Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 9 (28.2.1884)
- Article
- Kollektiv-Berichte aus Ungarn
- Date
- 1884-02-28
- Page
- 133 (sequence 2)
- Language
- German
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133 lassen c$ gern Anderen und wallen uns auch!ticht das Verdicnll der Anregung vindizireit, wenn wie nur tjoffcu dürstcit, das; unsere Worte auf empfänglichen Boden gefallen, und früher oder später die Wahrheit;111׳ Anerkennung!mb Bchcrzrgnitg gelangen inird. — iSitlc, trügerische Illnsioncn sind uns in tiefster Seele verhaßt, unb leider rönnen mir und laut unserer bibherigen Erfahrung —!vir sind aiifrichtig genug, dies;n gestehen — kaum eine sofortige Wirkung dauernder, praktischer Art versprechen. In nnscrcn! letzten Artikel haben wir cä ansgesprachen, das; wir die Presse als eine öffentliche Weltlanzel betrachten, und so gilt denn auch hier das Wort dco Talmud ביבם שמצוה על אדם לוני ר דבר הנשמע כך מצור! על אדם שלא ממר דבר שאינו נשמע רב' אבא■ אומר חובה (Schamott) 05). Wir haben darum die Feder aus Händen gelegt und - geschiviegen! Geschwiegen;11 dein famosen diplomatischen 15011p des Herrn Schweiger in Angelegenheit des Matrikel- Wesens. Geschwiegen;n dem famosen Ministerial-Erlaß gegen die Wunder- (me!)Rabbis. Geschwiegen;n dem famosen Mcmorandnm der Landeskanzlei, mit welchem die friedfertigen (?'.!!) Kongreßler ad mnjorein 1־c׳ fo ץm;11 i 0 n i s gloriain der Orthodoxie beit Garaus bereiten wollten. Geschwiegen;nr famosen Gegeneingabe der Dnrchsührnttgskornmission, in welcher wieder ad ui.-ijorem cha ssid;r*or11m gk»ria1n für die nnheilvollen Simultanschnlen plaidirt wurde. Geschwiegen, als n׳ir jüngst in der Metropole Ungarns eilte Anzahl orthodoxer Rabbiner zu gemeinsaurer Berathnng vereint gesehen, und die große Mehrheit der ehrwürdigen Versammlung den hcreinbi cchenden Gefahren ein kopfloses ,.Nou [»ossiirnus“ als Schutzwehr entgegensetzten und allen Vermmstgriinden der betsergesinnteit Elemente Hohn sprachen und ein trotziges .,'Rein" votirten. Geschwiegen auch zu dem empörenden Will-!uralt, der in dieser ehrwürdigen Versammlung beschämende Anerkennung gesunden. Es sei dieses traurige Faktum hier in der Kürze skizzirt. Angesichts der iveittragendcu Folgen der Ministerialerlasse und des ganzen Ernstes der Situation, welche dringend zum •Vumbcln anffordert, hatten cs einige der jüitgeren und einsichligsten Mitglieder der אביבה für opportun gehalten, denLeiter der zweitgrößten und hervorragendsten Seschiba Ungarns, den Herrn Oberrabbiner Lasar 0!v ^us S. 6. Ujhely, zu büren, an den Beralhiuigen über die Reorganisation der Ieschibolh theilznuehnien. Ujhely ill aber, wie die Vefer dieser geschähen Zeitschrift bereits wissen, eine iSfatu^ «)NO״-(Gemeinde. I!t der Erinnerung au manche frühere trübe Erfahrung konnte sich Herr Oberrabbiner Löw nicht entschließen, dent stcuse bewährter Freunde und Kollegen unverzng-!ich Folge;1! leiste!!. Er entsendete deshalb zuvor seinen Sohn nach Pest, um mit hervorragenden Rabbiner! private Vorberathnugen zu pflege», und aus Grund derselben fügte er sich dem dringenden Wunsche ansgczeichneler Persönlichkeiten und begab sich nach Pest zur Theilmihmc an der Versammlung. Die besten und bedeutendsten Mitglieder derselben begrüßten sein .Kommen mit inuiger Freude: die Mehrzahl jedoch verschloß ihm die Thür! אל הקרב הלום schallte cs ihn! entgegen, — Ujhely steht nicht unter dein alleinseligmachenden Regime der unfehlbaren Dnrchsührungskommission, darum zählst auch du nicht zu den צדיקים נמורים, die heilige אביבה darf nicht durch einen Status <!uo- Rabbiner entweiht werden! — Diese Dokumentirnng einer kurzsichtigcit Unversöhnlichkeit hat in vielen orthoboxen Kreisen eine ebenso gerechte Entrüstung hervorgerufen, wie er im kongreßlichen Lager mit nnverhohlencr Schadenfreude begrüßt wmrdc. - In unserer Brust tobte cs gar ungestüm. Einen Augenblick dachten wir daran,;nr Feder;1! greifen, um diesen! unerhörten Gcbahrcn entgegenzntrctcn. Doch!vir hielten zurück. — Wir chifsriren ja unsere Aufsätze mit dem Zeichen der Waage und erinnern uns der klassischen Bemerkung.׳ ״Die Logik ist die Waage des Denkens, wie die Gramrnatik die Waage der Sprache:" — mit Logik kann man jedoch die blinde Unvernunft nicht bezwingen und nicht bekämpfen, — darum haben wir weiter konsequent — gef djwi egen! So unterdrückten wir gewaltsam Monate hindurch den tnoralischen Schmerz, den wir bei Schritt und Tritt bitter empfanden, wir dachten an das ]קבלה דיבורי שה׳ קותי und — schwiegen. — Doch bei ״Fluch der bösen Thal" hat uns heute aus der unruhigen Stille emporgeschencht. und der allerneueste Ministerial- Erlaß hat in unser schmcrzdnrchivühltes Herz die quälendste Sorge getragen. Mein Inneres bebt, die Brust zieht sich krampshast znsannnen ob des tiefen Wehs. Ich sehe das Heiligste in Gefahr, von Außen den heranstürmenden Feind, im Innern Zerrissenheit und Verwirrung, Verblendung, Kurzsichtigkeit und Starrsinn -- darf ich da schweigen'? Soll ich nicht versuchen, das Meinigc;!! thnn? Vielleicht gewährt Gott meiner Stimme Eingang in die Herzen, vielleicht—. דאגה בלב א ש 'שיחנה לאהרים gilt ja von der Sorge des Einzelnen, um wie viel mehr von der Sorge um das Gemeinwohl, um wie viel mehr von der Sorge für den heiligsten Schatz, für die Thora, für das Indcnthum. Und so betrete ich denn wiederum ״die Weltkanzcl". O, mein freundlicher Leser, cs sind arge, schlimnte, traurige Verhältnisse, unter welchen wir uns nach längerer Trennung wieder begegnen, aber eine