Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 7 (14.2.1884)
- Article
- Das Gedächtniß Amaleks
- Date
- 1884-02-14
- Page
- 99 (sequence 3)
- Language
- German
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99 Der Sabbath ist das große Denkmal der Herrschaft Gottes über -es Menschen Thun und Lassen, durch die Einstellung jeglicher Werlthärigleit legt Israel Gott die Welt und sich zu Füßen und spricht das Bekennmiß aus, daß Gottes Wille über des Menschen Kraft gebietet, daß Gottes Gesetz die einzige Norm für des Menschen Handeln ist, daß Gott allein König und Gebieter auf Erden ist. Der Mmschenkreis, welcher den Sabbath feiert, sagt sich loS von der Vergötterung der Gewalt, von der Huldigung irgend einer irdischen Potenz — um Gott, Sein Gesetz, Sein Recht als die einzige Macht zu proklamiren. Jede Verletzung des Sabbaths durch Israel enthält die Leugnung Gottes Herrschaft oder den Zweifel an Seiner Wallung und ist nichts anderes als: היש ד׳ בקרבנו אם אין. Israel aber vermag Amalek nur zu überwinden, wenn eS ganz zu Gott und Seinem Gesetze steht, denn nur als Bannerträger des göttlichen Namens ist es gefeit gegen der Menschen Gewalt. Israel ist berufen, Amalek zu besiegen — das Recht soll über die Gewalt triumphiren — der Geist soll das Schwert vernichten. In Nesidim hatte Israel noch nicht die Höhe seines Berufs begriffen, es war schwankend in seiner Treue, und darum ward Amalek nicht bezwungen, darum vermochte der israelitische Heerführer nur Amaleks Gewalt zu schwächen ויהלש יהושע את עמלק; — Amalek aber metzelte alle nieder, welche nicht mit ganzer Entschiedenheit zu Israels Fahne standen ויזנב בך בל ״ ,הנחשלים אחריךwelche Dir mir schwach nachfolgtcn." Fortan aber bedeutet die Geschichte Israels und der Menschheit nichts anderes, als den Kamps mit Amalek; — der Geist, welcher in dem Gesetze, das Israel unter die Völker zu verkünden hat, zum Ausdrucke kommt, der G.'ift des Rechts, kämpft mit der Gewalt den langen, heißen Ningkampf. bis der Morgen des Mensch- Heilsfrühlings heraufzieht, und der Geist der endliche Sieger ist, — bis Jakob Esan überwunden hat, bis Amaleks Gedächtnis; geschwunden sein wird aus der Erinnerung der Menschen. So lange ans Erden noch dem kühnen Eroberer Kränze geflochten werden, so lange der rücksichtslosen Gewalt die Völker Throne erbauen, — so lange lebt noch Amalek; so lange mag es wohl ״geschwächt" erscheinen, so lange mögen wohl auch andere Prinzipien unter ihm zur Geltung kommen — es aber führt mit gewassncter Faust die Herrschaft im Kreise der Völker und zwingt die Nationen in das Joch seines über die Leichen der Erschlagenen dahinziehcnden Triumphwagens. So lange man sich für den Purpur der Gewalt begeistert, so lange die Namen der blutigen Helden von der Mitwelt und Nachwelt gefeiert werden, so lange ist Gott von den Menschen nicht als König anerkannt, so lange ist ״Gottes Thron auf Erden nicht vollendet" לא השם ישלם ולא הכסא ישלם. Und so lange nicht Israel in aufrichtiger und unwandckbarer Treue das Gesetz Gattes auf Erden verwirklicht, so lange es nicht in unerschütterlichem Bertrauen auf Gott seine Zuversicht jetzt, so lange cs nicht den ״Sabbath feiert" — so lange wird es Amalek nicht besiegen. Nur unter dem Panier ה׳ נסי erringt es den Sieg! Und der Sieg ist gewiß — Gail hat es bei der ersten Begegnung Israels mit Amalek ausgesprochen: ״ בי מהה אמהה את זבה עמלקgänzlich vernichten werde Ich Amaleks Gedächtniß" und לך ה׳ הממלבה ״ זו מלחמת עמלקDein, Gott, ist die Herrschaft — das ist der Kampf mit Amalek" (Aerachath 58). Wenn keine Zähre mehr rinnt, die die Gewalt erpreßt, — wenn kein Blut mehr fließt durch des Kriegers Schwert — wenn vor GottcS Gesetz sich der gekrönte Erdensohn in Wahrheit beugt — wenn die Standsäulen der Eroberer in Trümmer liegen, — wenn der Kinder Mund die Namen wilder Eroberer nicht mehr kernt — dann zieht Gott zur vollständigen Herrschaft ein in den Kreis der Nationen, — dann ist ״Seine Anerkennung vollkommen", dann ist Amaleks Gedächlniß erloschen — dann ועלו מושעים בהר ציון לשפם את הר עשו והי תה לה׳ ה מ לו בה. Der AilMiiiÜ'isinils kt ״kmweitiiilg" YI. 'Schluß.) Die ״Kreuzzeitnng" wolle eS gütigst verzeihen, wenn wir in dem Theile ihrer ״Kirchlichen Rundschau", welchen sie uns zu widmen so freundlich ist, von diesem christlichen Geiste keine Spur zu entdecken im Stande sind. Ein jüdisches Mahnwort lautet: ״auch der Segenswunsch eines Unbedeuteudeu. Ullivisseuden, erscheine dir nicht gering"; wir möchten einen Segenswunsch über die Kreuzzeitung aussprechen: möge sie sich mit dem christlichen Geiste der Liebe, den wir im Vorangehenden ans dem Paulinischen Sendschreiben an die Korinther zitirt haben, ernstlichst und eingehend vertraut machen und denselben auch uuS gegenüber bethätigen. Verachte sie diesen Wunsch nicht; er wurzelt nicht in egoistischen Motiven, so schätzeuswerth unS auch die Liebe der ״Kreuzzeitnng" ist. UnS will es nämlich bedünken, daß nur die Liebe jene ücht chriftliche Liebe ist, welche ohne Unterschied allen Menschenkindern sich zuwendet, so daß uns Diejenigen nicht davon erfüllt scheinen, die solche einem Theile der