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Jeschurun · 1884-02-21 · Heft 8 (21.2.1884) · p. 114

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 8 (21.2.1884)
Article
Die rumänische Judenfrage
Date
1884-02-21
Page
114 (sequence 2)
Language
German
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114 11111$ und bcn Xobc*?fampf:‘ fümmcrt den 330jarcn bcr .luden Wenn nie;. wen!׳. diese מ erbaute und verachtete Nasse verkommt und verdirbt? Die Welt ist nur für die edlen Rumänen gcsch'ckseist. wer nicht Nachweisen kann, daß in seinen Adern ein Trapsen jenes Mischlmfl-M'ltu* sein hischer, da ei sch er und gctischer Weiber und römischer Kriegshorden rollt, der!jat lein Recht zu leben, der soll verhungern und untergeben. — Das ist die KuUrrrweisheit der Aivilisationsträger in! Sndosten Europas! keine andere Heimath, als den Boden, auf welchem sie und ihre Vorfahren geboren sind — dennoch über sind sie Fremde! An. wen und wohin könnten sie sich wenden, wenn nicht an die Körperschaften, welche über ihr Wohl und Weh zn entscheiden haben? Den Herren Senatoren war Regierung und Deputirtentammer noch zu inildc gewesen, da sie befürchteten, die Juden könnten das Bischen freie Bewegung, welche ihneu das Gesetz in Bezug auf die Märkte belasse, DaS Hansirgesetz, welches so eben von den gesetzgebenden Körperschaften konsirmin worden, ist auSgesprocheuer Maßen ausschließlich und allein zu dem Zwecke geschaffen, um als furchtbare Vertilgnngsmaschine gegen zivanzigtausend durchweg fleißige und rechtjchasfeue, jedenfalls aber geistig und sittlich höher stehende Menschen als die Dnrchsthnittsbevölkernng des jungen Königreichs, zu dienen. Diese zwauzigransend Menschen, deren ernährender Theil bei den! niedrigen Dt and des Verkehrs und Handels ein wahrer Legen für den rumänischen Staat ist, haben nichts verbrochen, als ihre Geburt, und dieses?Verbrechen sollen sie so schrecklich büßen. Wir haben gesagt, der jüdische Hansirer sei ein wahrer Segen, und das ist er auch in der That für ein Land wie Rumänien, welches nur wenig entwickelt ist. Der Jude bringt dem Landmanne die nothwendigcn Bedürfnisse zu einen! müßigen Preise in'S HauS und tauscht dagegen Produkte und abgängig gewordenes Geräch ein. Hört jetzt der Hansirhandcl ans, so ist der Bauer sowohl wie der ״kleine Mann" in der Stadt ausschließlich auf die thcuern Läden angewiesen, in welchen er weit mehr und regelmäßiger sich übervarvortbeil! sieht, als in den wenigen Fällen, wo vielleicht hin und wieder ein unredlicher Hansirer seinen.Kunden etwas benachtheiligt hat. Nachdem die Depmirtenkarnmer das Hansirgcsetz' angenommen hatte, war bei dem Senate eine Petition eingegangen, in rvelcher die armer! Hansirer in den beweglichsten Ausdrücken das hohe HanS um Milde und Barmherzigkeit in! Namen der zahlreichen durch jenes Gesetz brodlos gemachten Juden anflehen. Einen Wilden hätte diese inständige Bitte gerührt, der Senat aber war nicht nur unernpsindlich. sondern häufte zur unmenschlichen Härte noch überrnüthigen Hohn. Ein -Herr Senator bestritt den Bittenden das Recht der Bitte, nur Rnmänier dürften bitten, der Fremde aber dürfe nicht eine Bitte an den Senat gelangen lassen, sintentalcr! er froh sein könne mit dem, was man ihm überhaupt großrnüthig gewähren wolle. Herr Minister- Präsident Bratiann schloß sich dieser Rechtsanschauung an, und so gelangte die Petition nicht einmal zur Verlesnng. ׳Wahrlich, eine schöne Zivilisation. Seit nnderrklichen Zeiten im Lande wohnhaft, Haber! die Inden zur tN'istrrng ihrer traurigen Erster!; ausnützcn. S!e beruhigten sich erst, als ihnen versichert wurde, daß was das Gesetz an Lücken noch etwa enthalte durch eine strenge Handhabung ausgeglichen werden könne und sicherlich würde. Der Minister aber stellte eine weitere verschärste Novelle zu diesem Gesetze in Aussicht und bat, um den sosortigen Vollzug deS Gesetzes nicht aufzuhalten, von Amendirungen der mit der D׳cpntirtentammer vereinbarten Bestimmungen abzusehen. So wurde denn auch das Schicksal Tausender mit 27 gegen 5 Stimmen besiegelt. Indessen setzt der Senat seine Bemühllngcn, das verhaßte jüdische Element immer, weiter zurückzndrängcn und ihn! Rannt und Luft zu versperren, rüstig fort. WaS mit dem Hausirgesctze begonnen, soll in! Wege der Legislatur auf anderen Gebieten vollendet werden. Einen willkommenen Anlaß bildet das auf der TageS« ordnnng stehende neue Aktiengesetz. Ein hoher Herr hatte seine Güter durch Mißverwaltung und arge Verschwendrtng derartig belastet, daß die Hanptglänbigerin, die Banea Romania, zur Subhastation drängte. Nur! tritt der schwierige Kasus ein, daß diese Bank eine anonyme Aktiengesellschaft ist und auch Inden daran bethciligt sind. Durch die Nealisirnng deS Pfandobjekrs würden also auch indirekt Inder! Besitzer von einen! Fußbreit heiliger rumänischer Erde werden, da die Banea Romania den ihr verpfändeten Grundbesitz des Prinzen erwerben würde. Das darf aber beileibe nicht sein. Und darum hat der Senator StatcScu, ehemaliger Minister der Justiz, schnell den Antrag eiugebracht, zu bestimmen, daß keine fremden industriellen Aktiengesellschaften liegende Güter erwerben können. Die Inden sind nach der famosen rumänischen NechtStheorie auch Frernde — und jo wäre der Riegel in erwünschter Solidität glücklich hergestellt. WaS kümmert, es die weisen Gesetzgeber, daß sie damit blind gegen ihr eigenes Interesse wütheu und dem rumänischen Staate auch das auswärtige Kapital und der! frcnibnt UntcrriehmungSgeist — an Beiden ist in Rumänien ein sehr bedenklicheS Defizit vorhanden — entziehen? Nur immer so vorwärts, und das kaum flügge gewordene Königreich schreitet im Krebsgang seinem wirthschaftlichei! Ruin entgegen. Uns soll cs übrigens nicht Wunder uchmen, wenn recht bald auch ein Gesetz

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