Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 9 (28.2.1884)
- Article
- Winke für die religiöse Erziehung
- Date
- 1884-02-28
- Page
- 131 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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131 Seite desselben Zurückbleiben darf, wie Geist und Gc- > mütl), Verstand und Her; durchdrungen sein muffen von dem göttlichen Worte, und sich zu erfüllen haben mit einer reinen Begeisterung für einen solchen Berns; wie es gilt, das Kind;u üben,;u rüsten und zu weihen (הנך), auf das es befähigt werde, einer solchen Anforderung zu genügen. Die jüdische religiöse Erziehung ist darum zu seiner Zeit eine leichte Aufgabe gewesen. In der Gegenwart aber dürfte es vielleicht leine Pflichterfüllung geben, welche mit so vielen Schwierigkeiten zu kämpfen hätte, welche in solchem Umfange den ganzen Ernst, die volleudeste Hingebung, die klarste Einsicht, die nimmer erschlaffende Wachsamkeil erforderte, wie diese religiöse Erziehung. Ein jeder Vater und eine jede Mutter sollte darum gerade in Bezug hierauf das inbrünstigste Gebet zu Gott richten: ״ הננו מאתך דעה בינה והשכלsende uns einen Strahl von Deiner Weisheit und Erkenntnis, damit wir die uns anvertrauten theuern Wesen ans den rechten Weg leiten, damit wir ihre Eigenart verstehen, um sie empfänglich zu machen für Deine Lehren und sie zu weihen Deinem Dienste, daß sie willig und freudig sich Deinem Willen beugen und nichts Veglückenderes, Erhabeneres und Beseligenderes kennen, als Dir zn dienen in treuem, liebendem Gehorsam mit ganzem Herzen, ganzer Seele und jeglichem Vermögen." Die jüdische Religion erschöpft sich nicht in der Vorstellnng, welche der Stanbgcbvrene sich von Gott bildet, sie dürste vielmehr sich mit dem Begriffe decken, daß sie die Offenbarung Gottes an den Menschen über die Gestaltung aller menschlichen Verhältnisse nach dem göttlichen Willen ist. Denn wenn wir uns den Inhalt des Iudenthmns vergegenwärtigen, so finden wir keine Enthüllungen über transszendeutale Dinge, keine Erörteruugen und Aufklärungen, welche außerhalb der menschlichen Sphäre liegen. Das Iudenthmn gewährt die göttliche Norm für alle Beziehungen unseres hieuiedigen Daseins, es richtet seine Lehren und Gesetze für die von dem Menschen zu vollziehende Gestaltung seines Gedanken- und Thatenlebens an den Sterblichen und verlangt, daß wir sie uns zu eigen machen und erfüllen. Es will unser inneres Wesen läutern und heiligen, und unsere Handlungen regeln, daß wir die Erde zn einen! Heiligthumc machen, danrit Gott unter uns weile, daß ״Er in unserer Mitte wohne", daß wir Kopf und Herz und Hand Ihm, und nur Ihm allein, weihen. Wenn darum für jeden Erziehungszweck ein frühes Gewöhnen, ein mustergültiges Beispiel und eine weise Belehrung erforderlich ist, so gewiß bei dem Erziehnngsgcschüft, welches die Heranbildung der jungen Meuschenkuospe zum Juden als einziges Ziel sich gesteckt. (Jonsctzung folgt.'; Atsch (0{1j1f!1l)fi111fr. נ״ע H Hannover, 22. Februar. In der vergangenen mitternächtlichen Stunde ist der Mann, dessen Ramm die Ueberschrift dieser Zeilen trägt, heimgegaugen in die Gefilde der Seligen. Ein reiches Leben hat seinen Abschluß hienieden gefunden, einen herrlichen Abschluß, des schönen Lebens würdig. ד; קב״ ה מראה להם לצדיקים עד שהם בעולם הזד, מת; שברן הה שהוא עתיד ליתן להם לעתיד לבא ״ והם ישניםGott läßt die צדיקים die ihrer im Jenseits wartende Seligkeit schauen — und sie entschlummern" heißt es im Midrasch, und also ist auch dieser צדיק friedlich und selig eingeschlafen, ״ זק! ושמעreif und satt", ויאסף אל עמיו UN! ״bei seinen Genossen", den edlen Geistern int Jenseits, zu einem verklärten Dasein zu erwachen. Gott hat den Mann, dessen ganzes Leben Seinen! Dienste geweiht war, die Gnade erwiesen, ihn nur wenige Stunden der Arbeit zu entziehen Er kannte ihn. Er wußte, daß Hirsch Oppenheimer Alles ertragen konnte, daß er vor nichts zurückschrcckte; aber zum Feiern verurthcilt, an's .Krankenlager Wochen- und monatelang gefesselt zu sein, oder stumpf und gebrech׳- lich ein unthätiges Leben hinsiechen zu müssen, das wäre ihm das bitterste Loos gewesen. ״Mein Vater hat gelebt bis er gestorben," sprach einer seiner Söhne int Anblicke des Verklärten in voller Wahrheit. Ja, er hat gelebt bis zum letzten Athen!- zuge, er hat sein Tagewerk ganz vollbracht, er hat seiner Aufgabe keine Minute entzogen. Und welches Tagetverk! Mizwa — das war der Inhalt seiner Tage; die praktische Aethätignng der יראה und אהכת התורה, der Gottesfurcht und der Liebe zum Gottesgesetz, darin erschöpf! sich sein Wandel auf Erden. Hirsch Oppenheimer gewährt, das glänzende Vorbild eines jüdischen Mannes, eines בעל כית, eines rechten ״KaHalsmann". Er war einer der gewandtesten und bewährtesten Mohelim, in der hiesigen Provinz der bedeutendste. So kann Niemand nach Reichthum streben, wie er für die Ausübung dieses heiligen Berufs. Die von ihm in den Abrahamsbund Eingeführten zählen ungefähr zweitausend. Keine Entbehrung, keine Strapaze, kein Opfer war ihm zu groß und zu schu׳er für die Voll- Ziehung einer Milah, und als ob es die erste Funktion dieser Art gewesen, erfüllte sein Herz die innigste Besriedigung und Freude bei der letzten. Als zweiter Vorsteher des WohlthätigkeitsvereinS, היקדישא, entfaltete er eine unermüdliche angestrengte Thätigkeit. Ihn schreckte nicht des Winters Frost, nicht