Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 6 (7.2.1884)
- Article
- Der Neubau des jüdischen Lehrer-Seminars zu Köln
- Date
- 1884-02-07
- Page
- 84 (sequence 2)
- Language
- German
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!um hinter uns liegt, so wollen Sie diese Verspätung! mit meinem Bestreben entschuldigen, Ihnen ein zu- ' sauuncnhängendes, abgeschlossenes Bild der Festlichkeiten ’ zu cnrwersen, welche sich an die Einweihung des neuen Lehrer-Seminars für Rheinland und Wc-lfaleu und an ' diejenige der neucrbautcn Synagoge der Religion-- Gesellschaft Adaß-Ieschnrun knüpften. Bon Nah und Fern hatten sich zahlreiche Festgenossen cingcfnnden, und cs war in der That ein ergreifender Moment, als in der Aula des Seminars die aus allen Richtungen zusammcnströmendcn Freunde der Anstalt sich gegenseitig begrüßten und bcglückwünschten, einem solchen Feste beiwohnen zu können. Der eigentliche Festakt begann kurz nach 10 Uhr mit einem Ehorgejang, dem sich der Vortrag eines schönen Festgedichtes anreihtc. Hierauf bestieg der Vorsitzende des KuratorinmS, Herr Jakob Simon, die Tribüne, um die Anwesenden, welche nach Hunderten zählten, auf's Herzlichste zu bewillkommnen. In präg-!tauten Zügen zeichnete der Redner die EntstchungSgcschichte des Seminars, die Verhältnisse, die eine solche Anstalt gebieterisch verlangten, die Thüligkeit hervorragender Persönlichkeiten, welche sich um dieselbe vcrdient gemacht haben, und schloß, die Anstalt Narncns des Kuratoriums ihrer hohen Bestimmung übergebend, mit den innigsten Wünschen für ihr ferneres Gedeihen. Den Zentralpunkt der ganzen Feier bildete die nun folgende Festrede des Herrn Scininardircktors Rabbiner Du. Plato. Atllehncnd an die, die Einweihung der ersten Gottesstatte aus Erden einleitenden Worte: ויהי ביום כלוה מיטה להקים אה הנזשבן knüpfte der Redner die reiche Fülle tiefer Gcdankewan einen Ausspruch N. PiuchaS ben Iairs zu IV. B. M. Kap. 7,13. םישאי An dem Tage, m! welchem Moscheh das Heiligthurn vollendet mit allen feinen Gerät Heu und speziell die Opferslätte geweiht und geheiligt hatte, und die Fürsten Israels mit ihren Gaben zu dieser Opferstülle herangetrcten waren, da zeichnete sich die Spende des Fürsten vom Stamme Juda in ganz besonderer Weise aus. Das heilige Schriftwort deutet diese Auszeichnung durch ein doppeltes Waw an, weiches bei den übrigen Fürstcnspcndcn fehlt. Die Vollendung feiner Opfergabe kam in sechs von ihm entstammenden Nachkommen zum Ausdruck, die mit sechsfachem Gottcssegcu durch alle Zeiten leuchten. Die sechsfachen Vorzüge, in welche im Midrasch die segensreiche Bedeutsamkeit Davids und Moschiachs, Daniels, Ehananjas, Mijchacls und Asarjahs zusammengefaßt wird, bezcichnete der Redner als das ideale Höheziel aller Derer, welche als Lehrer, und speziell als jüdische Lehrer zu irirken den Beruf habcu. Die sechsseitige Durchbildung, wie sic an diesen Vorbildern zum Ausdruck gelaugte, beleuchtete der Redner mit der ihm eigenen Präzision des Ausdrucks und Klarheit des Gedaukens und stellte dieselbe als das von jüdischen Lehrern anzustrcbende Beispiel hin. — Vielleicht entschließt sich der Redner, die vielfach au ihn gestellte Bitte zu erfüllen und diese durch Inhalt und Form vollendete Rede durch den Druck einen! größeren Kreise zugänglich zu niachen, da eine auch nur annähernde Wiedergabe ihres reichen Inhalts weit über den Rahmen einer Korrespondenz hinausrcicht. Der bereits Heimgegangenen, verdienstvollen Gründer und Förderer der Anstalt gedachte daun in schwungvoller Rede Herr S. Mannsbach, der wackere, unermüdlichc Oiciibant deS Seminarvereius, dem sich dann ein begeistertes und begeisterndes Schlußwort des Herrn Rabbiners Dr. Lehmann anreihtc. Nachdem die -Feier durch einen Ehorgcsang beendigt war, erfolgte nunmehr die Besichtigung der Anstalt unter Führung des Erbauers, Herrn Architekten Brock mann. Das erfreuliche Nesitltat dieser Bcsichtigung haben Sie bereits in Ihrer jüngsten Nummer gebracht, weshalb der zweite Theil des Berichts, über das Festbankett, hier sofort folgen mag. In dem geräumigen und prachtvoll dckorirtcn Louiseusaal begann Nachinittags 3 Uhr das Festmahl, und hatten sich dazu ca. 1 <10 Gäste, Herren und Damen, eingesuudeu. Die geistige Würze des Mahls bildeten die zahlreichen Reden und Toaste, mit welchen die einzelnen Redner das Fest verherrlichten. — Sr. Mas. den! Kaiser galt der erste von Herrn Seminar-Direktor Rabbiner Dr.Plato ausgebrachte Toast, dem alle Anwesenden mit begeisterten! dreimaligem Hoch zustimmten. Der nun folgende Trinksprnch des Rendanten Herrn Mannsb a ch feierte die hohen Verdienste des Herrn Rabbiners und Direktors Dr. Plato. Herr Jakob Siinon, der Vorsitzende des Kuratoriums, widruete sein Glas den anwesenden Ehrengästen, in deren Raine!! dam! Herr Rabbiner Dt׳. Lehmann in längerer Diebe er-- wicderte. — Von den zahlreichen noch folgenden Rednern mögen hier noch die ernsten und heiteren Vorträge der Herren Provinzialrabbiner Dr. M1! u k aus Marburg, Julius Harff, Leonhard Eiuauncl und N. Wolf, sowie Dr. Auerbach aus Köln hcrvorgchoben werden. In gehobener, heiterer Fcslstimmnug verlies das Herrlichc Fest, daS seine Theilnehmcr noch lange über die Mittcrnachtsstnnde hinauszusammenhielt und noch lange in der Erinnerung aller Gäste fortleben wird. An! Freitag, den 16. Januar, begannen die Einweihungsscicrlichkeitcn der direkt vor dem Seminar-