vier Wochen gehe ich wieder nach W., und zuvor komme ich her und hole Dich, da reifen wir miteinander." Aber die Alte schüttelte seufzend das greise Haupt. ״Schon wär'ö schon, wcnn'S nur ginge. Aber leider, leider, es kann nicht sein." Ehrmann wollte ihr in die Rede fallen, sic ließ ihn nicht zu Worte kontmen. ״Schau, Kind, so gern ich's ntöchte, aber cs kann nicht sein. Ich bin schon alt und abgearbeitet, und ich habe mir sagen lassen, W.... wäre eine furchtbar große Stadt und bei Tag und bei Nacht wär' so viel Lärm da drinnen, mehr noch als am Jom Kippur in der Altschul. — Das möchte meinem alten Kopf zu viel werden, und dann läge ich, Gott behüte, Dir aufm Hals." Ehrmann wollte sic widerlegen; da aber ging die Thür ans, und ein ungefähr zwölfjähriges Mädchen trat schüchtern grüßend in das Zimmer, in ihrer Rechten zappelte ein lebendes Huhu, dem die Flügel ein wenig gestutzt, die Füße znsammengebundeu waren; dennoch hatte das Kind Mühe, das Thier zu halten. ״Die Mutter läßt schön grüßen und schielt Ihnen das," sprach sie zu Leah gewandt, ihre Blicke aber hafteten in unverkennbarer Neugier an dem ihr Unbekannten. ״Grüß' Dich Gott, liebe Netti!" cutgcgncte Leah, indem sic sich mühsam aus ihrem Armsessel erhob, ״ach, wie freundlich von der lieben Mutter, ich lasse sie vicmalS grüßen und ihr herzlichst danken." Sic hatte bei diesen "Worten dem Kinde das Huhn aus der Hand genommen, nnd das Mädchen hatte sich entfernt. ״Das ist Dir zu Ehren," sagte Leah zu dem jungen Manne; ״die Leute haben gesehen, daß ich einen lieben cs^aft habe, da will die brave Frau sich ausmerksam zeigen, ist das nicht freundlich?" Bevor noch Ehrmann seine Anerkennung aussprechen konnte, öffnete sich abermals die Thür, und ein kleiner Knabe trat ein, eine über einem Teller zusammcngesaltete Serviette in den Händen. ״Die Tante läßt sich schön cinpsehlen und schickt Ihnen das," sprach er schüchtern zu Leah, ohne es zu wagen, auch nur einen Blick auf den Fremden zu richten. ״Ach, wie ist die Tante so lieb nnd so aufmerksam," erwiderte Leah, indem sie dem Knaben den Teller ans der Hand nahm, ״und was sind das für prächtige Pommcrantschcn! — Ich lass' die Tante schön grüßen und ihr vielmals danken. Wirst'S gut ausrichten, Sami?" ״Ja," erwiderte der Kleine schüchtern und eilte hastig fort. Leah hatte aber nicht einmal Zeit, irgend eine Bemerkung über das zweite Geschenk zu machen, als die Thür zum dritten Male aufging und ein schon größeres Mädchen mit einer großen wohlverdcckten Schüssel cintrat. Auch ihr Blick haftete zunächst aus den bereits vielbesprochenen Gast der alten Leah, dann aber wandte sic sich an diese. ״Der Vater läßt sich empfehlen; wir haben durch'S Fenster gesehen, daß Sie unverhofft einen lieben Gast bekommen haben, und weil wir gerade Nostbratel gemach! haben, schickt Ihnen der Vater welche und läßt guten Appetit wünschen." ״Danke schön, liebe Nosi, danke vielmals. Wie ist das doch so freundlich und so aufmerksam von Deinem lieben Vater; grüße ihn von mir und ich lasse ihm vielmals danken. — Der Kopf ist mir heute ja ganz verdreht und das Herz ist mir so voll — weiß