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Jeschurun · 1884-03-06 · Heft 10 (6.3.1884) · p. 149

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 10 (6.3.1884)
Article
Kollektiv-Berichte aus Ungarn
Date
1884-03-06
Page
149 (sequence 2)
Language
German
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Orthodoxie auf die Zeitungsschreiber blicken, diese sind '! ihnen in der Seele verhaßt. Nur wenn diese ״Gene-! rülc" einmal in die Lage lonnnen, zur Förderung ihrer | Ziele und Zwecke einen Artikel oder eine Eingabe! schreiben zu lassen, da verstehen sie cs, so ergeben und respektvoll und eindringlich darum;11 bitten, — aber wenn die zum ״Schreiben" auserkorene Vertrauenspcrion entsprechend cnisgcnutzt ist, dann kennen sic keine Rücksicht und keine Achtung mehr, und selbst wenn er der erprobteste, rechtschaffenste.Mann ist, ihrer nnsehlbaren Weisheit gilt er eine nnbedentendc Figur. Wie erst ein ..Schreiber", der sich in Anonymität hüllt. Wenn auch seine Ehissre eine ..Waage" ist, man ist ihr nicht דן לנף זנות; er ״schreibt", und wer die Feder zu führen vermag, der ist verdächtig, — seine Propositionen sind von מנות erfüllt, man mcrkt's nur nicht sofort, sie gleichen süßem Gift - — — und dieses Lornrtheil erzeugt das Berdamnmngsnrtheil und die starre Unempfänglichkeit für die Stimme der Wahrheit. — Wir setzen hundert gegen eins, wenn heute Jemand zu X. oder A. spräche! schau, es ist gerade so gekommen, wie der ״Schreiber" der Kollektiv - Berichte" schon vor Jahresfrist es prognostizirte, es war doch unklug, seinen Warnnngsrus wirkungslos verhallen zu lassen; da wird der weise X. oder A. gewiß mit einer banalen Phrase die Scharte auswctzcn und etwa sprechen: לאהד הרנן בית המקדש נתנה הנביאות לבנים ולשוטים — doch wir schweifen ja. ganz von dem Gegenstände ab und wollen nun zu demselben znrücklehren. Also, bereits vor 15 Jahren hat man der ungarischen Orthodoxie dringend empfohlen, mit den Anforderungeu der Zeit als nnabweislichem Faktor zu rechnen und einen Modus anssindig zu machen,, um diesem Genüge zu leisten, — man proponirte, an den größeren Icschiboth Professoren anznstellen. — Und was geschah? Mau perhorreszirte die Anträge sammt den Antragstellern, man stigmatisirte diese als Feinde der תודה und ידאה, Ulan schrieb öffentlich in einer nach allen Richtungen der Windrose verschickten Flugschrift: הפראפעסארן אצל הישיבות אסור בי הוא מתועב יותר מסעמינר במובן לבל בר דעת, zu deutsch: ״Professoren an den ישיבות sind אסור, sic sind verächtlicher als ein Seminar )am als bestand blos das Breslauer), wie dies jedem vernünftigen Menschen cinlenchten muß." — Wir schämen uns nicht, offen zu belennen, daß wir nicht zu jenen ״vernünftigen Menschen" zählen, welchen diese Logik ״einlcuchten muß". — Wir konnten diesem איסור weder Sinn abgewinncn noch Berechtigung zusprechen, und 60 ipso waren wir in den Augen der Vertreter jener Ansicht kein בר דעת״". Aus Anlaß der jüngsten Vorgänge und der Energie, welche Herr v Trefort nach dieser Richtung hin entfaltet, unterliegt es keinem Zweifel, daß selbst die extremsten Extremen die Nothwcndigkeit cinschen werden, daß man einen Modus aussindig machen müsse, um die ישיבות zu erhalten und dem Verlangen der Regiernng entgegenznkommen. (Fortsetzung folgt., Zur Kulstler limlnMiiikiMiIi!. -K Ans dem Neg.-Bez Dassel. Welche üblen Folgen Lücken in einem Gesetze nach sich ziehen, und in welch kritische Lage die davon Betrosfenen versetzt werden können, zeigt das jetzt in der ehemaligen Provinz Riederhessen ossenstehende Landrabbinat und die bevorstehende Wahl zur Wiederbcsetznng desselben. So entsprechend in mancher Hinsicht auch die ״die jüdischen Verhältnisse der Israeliten regelnden Verordnungen von!623 und 1833" sein mögen, und obgleich sich auf Grund derselben i׳n größten Theile unseres RegieruugcKwzirkes ein erfreuliches jndisches Leben entfaltet und erhalten hat, so muß doch der Wahlmodns bei Anstellung eines Rabbiners als falsch und nicht den Bedürfnissen der Gemcindcn Rechnung tragend bezeichnet werden. Rach den erwähnten Verordnungen wird der Rabbiner vom betreffenden Borste heran!L, deren wir vier haben (tu Kassel. Marburg, Fulda nnd Hanau), gewählt, die Gemeinden des zuständigen Rabbi,lalsbezirkeS haben nicht den mindesten Einfluß auf die Wahlbewegnng nnd können sich nach ״beendeter rabbinerloser Zeit" glücklich schätzen, daß sie das Gehalt des מדעתם ושלוא מדעתם gewühlten ,.geistlichen Seelsorgers", von dem sie, nolw lx!n6 im günstigsten Falle, weiter nichts haben als eine periodische Schulprüfung, aufbringcn dürfen. — Dieser Uebelstand mag bei früheren Besetznngen vakanter Nabbinatspostcn auch schon empfunden worden sein, doch ist unseres Wissens nichts zu seiner Abstellung gethan worden, einest Heils vielleicht, weil die Bewohner der Landgemeinden sich in ihren Anfordernngen an den zu bestellenden Rabbiner mit den Vorsteheramtsmitgliedern eins wußten und deren Wahl das nölhige Vertrauen entgegenbrachtcn, andcrntheils ans Iudisfercntismns, und weil es an der geeigneten Persönlichkeit fehlte, die sich au die Spitze der Bcwegnng gestellt hätte. Ganz anders verhält eS sich bei der bevorstehenden Wahl für das Provinzialrabbinat Riederhessen, dessen Inhaber 60 ipso Landrabbiner dcö früheren Kurfürslenthnms Hessen und Direktor des Lehrerseminars zu Kassel ist. Als vor nun zirka 32 Jahren auf den seligen!)!׳. Romann der jetzt pcnsionirte Landrabbiner den בסא הוראה der Haupt- und Residenzstadt Kassel bcstieg, wurde der Gegensatz der religiösen Ansichten dieser

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