Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 10 (6.3.1884)
- Article
- Haman "oben" und "unten"
- Date
- 1884-03-06
- Page
- 147 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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147 Und mein! Treitschkc und Andere wegen? einzelner aus dem jüdischen 3ta111mc sich rekru-! tirender T hei ln eh in er ..an den! Lug und Trug des! Gründer-Unwesens״ und ..Wucherer" die ganze Judenheit deS eingefleischten Wucher- und LchacbcnriebeS! zeihen; wenn man noch immer jener mitrelaltcrlichen י Gepflogenheit sich hinneigt, die etwaigen Ausschreitungen ' eines Inden nicht mit denn Namen des Individuums : in Beziehung zu bringen: ״N. 9t. hat ein Verbrechen begangen" — sondern gerne sagt: ..der I n d' hat das und das gethan;" so ist auch dieses intolerante, verdammenSwcrthe Vorgehen ein Kniff, der schon den Judenfeinden zu Haman'S Zeiten seine Erfindung zu verdanken hatte, וינז בעיניו לשלה יד במרדכי לבדו כי הגידו לו את עם מרדכי .,Er hielt es für;n gering, an Mardoehai allein Hand zu legen, weil man ihm das Volk Mardoehai'S genannt hatte." Hätte man dem Haman einfach die Anklage hintcrbracht, das; der ״Mardochai" sich weigere, vor ihm das Knie zu beugen, da hätte wohl Ha man sich genug sein lassen, für die von Mardochai ihm zugefügte Beleidigung an beffeu Person allein Na che zu nehmen.?Iber die jndcufeindlichen Angeber hatten ihre Anklage etwa in der Form zngcspitzt: ״der Jude will sich nicht bücken, der Jude Übertritt die Anordnung deS Königsכי הגידו לו את ״ עם מדדבי, sic hatten statt der Person die Nation angegeben, — daher also die racheschnanbende Wnth. Haman'S gegen den ganzen jüdischen Stamm, aus dessen Mitte ein Einzelner sich gegen ihn vergangen hatte. (Schluß folgt.) Bon 3am)0u Raphael Hirsch. Freundschaft. (Schluß aus Nr. 8.) Das Herz kennt die Bitterkeit seiner Seele. Und and) in seine Freude kann sich kein Fremder mischen. (14, 10.) Zn jeder Zeit liebt der Genosse, Und als ein Bruder für die Noth entwickelt er sich. (17,17.) Oel und Näncherwcrk erfreuen das Herz, Und daS Süße deo FreuudeSumgangS mehr als die Verathung mit sich selbst. Deinen Genossen und den Genossen deines BaterS verlasse nicht. Und zu deines Verwandten Hans komme nicht am Tage deines Unglücks, Vesser ein naher Nachbar, als ein fernstehender Bruder. (27,9.10.) Wie kein Anderer die ganze Tiefe deS Kummers eines Herzens tnitznfühlen vermag, so kann er auch nicht dessen Freude ganz ermessen. Der sich uns treu erschliesicnde Genosse bleibt gleichwohl unser Freund in Freud und Leid, und in diesem treuen Umgang mit nuS wird er uns gleichsam zu einem Bruder für die Noth geboren. Was die Gemeinsamkeit des MutterschoßeS für die physische Geburt von Brüdern ist, das ist die LebenSgemeinsamkeit treuer Genossen für die soziale Brüderirene, die sich gerade in Tagen der Noth glänzend bewährt. Die Freundschaft des Genossen tljut in guten und bösen Tagen wohl. Aber erst in der Noth erkennen wir, welch einen Bruder wir an ihm erworben. Wie Salböl und Wohlgcruch uns leiblich stärkt und erfreut, so süsz ist der Umgang eines treuen Genossen, und ist erfreuender, als weitn wir immer mir mit uns allein Berathung pflegen können. Wer sich dir, oder auch schon deinem elterlichen Hanse als ein treuer Genosse bewährt hat. dessen Freundschuft pflege wohl, sic ist dir werthvoller als bloße Verwandtschaft, und du kannst auf sie sicherer als onf Verwandte rechnen am Tage deines Unglücks. Ein Nachbar, der sich dir bereits theiluehmeud nahe gezeigt, ist besser als ein Bruder, der sich von dir fern gehalten. ־* Viele Menschen nennen Jemanden den Mann ihrer Liebe, Aber wer findet einen Mann verläßlicher Treue! (20, 6.) Se׳. nicht rasch, Jemanden deinen Freund zti nennen, und halte auch nicht Jeden für beincu Freund, der also sich nennt. Viel mehr Derer giebt es, die wir und die sich unsere Freunde nennen, als Derer, die, wenn eS zur Probe komntt, in Wahrheit von zuvorlässiger Treue befunden werden. * Hast du Honig gesunden, iß davon dein Genüge, Sonst könntest du seiner satt werdcit und cs von dir geben. Mache deinen Fuß thcuer durch Zurückhaltung von dem Hanse deines Genossen, Er könnte deiner satt und dir Unfreund werden. (25, IG. 17.) Hast du daS Glück, einen Freund zu haben, so suche dich ihm nicht durch zu häufige Besuche leicht lästig zu machen, selbst wenn du vollberechtigt bist, zu glauben, daß deine Besuche ihn! angenehm sind. Auch des Angenehmen kann man, zu viel genossen, überdrüssig werden.