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Jeschurun · 1884-02-14 · Heft 7 (14.2.1884) · p. 102

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 7 (14.2.1884)
Article
Der Antisemitismus der "Kreuzzeitung"
Date
1884-02-14
Page
102 (sequence 4)
Language
German
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thttlli, wir kennen keinen AntichristianiSmnS, wir stehen j in Vicbc und Brüderlichkeit zu unseren Mitbürgern, j gleich ihnen wirkend und strebend sür das Wohl des! gemeinsamen Vaterlands und StaatSvcrbaudS, unter׳ thänig der Obrigkeit und gehorsam ihren Gesetzen.; Und hierin soll nnS die antisemitische Strömung, welche sich mancher Kreise bemächtigt hat, nicht beirren. Mag die ..Krcuzzcitung" und die antiseniilischc Liga uns verdächtigen, mögen die Stöcker, Wagner und Genossen tagtäglich uns schmähen — wir beharren in unserer Liebe und kennen keinen Groll und keinen Haß und keine Feindschaft. llitMWs MWa- und llatiliiumufffn. Bon S. B. Rosen heim. — II. Theit. Schluß au# 9?r. 5.! Wir nehmen keinen instand, diesem Bedenken eine thcilweisc Berechtigung znzngcstehcn, und glauben, daß in der That auch nach dieser Richtung hin Fürsorge zu treffen sein würde. ES cziebt indessen auch einen anderen Weg, auf welcheni das anznstrcbendc Ziel erreicht werden könnte; wir meinen die Errichtung eines ungarischen LandesrabbinatS für die zu einer Einheit verbundenen orthodoxen Gctncinden. Wir würden in einem solchen auch in vielen anderen Beziehungen eine wahrhaft scgenSreiche und heilbringende Schöpfung erblicken, wenn ntan mit diesem hohen, verantwortungsvollen Amte einen Mann betranctc, welcher desselben durch Kar a kt er, Weisheit und umfassendes Wissen auf dem speziell religiösen Gebiete, wie demjenigen der allgemeinen Kenntnisse, würdig wäre. Für die hier vorliegende Frage der Erthcilnng von RabbinatSdipl'omcn würde die Lösung sich alsdann leicht ergeben. Dieselben wären von einem Kollegium, welches aus dem Landrabbincr und zwei von diesen: ans der Mitte der im Amte befindlichen Rabbiner dcS ungarischen orthodo!ren LandrabbinatSverbandet hinzuznziehendcn Rabbinern besteht, allein zu crthcilcn. Wir sind keineswegs jo anmaßend, zu glauben, mit diesen Vorschlägen das einzig Nichtige getroffen zu haben; wir vermeinen jedoch, damit eine nicht ganz nnbcachtcnSwerthc Anregung und Hindcutung gegeben zu haben, cS Größeren überlassend, das Geeignete zu schassen. So kann cö nicht bleiben; eine Acndernng muß cintrcten. — Mögen nun Bezirkskommissionen oder ein Landrabbinat oder sonst eine Zcntralantoritüt geschaffen werden — einer solchen mit der Oberaufsicht betrauten Behörde müßte außer Anderem auch die Amtsführung der Rabbiner unterstellt werden, dergestalt, daß sic aus eigenem Antrieb oder auf erhobene Beschwerde dieselbe einer Kontrole zu unterziehen bcrechtigt wäre. Wir wollen nun zum Schlüsse einer in jüngerer und jüngster Zeit sehr überhandnehmcnden Gepflogenheit der Gemeinden Erwähnung thnn, die wir schon vielfach aus manchem berufenen Mund mit den schärfsten Ausdrücken dcS Tadels verdammen hörten. Wenn nämlich eine Gemeinde das harte Loos trifft, ihren langjährigen und geliebten "Rabbiner durch den Tod zu verlieren, dann wird regelmäßig ein Sohn desselben auf seinen Sitz erhoben, den dieser doch manchmal nicht anSznfüllcn vermag. ES ist wohl von den Gemeinden ein schöner Zug von Pietät für den verewigten Leiter, und in das Her; der Gattin resp. Mutter mag es keinen geringen Trost träufeln, den Platz dcS Theuern von keinem Fremden eingenommen zu sehen — aber der guten Sache wird dadurch oft kein Dienst geleistet. Es wird aus das Alter, auf die Befähigung des Sohnes oft wenig gesehen; waö diese Letztere betrifft, so vcrtröstet man sich dann auf die Zukunft. Wer aber kann niit Bestimmtheit sagen, daß diese den gehegten Erwartungen auch entsprechen werde? Wir glauben nicht zu irren, wenn wir dieses fast zur uuvcrbrüchlichcn Regel sich entwickelnde Verfahren nicht einmal als dem Geiste der verblichenen Väter entsprechend bezeichnen — bietet der Sohn die erforderlichen Garantien, dann muß er hinsichtlich dcS AnsprnchSrechteS auf die Stelle seines VaterS als pnnms int,er pares betrachtet werden, vermag er aber nicht diese Garantien zu leisten, daun sollte jedwede Rücksicht und fälschtiche Pietät bescitigt werden!- Wenn wir alles in diesem Artikel Gesagte zusammcusasscn, dann drängt sich nuS als Resultat die tiescmpfnndeue Nothwcndigkeit ans, daß, wenn wir nicht unsere Religion der Zerfahrenheit und schlicßlichen Auflösnng prcisgeben wollen, etwas geschehen müsse, und zwar mit der größtmöglichsten Energie und Opferwilligkcit. Die Gemeinden müssen entschlossen sein, die vielsach bewährte Milde des jüdischen Herzens, wo es nicht gilt, sür heilige Zwecke von weittragender Bedeutung materielle Opfer zu bringen, wieder einmal in der von uns augedenreten Richtung durch ein glänzendes Bciipiel zu bcthätigen, und die materiell wie geistig und moralisch gerettete Stellung vieler Hunderte junger hossnuugSvoller Menschen, ferner das kräftige Einporblühen dcS leider gegenwärtig so vernachlässigten Thorastndinms wird ihnen und ihren Kindern als schönster Lohn erblühen, gefolgt von dem unausbleiblichen Segen des Allmächtigen. Die Rabbiner aber müssen sich in der Bcurthcilnng der Fcschibasrage endlich einmal zu einem über kleinliche Bedenklichkeiten erhabenen Standpunkte cmporschivingcn, müssen endlich einmal di׳.׳ bittere, aber unanfechtbare Wahrheit zugestehen, daß der heutige

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