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Jeschurun · 1884-03-06 · Heft 10 (6.3.1884) · p. 146

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 10 (6.3.1884)
Article
Haman "oben" und "unten"
Date
1884-03-06
Page
146 (sequence 2)
Language
German
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146 bleibt überall dasselbe: in noch schlimmer, die von ,,oben" her bald in salbungsvollen Predigten, bald in populär-wissenschasllichen Vorträgen oder pol irisch sozialen Programmen zum Aufdruck gebrachte Engherzigkeit und Indensresserei zeigt sich leider alv das nieist geeignete Mittel, den ״unten", in! gemeinen Bolle, fast schon völlig entschlafenen naman wieder anfzurütteln und zur Wiederholung jener verbrecherischen Maßnahmen zn reizen, welche direkt zn diltiren jenen ..oben" das bei aller Engherzigkeit doch nicht ganz erstorbene Schamgcfnhl verbietet. Merkwürdig, das; unter den vielen Verfolgungen und Attentaten, welche die Leidensgeschichte Israels zn verzeichnen hat, es kaum noch einen Fall giebt, der mit den historischen •V> a 111 a 11 s ־ A11 s ch lägen, sowohl bezüglich der Antriebe und erhobenen Anklagen, als and) in Bezug auf den Zeitpunkt und die gegebenen Berhältnisse, so viel Analoges hätte, als eben die Indenangrisse der Gegenwart. Wenn wir nämlich die verschiedenen Jndenverfolgnngen der Vorteil nach ihren Antrieben benrtheilen, so finden wir, das; denselben vornehmlich religiöser Fanatismus, Haß und Borurtheil gegen Andersgläubige zn Grunde lagen, weshalb auch deren Spitze mehr gegen das I n d e n t h u 11t als gegen die I nd e n h e i t gerichtet war. Die verschiedenen Mittet, welche seit Antiochns Epiphanes, dann während der furchtbaren Ingnisitionsherrschast, bis ans die Umtriebe der Missionsgesellsehasten in verschiedenen Phasen augewendet wurden, halten alle den gleichen Zweck: Iuda's Löhne znm Absalle von ihrem Bäterglanben zn bewegen. — List und Schmeichelei, tleberredungskünfte, Verheißung hoher Ehren, Belohnung mit reichen Gütern, — Gewalt und Grausamkeit, Berläumdung und Verbannung, Svott und Hohn, sin Here Kerker, furchtbare Scheiterhaufen, unerträgliche Foltergnaleu fanden wechselseitige An- Wendung, um die Glanbenssestigkeit der Juden zu brechen und die In den heit ihrem Indent hu me entfremden zu können צר רנ, עלה ואויב למטה. Die jndenthumsseindkichen Attentate äußerten sich sehr bald in Geivährung verführerischer Begünstigungen und lockender Nangeserhöhnugen — bald in grausamen Uillerdrückungen und Beschränkungen. Ganz anders aber ist die heutige judenfeindliche Strömung zu beurtheilcn, welche weniger gegen das Indent hum als gegen die In den heil gerichtet ist, und deren Antrieb nicht so sehr religiöser Fanatismus, als vielmehr hergebrachtes gesellschaftliches Borurtheil, politische Reaktion int Verein mit einer Verirrung des Natioualgefühls und oft nur gemeiner Brodneid bilden. Doch auch diese Art Iudenangrisse bezeichnet keine völlig neue Phase in der Leidensgeschichte Israels. Es ist dies eben nur — wie wir bereits bemerkt haben — eine Wiederholung jener Haincms-Aicklagcn und Anschläge, über deren Vereitelung durch Gottes Hülfe wir dieser Tage in der Megilla lesen werden. Auch bei Ha man war durchaus nicht religiöser Fanatismus der Antrieb zu seinen verrnchlcn Pernichtnngsplänen; vielmehr waren es: angestammter amalekitischer Rassenhaß, persönliche Rachgier aus verletztem Größenwahn, vornehmlich aber Neid und Scheelsucht, die den Juden ihre günstige Stellung unter der milden Perser-Herrschaft mißgönnten und den allmälig zunehmenden Wohlstand und gesellschaftlichen Aufschwung der Inden nicht ohne tiefsten Ingrimm ansehen konnten. Oie traditionelle Auseinandersetzung *) der von H a 111011 g eünßcrte 11 Ankla g c 11 gcwährt uns einen tieferen Einblick bezüglich der denselben zu Grunde liegenden Motive, und liefert interessante Belege für die auffallende Analogie zu der heute ihr Schlangenhanpt erhebenden Jndenfrage. Oder sagt Haman's זה בא בפרוזבולי וזה 2א בפרוזבוטי nicht ganz dasselbe, was den Kernpunkt der von A 111 - Nhy 11, Ist<'׳czh und Konsorten verkündeten Brandrede bildet: ״Die Inden werden immer reicher, die Ehristen immer ärmer. Werden Jene nicht einst dazu gelangen, eine Aristokratie zn bilden, der die Uebrigen als Leibeigene dienen?" Ist dies nicht die Gespensterscheu vor dein וקרו ליה עבדא דמזדב; בטולמי ג ה ט א (Megilla 15). Und der zweite auch von den Gemäßigteren akkompagnirte Zeterschrei: ,,Die Inden sind eine Nation in der Nation!" — ist er nicht eine Uebertragung der von Haman geäußerten Hanptanklage: ישנו עט אהה מפזר ומפרד בי; העמים בבל מדעות מלבוהך — daß die Inden trotz ihrer Zerstreuung in den verschiedenen Ländern und unter den mannigsachsten politischen Verhältnissen dennoch angeblich überall und immer eine nur für ihre ״kosmopolitischen" Sonder ׳-Interessen lebende einheitliche Nation in der Nation עט אהד bilden und ״ji'ir alle besseren nationalen Einflüsse der modernen StacuSidee verschlossen" bleiben wollen? Eine Anklage, die selbst gewisse Vertheidiger der Inden*) bezüglich jenes ״Häusleins Orthodoxer" gellen lassen möchten, die ihre alten Anschaunngen und religiösen Sonderstandpunkte um keinen Preis anfgcben und von einer Amalgamtrung in Bezug ans Tafel und Ehe durchaus nichts wissen wollen, so daß ihnen die Fähiglei! für gesunden Nationalsinn und Patriotismus ganz mit denselben Argumenten abgesprochen wird, mit welchen auch Haman seine vorher zitirtc Anklage zu bekräftigen sachte דלא אבלי צלינל ולא נסני מינן ולא מינסבי ל;! ילקוט שמעוני אוזשורש רמז ת״הד״נו. (* *) Prof. Harry Breslau, die ungarische Lmke u. A. m.

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