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Jeschurun · 1884-02-21 · Heft 8 (21.2.1884) · p. 119

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 8 (21.2.1884)
Article
Eine Anregung
Date
1884-02-21
Page
119 (sequence 3)
Language
German
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wir unseren ״frommen" jungen Leuten ihr Festhalten an הורתיגו הקדושה nicht so unendlich erschweren: wir brauchen deshalb auf keinen einzigen der Ansprüche zu verzichten, die wir im Interesse unserer Geschäfte an. das Personal zu stellen haben. Wir verlangen nicht, daß nun alle frommen Prinzipale ihre unrchgiöscn jungen Leute entlassen, das wurde einerseits die Geschäfte schädigen, und wir wollen unseren Kaufleutcnwahrlich nicht mit Erschwerungen kommen, די לנו מה שאסרה הודה, und andererseits würde ein solcher Schritt so und so viele Menschen brodlos machen, und gerade unter den heutigen Erwerbsverhältnisscn sind für uns — wir möchten das besonders hervorhcben — beide Gründe glcich maßgebend. Aber das Gcjchäftspersonal erneut sich von selbst, und für solche Fälle haben wir diese Zeilen geschrieben. Möge diese ״Anregung" zum Mindesten zum Nachdenken anregen! Ans der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts. (Nach einer wahren Begebenheit) Ariedrich H^ott. (ForlsevttNg.l'AUe Ncchle oorbcljali.:» ) ״Sie sind ein stolzer, begehrlicher junger Manu — und ich bin ein alter, selbst in die Faunen meines Kindes vernarrter alter Mann. — Nnn, wohlan denn, wenn Sie es denn nicht crrathen wollen, oder vielmehr, wenn Sic es nicht zugeben wollen, daß Sic die Antwort meiner Tochter errathen haben, so will ich sie Ihnen niittheilen. — Elemcutinc —" ״Halten Sie ein!" rief der junge Mann im Tone schmerzlichsten Flehens, indem er die Hand dcS ihm Gegenübcrstchenden an seine mächtig wogende Brust preßte, ״ich darf's nicht hören, was Fräulein Elemen-. tiue Ihnen anvertrant — obgleich ich sie liebe mit aller Gluth meines Herzens, wie nur je ein Mann die Reinste. Edelste geliebt —" ״Und dennoch?" ״Und dennoch darf ich nimmer daran denken. — 9• 0! — wie kann ich Ihnen danken! — so viel Hüte! — solch' hochherziger Eoelsinn! — und dennoch verzichten zu müssen!" Er barg das Antlitz in den Händen, ein Aechzcn entrang sich seiner Brust. Der Hofrath, obgleich selbst schmerzlich erregt, empfand Mitlciden mit dem offenbar mächtig Erschüttcrten. ״Ein voreiliges Vcrlöbniß bindet Sic?" sprach er nach längerem Schweigen. Der Andere schüttelte verneinend das Haupt. ״Nie hat eine Andere mein Interesse erregt. — Elcmentine ift die Erste, die Einzige —" Des Hosraths Staunen verdoppelte sich. ״Halten .Sic meine Frage nicht f.kr aufdringlich;' aber könnten, wollten Sie mir nicht den Grund Ihrer Weigerung mitthcilen?" ״O, gewiß!" entgcgnete der junge Mann, nach Fassung ringend, ״der Grund meiner Weigerung ist! rasch gesagt — in drei 'Worten — ich bin Jude." ״Jude?" rief der Hosrath voll Staunen, dann aber brach er in ein lautes herzliches Lachen aus ״Jude wären Sie? und der jüngst verstorbene Hhpcrklerikale Baron Woikcrsdorf hat Sie mir als seinen Tanfpathcn auf's Wärmste empfohlen. — Lieber, lieber junger Mann, ich ehre Ihre Gewissenhaftigkeit, mit der Sie sich verpflichtet hielten, mir mitzuthcilcn, daß Sie als Jude geboren sind, noch bevor ich Ihnen vollends mitgethcilt. daß das Her; meiner Tochter Ihnen gehört. — Aber ich dächte, Sie sollten mich bereite genügend kennen, um zu wissen, wie wenig Werth ich auf dergleichen lege. — Also, Sie sind als Jude geboren, aber durch die Taufe sind Sie Christ geworden, gerade so wie ich und wie alle anderen Christen. — Was Sie nnn von den Dogmen unserer gemeinschaftlichen Religion halten — ja, was kümmert das mich? — glauben Sie beim, ich möchte auf alle schwören?" und um die fcingespaltcncn Lippen dcS Hosraths zuckte cs spöttelnd. ״Also auf, junger Mann! Sic haben mir erklärt, daß Sie meine Tochter lieben —" ״Mehr, unendlich mehr als irgend ein lebendes Wesen — und dennoch. Herr Hofrath — dennoch — ich kann, ich darf nach ihrem Besitz nicht streben." ״Das ist mir unbegreiflich!" rief Ärmstem numuthig. Dem Andern war cs inzwischen jedoch gelungen, wenigstens äußerlich seine Fassung zu erringen; zwar vcrrinh ein leises nervöses Zucken seiner GcsichtSmuskel noch hin und wieder die mächtige Erregung seines Innern, aber seine Stimme war vollkommen ruhig. ״Wollen Sie mich anhören, Herr Hofrakh? nur wenige Minuten und Sie werden meine Weigerung billigen." ״Das bezweifle ich. bezweifle ich ganz entschieden. Denn, lvcnn ich auch den Grund Ihres seltsamen Gebahrcns nicht kenne, der Urgrund desselben, dcS halte ich mich überzeugt, ist nichts anderes, als übermäßige Gewisjcnhastigkcit. Nun ist aber Gewissenhaftigkeit in unseren Tagen ein so seltener und darum doppelt hoch zu schätzender Artikel, daß ich selbst das Uebermaß desselben bei dem Gatten meines KindeS freudigen Herzens entgegennchinen würde. — Aber anhören will ich Sie, so lange Sie wollen, und will Ihnen überdies mein Wort geben. Sie nicht zu unterbrechen. Nur müssen Sie dann auch meine Entgegnung beherzigen, so hoffe ich, werden wir schließlich doch noch einig werden. Also, mein Lieber, ich bin ganz Ohr."

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