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Jeschurun · 1884-01-24 · Heft 4 (24.1.1884) · p. 55

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 4 (24.1.1884)
Article
Jüdische Wohlthätigkeit in New-York
Date
1884-01-24
Page
55 (sequence 3)
Language
German
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zur Verfügung stellen. Das wird nicht beherzigt, und darum erblicken wir eine graste Gefahr in jeder Anfsardernng, die Privatwahlthärigkeit einznstellcn. Auster diesem grasten Blinde der ..United Hebrew Charities" scheinen in den jüdischen Gemeinden New-- Parks nach viele Veranstaltungen zu existiren, die in gleicher Weise zur Minderung der Oiotl) und Ar mul h j ihrer Brüder wirken. Der Segen Gattes ruhe auf l allen diesen wahlthütigen Werken alle Zeit. s Ans der crftcn Hälfte uufcrcvS Jahrhunderts. ()kach einer wahren Begebenheit) Ariedrich 51011־. l For'NeMlllg.) l 'UN- WiMm• 1un-l>d),mat ) ״Uebcr was Sie mit nur reden Mächten, nun ja, das kann ich mir freilich denken, aber was Sic mit mir reden wallten, das kann ich dach 11id)t ererrathen," fügte er lächelnd hinzu, als er den Bauer unschlüssig zögern sah. Scidler drehte den -VMit in den Händen, so eifrig, als wäre er eigens zu diesem Zwecke van seinem Darf zum Rabbi gekommen. ״Hochwürdigcr Herr," begann er von Neuem, ״als ich's vorige Mal mit dem Herrn Kahn bei Ihnen gewesen war, da haben's allerhattd zu mir gered'r, von selig werden und ni selig lverden — i Hab mir all's gut gemerkt und immer darüber gedacht all die Tage her und die Nachten meist a - — und i mein' halt, hoehwürdiger Herr 's war' dach ni richtig, wie Sic gcred't haben. — Sie haben sieh halt g'irrt, Hochwürdcn —." Um des Rabbi Lippen zncktc es. ״Ich will die Möglichkeit eines Irrthums meinerseits nicht in Abrede stellen, doch bin ich mir keines solchen bewußt, und must Sic daher ersuchen, mir sagen zn wallen, in welcher Beziehung Sie glauben, daß ich mich geirrt." ״Schann's, hochwürdigcr Herr — aber i bitt’ gar schön, nehmen's ni für ungut —" ״Bitte, junger Freund, reden Sie nngenirt — ich werde Ihnen im Gegcnthei! dankbar sein, wenn Sie mich ans einen Irrthnm ailsmerksam tnachen." «Ru, alsdann — schauen's, hachwürdiger Herr — i bin a talkider Bauer, aber selig will i werden und i denk', unser Herrgott laßt die braven Israeliten selig werden und alle braven Menschen a — meinen's ni, Hochwürden?״ Der Rabbi gab durch Kopfnicken seine Zustimmung, und der junge Mann fuhr mit einer gewissen Selbstgefüttigkcit muthiger fort. ״Aber schancn'S, hochwürdiger Herr — wenn einer seine Religion hat umtauschen wollen, so ist er schon ka echter mehr — und so in's dach mit mir; — a rechter Christ bin i ni mehr — van wegen mein Christsein kann i ni selig wer'n, und wenn nn die Israeliten nix wissen wollen van mir, wo sollt' da meine Seligkeit Herkommen'? — 's war' g'rad, als wollt' sich eines ans zwei Sesseln sehen, die ni dicht z'sammen stehen — plumps liegt's an der Erden — heistt das, drunten im Hällenpsnhk." Es war kaum möglich, bei diesem drastischen Gleichnist vollständig ernst;11 bleiben; dennoch gelang cs dem Rabbi. ״Ihr Glcichnist ist nicht ganz zntreffend, lieber Freund," sprach er, ohne zu lächeln, ״und kann ich Ihnen nach keinen Irrthnm meinerseits zngestehen. Ich habe Ihnen mit Nichten gesagt, daß mir brave Inden und nur brave Christen des ewigen Heils theilhastig werden können; ich sprach von allen braven Menschen. Dem als Jude Geborenen ist cs sreilich einzig und allein auf dem Boden des Indenthnms möglich; dach jedem nicht als Jude Geborenen ist jener freie, gerade Weg angewiesen, der eben an jener Stelle sich befindet, die Sic als die Mitte zwischen Inden- und Christenthnm bezeichnet, ans der, nach Ihrer eigenen Angabe, grade Sie sich befinden." Der jm'ge Mann schaute trübe zu ihm ans, er hatte sich in Wirklichkeit mit der Hoffnung geschmeichelt, dem Rabbi einen Widerspruch gegen sich selbst nach-׳ tveiscn zu können; dessen einfache Erwiderung hatte jedoch seine Hypothese nmgestvsten. Was nun'? — was konnte er weiter Vorbringen'? ״Wenn Sie keine andere Skrupel hegen, lieber Freund," fuhr der Rabbi nach kurzer Panse fort, ״dieserhalb dürften Sie furchtlos in die Zukunft blicken." ״I denk' ni," enlgegnete Scidler mit trübem Kopfschütteln, ״i denk' ni, hoehwürdiger Herr —. Schanen's i bin gach — wenn mir was ni recht ist, glei saßt mi der Zorn und i weist selber ni, was i tl)u —. Einstmals, als die Marie noch aufm Hof war g'wesen — wenn sic ni hält' Toni geschrieen, i hätt'n Mord aufm G'wissen. — Aber jetzt — kaner is ni da, der mir könnt' znrückhaltcn — wenn jcht —" ״Aber ich glaube in Wirtlichkeit, Sie machen sich schlechter als Sie sind. — Sie sehen nichts weniger als mordlnstig ans. — Westhalb haben Sic denn damals einen Mord begehen wollen?" ״I hob's ja ni gewollt — aber i hätt's g'than, im Zorn mein׳ i, weil der Kerl die Viecher hat mißhandelt und hat's ni lassen g'wvllt." ״Dann war Ihre Erregung allerdings begreiflich und sie ehrt Sie. Aber eben deshalb glaube ich auch nicht, daß Sic, auch wenn Sic nicht zurückgchalten worden wären, den Mord begangen hätten." ״Vcrzcihen's, Hochwürdcn, das verstehcn's ni. Sic seien alleweil hier mit Ihne Ihre Bücher und

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