Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 10 (6.3.1884)
- Article
- Kollektiv-Berichte aus Ungarn
- Date
- 1884-03-06
- Page
- 148 (sequence 1)
- Language
- German
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148!י•! ttollcktiv-Gerichte ans Ungarn. XXIX. Fortsetzung. Wer genügend Muße, Befähigung und guten Willen dazu Hut. die Genesis dieses Erlasses in allen DetAls nicderznschrciben, der wird, ohne cs;11 ahnen und zu wollen, einige dickleibige Bücher ans seiner Feder hervor׳ gehen sehen, das Thema jedoch nicht erschöpft haben. — Die wichtigsten Momente sind in den ersten Serien unserer ,.Kollektiv-Berichte" kurz skizzier, Einiges wollen wir heute flüchtig rckapituliren. Wir erinnern an die im Jahre I8üü stattgehable große Rabbinersynodc in der Metropole Ungarns, nub verweisen ans unsere ״Kollektiv - Berichte" im vorigen Jahrgang!׳ des ״Jeschurun", wo wir von der Thäligfeit der Synode sprachen und besonders die Meinungsdivergcnz betreff der Neorganisalion der ישיבות bcleuchteten. — In dieser großen Synode trat ein unermüdlicher Käinpc des orthodoxen JudenthumS in die Arena und empfahl mit allem ׳Nachdrucke, den Anforderungen der Zeit?)Rechnung zu tragen und an den hervorragenden ישיבות dcS Landes für profane Lchrgegeustände Prosessoren auznstellen. — Diese wohlgemeinte und weise Proposition brachte die extremen Elemente außer Rand und Band und hat einen Sturm heraufbcschworen, der jeder Beschreibung spottet. Der ehrwürdige Antragsteller sah. daß er mit seinem streben, dem dringenden Erfordernisse der liegenwart zur Erhaltung der Jcschibolh in Ungarn Rechnung zu tragen, fast isolirt daslche ויפן בה ובה וירא 2״ אין איש . . . er sah, daß die extremen Faktoren eine ruhige Berathnng und verständige Erwägung ganz unmöglich machten, — da blieb ihm nichts übrig, als der ehrwürdigen Bersammlung Palet zu sagen und mit schwer bewegtem Gemüt he die argbedrohtcn ישיבות dem hcrcinbrechcnden Geschicke zu überlassen. Im BerathungSklnb der orthodoxen Kongreß- Deputirten begegneten wir ihm wieder; auch dort gelangte das Thema wieder zur Besprechung, auch dort hat der selbstbewußte Streiter für die Reorganisation der ישיבות eine Lanze gebrochen, aberauch dort hat er nur zu bald in dieser Hinsicht sich selber zur Passivität verurtheilcn müssen. — — — Der Kongreß hat das Zeitliche gesegnet, die Parteien lonsolidirtcn sich, an'S ׳Ruder der Orthodoxie traten ungeeignete Laien — und seither sehen wir das Damoklesschwert über dem Haupte der uugarisch-jüdischeu Orthodoxie. — Wenn wichtige Zeitfragen im Vordergründe standen, hat dieDurchfähruugS Kommission (welche im rechten sinne des Wortes in einer einzigen Person sich kouzcntrirt) wohl die Ansicht einiger Rabbineu eingcholt, aber nur solcher Rabbinen welche den extremsten Anschauungen huldigen, die Zeitverhältnissc nicht kannten und für die unabwcislichen Forderungen der Zeit kein Verständnis; haben oder hatten. — Wahrhafte גאוני ישראל wurden von den unbedachten Führern ignorirt, צריקי הדור, wahrhafte Zierden des JudenthmnS, welche vermöge ihrer umfassenden talmudischcn Gelehrsamkeit und wissenschaftlichen Bildung berufen wären, die tonangehenden Führer der ungarischen Orthodoxie zu sein, wurden gewaltsam fern gehalten, hervorragende und erprobte Kräfte wurden völlig unterdrückt, und über Nacht neue כאינים auS dem Boden gestampft, von deren Existenz man bislang kaum eine Ahnung hatte, kurz, man hat auf Kosten der Ehre bedeutender Männer gegen alle Logik und Vernunft nur solche Männer als Koryphäen ausgerufen und angerufen, weiche den Senlenzen des R Mihütyer פסק.בית דין huldigten, und welche eben im Zinne jener Sentenzen Jedermann, der eine gebildete Sprache spricht בקליפת שוס beachten oder ricljtiger geringachtcn. WaS Wunder, wenn unter solchen Verhältnissen mnthige Vorkämpfer der Orthodoxie, berufene und auSerwählte Größen, wie R. Jeremias Löw זצוק״ל, das Feld der öffentlichen Thätigkeit räumten und sich lossagten von dem Verbände, den sie selbst mit vieler Anstrengung und Aufopferung ins Dasein gerufen und von dem sie bekümmert sagen mußten: בניס גדלתי ורומסתי והס פשי<ו בי. —- So kam es, daß theilS ehrliche, aufrichtig fromme, aber leider unerfahrene, den Zeitanforderungcn nicht gewachsene Rabbiner, theils beschränkte und nach Willkür handelnde Laien an die Spitze der Orthodoxie traten. Schon unter normalen Umständen ist cS ein Unglück, auf die Dienste seiner hervorragenden und bcwährten Kräfte verzichten zu müssen und von weniger geeigneten Persönlichkeiten sich repräsentireu zu lassen, wie erst, wenn hochwichtige Fragen im Vordergründe stehen, und eS sich um das Sein oder Nichtsein der Partei oder einer bedeutsamen Institution derselben handelt? Vor uns liegt nun ein energischer Erlaß, der eine traurige Perspektive bietet. — Unsere Leser wissen eS, daß wir bereits vor Jahresfrist die leitenden Persönlichleiten auf diese hereinbrechende Gefahr aufmerksam ge-!nacht, die düstere Gestaltung, welche die ungarischjüdischen Angelegenheiten zu nehmen drohen, der DurchsührnngS-Kommissioil zur Beachtung empfohlen; doch Alles vergebens! Die Führer der ungarischen Orthodoxic halten krampfhaft fest an der fixen Idee, daß sie allein alle Wellklugheit in Pacht geuomineu und außerhalb ihrer Sphäre אין הבסה ואין תבונה zu finden sei. — Wie? auf die Stimme eins Artikelschreibcrs achten und hören? ach, das wäre schmählich, lächerlich!. — O. mein verehrter Herr Redakteur, Sie haben keine Ahnung davon, wie verächtlich die ״Generale" unserer