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Jeschurun · 1884-03-06 · Heft 10 (6.3.1884) · p. 152

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 10 (6.3.1884)
Article
Aus der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts
Date
1884-03-06
Page
152 (sequence 3)
Language
German
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152 ״Ich danke Ihnen." flüsterte Ehrmann, ״ich betrachte diese Bitte als Ihre letzte Guns!." ״Ich werde meines Vaters Arbeitszimmer incibcn — hier dürfen Sic nimmer fürchten, mich za treffen." Ein halbnntcrdrücktcS Acch;en entrang sich seiner Grast, er neigte sich und preßte in wortlosem Schmer; ihre Hand an seine Rippen. — Da empfand er plötzlich einen warmen Hauch an seiner Stirn, wie Engelsfittichc schicn'S ihn zn umschweben — in namenloser Wonne dnrchschanerte cS ihn — doch mir für einen Moment — im nächsten fand er fid) allein. In fürchterlichster Erregung, sinnlos vor Wonne und Schmerz wollte er forlstürzcm doch in bereits geöffnctcr Thür cntsann er sich seines Versprechend, den Hofrath zn erwarten. Hastig zog er ein Portefeuille and der Tasche, riß ein Blatt heraus und kritzelte einige kaum leserliche Zeilen auf das Papier, das er auf den! Schreibtische zurückließ. Ärmstem wußte, sie dennoch zu entziffern. ״Verzeihung!" laS er, ״eS ist mir nicht möglich, ן Sie zn erwarten, aber ich crrathc Ihr Verlangen und gelobe, demselben zu entsprechen. E." Am folgenden Tage ward die elegante Welt durch die Nachricht von der Verlobung des Frciherrn von Wildeufels mit Fräulein Ar in stein überrascht. Diese Nachricht rief vielseitig Sensation hervor; einerseits war cs in jenen Tagen noch weit seltencr als heute, daß alte AdelSgeschlcchter sich mit reichen oder schönen Bürgerstöchtern verbanden; andererseits verdachte es auch gar Mancher dem Hofrath, daß er seine junge, blühend schöne Tochter zu der Verbindung mit dem ttngleich altern, mißgestalteten Freiherrn, wie man wähnte, zum mindesten überredet hatte. Daß er diese Verbindung nur höchst ungern zugegeben, daß sie vielmehr ElemcntincnS eigene freie Wahl. daS ahnte keiner, obgleich man cS hätte ahnen tonnen, wenn man , des Frei Herrn glückstrahlendes Antlitz schaute und j Element inens achtungsvolle freu!1 bliche Aufmerkjamleit! gegen ihren Verlobten. (Fortsetzung folgt.) U u r t nt l* a u n e. Bon Iedidjah.; Doch Manchen paßr'S besser Beim feurigen Wein — Bald dreht sich'S auch ihnen - im Hirne, , Wird Seligkeit größer, Wird Sicherheit klein,! Bald perlet der Schweiß auf der Stirne.! j Doch fragen wir alle:! ״Was soll jetzt die Freud'?"! So werden die Einen eittgegncn:! ״Durch Gott tarn zu Falle, | Der Schlimmes gedräut, Er wollt' uns ntit Bösem begegnen, Und d'rob wir uns freuen, Daß endet' die Noth." Die An dern: ״Hcnt' sicher tvir Leben, Die Feinde ja scheuen DeS Staates Gebot, DaS hat uns die Ruhe gegeben!" Und ledig der Sorgen Der Schlaf sie befällt, Dem Erdcngewühl sie entrückte — Ain anderen Morgen Beglücken die Welt Jgnatieff'S Judenedikte. Da sieht man erbleichen So manches Gesicht, Das gestern strahlte so wonnig — Die Lust will entweichen — Schon schauet man nicht Die Zukunft so sicher und sonnig. Doch drum nicht verzaget! Weil gestern in Lust Ihr dachtet an jene Zeiten: Die Sorge, die naget In eurer Brust, Laßt sic euch nicht Schtnerzen bereiten. Die Gläser erklingen, Beim heiteren Mahl Versammelt sind fröhlich alle, Und Weisen sic singen So freudig im Saal, Im lustigen Inbelschallc. So froh die Gesichter, So sorglos und frei, Vergessend der Sorge der Zeiten — ES strahlen die Lichter; Man strömt noch herbei Zum Feste von allen Seiten. Bald rauscht die Gardine, Und froh wird gemimt — Hört jetzt, wie sie scherzen und lachen — Man spielt ans der Bühne, Wic's stets sich geziemt, Nur lustige, heitere Sachen. Doch, horch! eS erklingen Die Geige, die Flöt' Znnr Tanze — cS zuckt in den Beinen; Jetzt gilt'S, sich zn schwingen. Jetzt munter gedreht. Zu sitzen gelüste eS Keinen! Doch, horch! cS wird stille — DaS Fest ist schon aus. Erloschen sind alle Vichter. In wärmender Hülle Eilt jeder nach HauS — Doch freudig noch sind die Gesichter. ES wird durch Gefahren, Durch die ihr bedränt, Die Heiterkeit in euch nur fester; Ihr werdet sie wahren Gedenkend der Zeit j Von Mordcchai, Haman und Esther!

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