Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 8 (21.2.1884)
- Article
- Die rumänische Judenfrage
- Date
- 1884-02-21
- Page
- 115 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2932754-2933049-2933058-2956035--14889-2956096- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
115 auf's Tapet gebracht wird, durch welches die jüdischen Grundbesitzer ihrer Ländereien verlustig erklärt werden: vielleicht setzt man ihnen großmüthig alsdann eine fnne Frist zur Veräußerung derselben an Inländer. Welchen Preis sie dann erzielen werden, kann -nun sich leicht vor stellen. Wir sind an einen Punkt angelangt, wo die Frage sich gebieterisch ansdrängt.- haben die Juden in Rumänien ein Recht zu leben?. Man scheint der Ansicht zu sein, diese Frage verneinen zu können. Die frohen Aussichten, die der Berliner Kongreß crösfnete, haben sich als Fata Morgana erwiesen. Finsteres Nachtgewölk senkt sich hernieder — wann wird uns der Sonne freundlicher Strahl wiederum grüßen? SlilgWiiW Ajirnchveisheit. Bon Samson Raphael Hirsch. X. Freundschaft. Eisen wird durch Eisen geschärft, Und cm Mann schärst den Geistcsblick seines Genossen. (27,17.) Wie Wasser das Gesicht dem Gesichte zeigt, So des Menschen Der; dein Menschen. (27, IN) Befriedigung eines selbstsüchtigen Gelüstes sucht der sich Jsolirende, Das zeigt sich bei allem Wesentlichen. (18,1.) Nichts bildet, schärft und erhöht die Gcistesfähigkcit also als der Umgang mit gleichstrebenden Genossen. Nur im Austausch der Gedanken bildet und berichtigt sich das Denken. Ans sich selbst angewiesen, schlnmntert entweder der Geis! oder er verfängt sich leicht in irrigen Vorstellungen und Ansichten. Und wie sich Geister in! Umgang zu gegenseitigem Vonhei! verbinden, so finden sich auch die gleicbgestimmten Derzen znfanunen. Wie ein klarer Wasserspicgel dem Gesichte sich selber zeigt, so findet der Mensch in dern gleichgestimmten Herzen seine eigenen Empfindungen, Gefühle und Gesinnungen wieder und in diesem Wiedersehen! erkennt man ebenso die etwa zu beseitigenden Flecke, wie man sich an dein reinen Guten und Schönen erfreut, und cs läutern und vcr׳- cdetn sich gegenseitig die Herzen, befestigen und stärken z sich im Guten und Edcln. Weder geistigen noch sittlichen Gewinnst bringt daher die Jsolirung, und vor Allem תוי׳צייה, ein Bc- B'isf, für welcher! uns der ganz zutreffende Ausdruck fehlt, der aber die Lhatkrästigc Verwirklichung alles Vescnhaftcn bedeutet, (das Wort ist von gebildet), תו״׳ציה, fordert entschieden das Zusammenwirken, sonrit das Zusammcnsinden. das Ancinaiiderschließen, die Vereinigring möglichst vieler gleichgesinnter Genossen. Ter נפריד, der sich von Allen und Allen! zu rückzieht, dein Keiner gut genug ist, um sich rhu! anzuschließen, dem alle gemeinsame Anliegen kalt lassen, so daß er sicb allein und jedem Mitwirken versagt, der mag seine Zurückgezogenheit mit was immer zu beschönigen suchen, wenn er ansrichtig in fein Her: hincinschant, so wird er irgend ein egoistisches Motiv, und wäre es auch nur ein sctvstsüchtigcs lVclüstcn nach — Ruhm finden, das ihn von aller Genossenschaft vereinsamt. Ein Mann vieler Genossin laugt zur Geselligkeit, Mancher Freund aber hängt inniger an als ein Bruder. (18,24.) Die Ucbercinstimmnng der Geistes- und Gemnthesrichtnng, ans welcher ״Freundschaft" beruht, findet nur zwischen Wenigen statt. Wir können viele Genossen, aber nur Wenige zu Freunden haben. Der Mensch ist schon glücklich zu preisen, dem es gelungen, den Lebensschätz eines wahren Freundes zu heben. Ein Mann vieler Genossen, ein ..Allcrweltsfrcund", ivie nran 08' nennt, ist gut zu geselligem Anschluß, aber ihm fehlt in der Regel die Gemüthsticsi, die zur Freundschaft befähigt. Ein Freund aber schließt sich dein Andern nrrt viel tieferer Innigkeit an. als cs die bloße Bluts- Verwandtschaft gemeinsamer ׳Abstammung für sich allein zu bewirken pflegte. Gcmeiusiuue Abstammung ist etwas Gegebenes, und so gewiß die Gemeinsamkeit der Abstammung zugleich eine Gemeinsamkeit geistiger und Gciuülhs'-Anlagcn mit der Geburt verleiht, die so leicht den Boden zu beglückender Frcnndschast bieten sollte, so giebt doch gerade die Nähe, das Nebeneinander der.?ebciiecmwickeliing. zumal non den Zeiten jngendticher Unreife her. so manche Gelegenheit zu .Konflikten und Misrvcrständuisscn, welche die Gemüt her aasen!.- ander führen, bevor sie sich in Wahrheit zu würdigen und zu schätzen vermögen. Freundschaft aber beruht aus Wahl und bürgt schon in ihrem Entstehen dafür, daß die Gcmüiher sich gegenseitig kennen und schätzen und lieben gelernt. Daher ist allerdings mancher Freund inniger anhänglich als mancher Bruder. Allein, den Gipfel der Seelenvcreinigung bildet cs doch,!venu Brüder auch Freunde sind, und das Seclenband ans Blutsverwandtschaft und Freundschaft gewoben ist, wenn, wie es der Vater nusircs Spruchwciscn ansgezprocheu, י .’צזסרז אחיס נס יהד ^onk'tzung folgt.)