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Jeschurun · 1884-02-21 · Heft 8 (21.2.1884) · p. 118

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 8 (21.2.1884)
Article
Eine Anregung
Date
1884-02-21
Page
118 (sequence 2)
Language
German
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f 118 Erfolg ruhig Dem überlassen, in dessen Dienst und \ nach dessen Willen wir unsere Lebensaufgabe;u lösen > bestrebt sind.! Wenn wir nämlich, und damit kommen wir zu! dem Gegenstände unserer Betrachtung, die Zahl der! Geschäfte, die 1עבת ף׳״נ geschlossen sind, mit der Zahl der jungen Leute vergleichen, welche ihre kaufmännische Laufbahn in solchen Geschäften begonnen haben, werden wir crstcre ganz wesentlich kleiner finden, und da, meinen wir, dürfe cs sich doch einmal der Mühe verlohnen, den Ursachen dieser Erscheinung nachznspüren und der Erwägung Raum zu geben, ob nicht in Bezug auf daS Geschäft-personal.gar zu sehr dem laisser allor gehuldigt wird. — Der Schreiber dieser Zeilen gehört selbst dem Kaufiiiauusftaiide an, seine Ausführungen sind deshalb keine Ausflüsse der Theorie, vielmehr in der Praxis gesammelte Erfahrungen. — Begleiten wir einmal einen jungen Mann auf den ersten Jahren seiner kaufmännischen Laufbahn. Von religiösen Eltern auf dem Lande oder in einer kleinen Stadt mit Sorgfalt erzogen, ist er in das Alter getreten, seine Ausbildung für den einstigen Lebensunterhalt beginnen zu müssen. Nach vieler Mühe, cs weiß ja Mancher ein Lied davon zu singen, ist cs feinem Vater geglückt, in der nächsten Grogstadt eine Lchrlingsstelle in einem ״geschlossenen" Hause zu finden, und die. Freude des Vaters wird noch erhöht durch den Umstand, daß der zukünftige Prinzipal seines Sohnes anerkanntermaßen der streng religiösen Richtung huldigt. Mit den ernstesten Er- Mahnungen und, wir dürfen hinznsebcn, mit den. besten Vorsätzen verläßt unser junger Mann das Vaterhaus, und merkwürdig, schon beim ersten Besuche, den er seinen Eltern abstattet, zeigen sich entschiedene Anfänge einer ״Aufklärung", von denen früher jede Spur fehlte; er unterläßt es schon manchmal, sich zum Essen zu waschen, vergißt schon zuweilen, vor dem Essen בלבת ZU machen, הפלת מנהה ist bei ihm auch nicht mehr in der täglichen Regelmäßigkeit anzutresscn, wie früher. Damit bcginnt's, und bei der Wiederholung seiner Besuche sehen die Eltern ihr Kind leider — die frommen Juden sind 111111 einmal so — stets fortschreitend in der ״Aufklärung". Das hatten sic nicht erwartet, als sic ihr Kind diesem Hause anvertrauten; hatte doch der Vater bei seinen wiederholten Besuchen im Geschäste selbst mit angesehen, wie der Prinzipal, zum Frühstücke sich anschickend, den Hut aussetzte und sich wusch, war er doch einmal in's Komvtoir gekommen und l)nttc den. Prinzipal bei הפלת נעהת angetrosfcn,;־־״ von dieser Seite konnte seinem Kinde geiviß nichts in den Weg gelegt worden sein, im Gcgcnthcil, es hatte an seinem Prinzipal Las Beispiel treuer Pflichtcrfüllnng vor sich. Und doch?! Ja, lieber Vater. Haft du aber auch vorher erwogen, welche Genossen deiu Kind in diesem Hause erhalten wird? Nicht wahr, du Haft nicht daran gedacht, welches Beispiel diese deinem .Kinde geben, wie diese auf dein Kind wirten werden. Gewiß, es hat im Anfänge nie versäumt, den religiösen Vorschriften beim Essen zu genügcn, es hat damals lieber aus sein Frühstück vcrzichtct, "wenn seine Zeit oder Beschäftigung es ihm nicht gestatteten, denselben Folge leisten zu können, aber du hast nicht gesehen, wie seine Kollegen es verlachten und es neckten, wenn cs zmn Essen sich wusch, wenn es בלפת machte, wenn es ״benschte". Gewiß, dein Kind hat im Anfänge, wenn es während der Mittagszeit zum Minehagcbet keine Zeit fand oder während der kurzen Mittagspause daran vergaß, sich in einen wenig besuchten Theilder Geschäftsräume zurückgezogen, um dort;u beten, aber du hast cs nicht gesehen, wie da der Eine seiner Kollegen cs während der ענלנת (יעלת zum Sprechen bringen wollte, ein Anderer es muthwillig ansticß 11. s. w. Wir haben an dem vorftchcndcn kleinen Gemälde die Farben wahrlich nicht zu grell anfgetragcn, das wird uns fast ein Jeder zngcben müssen, der selbst seine ersten kaufmännischen Kenntnisse sich in einem Geschäfte erworben, wo er mit mehreren jungen Leuten zusammen war llnd ebenso wird man uns zugeben müssen, daß gerade während der Zeit, wo der Karaktcr in der Entwickelung begriffen, 1!nd das sind meist die Lehrlingsjahi'c, nichts so intensiv wirkt, als ein schlechtes Beispiel imd Spott und Hohn. Und nun auch einen Blick unserem Kommisstande, jenen jungen Leuten, die allen Versuchungen und Ablenknngcu widerstanden und ihre religiöse Anschauung-- weise sich zu bewahren gewußt haben. Welche Opfer an Zeit und Gcldhat nicht in unserer Zeit ein solcher zu bringen, bis cs ihm gelingt, eine Stelle zu finden, in welcher er seinen llcberzeugungcu gemäß leben kann! Und cs giebt doch Gottlob noch eine ganz respektable Reihe von Geschäften, die עבת וי״ט geschlossen sind, und unsere frommen jungen Leute können sich doch wahrlich jederzeit mit ihren ״aufgeklärten" Kollegen an Intelligenz und Tüchtigkeit messen. Aber, wenn wir uns diese Geschäfte näher auschcn, und wir haben hier mehr die mit größerem Personal im Auge, werden wir finden, daß es zum Mindesten der Hälfte dieses PersonalS ganz gleichgültig ist, ob sic am Sabbath oder an Feiertagen arbeiten oder nicht, daß sic gerade so gern eine Stelle in einem Geschäfte annchmen würden, welches an jenen Tagen geöffnet ist. Was Noth thnt? Daß wir bei der Anstellung unseres Personals auch unsere Religion nicht vergessen; daß wir daran denken, daß uns so und so viele Menschen gerade in einem Alter anvertraut werden, in welchen sie äußeren Einflüssen am meisten zugänglich sind; daß

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