Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 4 (24.1.1884)
- Article
- Jüdische Wohlthätigkeit in New-York
- Date
- 1884-01-24
- Page
- 54 (sequence 2)
- Language
- German
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54 Der gegenwärtige Bericht begreift einen Zeitrann!; חוסיו Mai 1 s8^ bis Ende September 1**4. Es; wurden iin Ganzen etwa 1 2 000 Personen unterstützt; und dafür *'.)<.!49 Toll verausgabt. Diese 3iimmc . ist tHeils non den verbündeten Vereinen, thcils durch! Legate, Scheukuugcu und Sammlungen ausgebracht ' worden. An Vegaten gingen!000 Toll, au Schenkungen und durch Sammlungen 34 242 '£141. ein, außerdem verschiedene Schenkungen in Naturalien. Tie sämmtlichen an der Verwaltung theilnchinenden Personen bczisscru sich ans 42 Herren und 14 Damen, intlnsive der Aerzlc. Es wurden <'>44 '2 Tons Kohlen,! 419 Paar Schuhe, 4*0:; Kleider, 24* Decken. 202 Pards Wollen- und Baumwolleuzeugc und zahlreiche andere Artikel vcr« thcilt. <;<"' Personen wurden nach Europa und 447 :!ach Kanada und dein Innern der Vereinigten Staaten mit einem Koslcnauswaude von 8247 Doll, befördert. Die Ursache dieser starken Emigration ist in der unklugen Verschiffung von einer zu großen und ungeeigneten Anzahl Flüchtlingen von Europa nach Anierika zu suchen. 7'.» Erwachsene und .47! Kinder wurden mit einem Anslvand von 3413 Doll, beerdigt. Bei 244 Wöchuerinnen wurde eine Hebamme entsendet und 127 Bündel nothweudiger Wäsche :e. nebst Nahrungsmitteln geliefert für!<>4* Doll. — In der I!!dnstrieschn!e wurden }!05 Mädchen in weiblichen Handarbeiten anSgebildet,! u!n alc Näherinnen, Schneiderinnen, Stickerinnen und! Köchinnen sich selbstständig ernähren zu können. Für! Medizin wurden!074 Doll, verausgabt. > Der Bericht weist daraus hin, daß für die gewerbliche Ausbildung der Knaben in ׳N'ew Pork fast gar nichts geschehen und macht entsprechende Vorschläge zur Heranbildung eines gediegenen Handwerkerstandes. Ebenso! sei das, was für das weibliche Geschlecht gethan werde, j angesichts der etwa 4000 einer besonderen Ausbildung Bedürftigen sehr wenig. Die ringcheiirc und dazu unverständige von Europa aus durch die dortigen Komitees bewirkte Einwanderung übersteige aber die Kräfte der ״New Yorker Juden. Die Sauilätskommissiou klagt über die schlechten Wohnungen, in welchen es an genügender Vuft und gutem Wasser sehlt, hebt aber besonders rühmend die nach ״alten orthodoreu LebcnSgewoh!chcitcn" sich Führenden hervor, welche regelmäßig die Mikivaoih benutzen. deren cS 14 gebe. Sie schlägt zur weiteren Verfolgung ihrer Ausgabe vor: eine ausgedehntere Versorgung der Armen mit guter Nahrung und leichterer Beschaffung von Medikamenten, bessere Wöchneriunenpflege, Volksküchen, Warte!chnlcn, Freibäder n. s. w. Wenn so das Bild, welches dieser Bericht entwirst, einen wahrhaft erhebenden Eindruck hervorruft, und wir unter freudiger Anerkennung die Sorgfall und die Hingebung, welche unsere transatlantischen Brüder für die Armen und Hülfloscn in so praktischer und vielseitiger Weise bethätigen und sic als die רהבלגים בני•' רהגע'ם adeln, bewundern, so berührt es uns um so schmerzlicher, in demselben auch der Ausführung eines Gedankens zu begegnen, der nur wenig mit dem Geiste echter altjüdischer Wohlthätigkeit zu harmonircn scheint Wir meinen die Mahnung an die jüdisch«׳ Bevölkerung, jede an sic von Armen direkt gestellte Bitte u:n Unterstützung konsequent abzmveiscn. Die ׳Verwaltung des WohlthäligkeitSbundes verfällt hier in den Irrthmn, der oft n׳ahrgenommcn wird. Weil sie in erböhlerein Maße Werke der Liebe üben möchte und dafür größerer Mittel bedarf, als ihr jetzt zur Verfügung stehen, darum sucht sie durch diese Mahnung sich solche zu schassen — freilich auf Kosten der Armen. ’ Sic vergißt, daß bei allcur Eifer'für das Gute sie doch; nur aus kurzsichtigen, dem Irrthmn unterworfenen! Sterblichen besteht, und daß aller guter Wille und die! hingebcndste Thätigkeit nicht ansreichen, mn allen '! Bedürsnissen der Armuth gerecht zu werden. Neben; der gemeinschaftlich geübten Wohlthätigkeit, welche allein ' Großes zu leisten vermag, muß auch der Privatwohlthätigkeit ein Feld zur Ausübung der Milde direkt und unvermittelt rcscrvirl bleiben, mn die Lücken anSzufüllen, welche jene ganz bestimmt noch übrig lassen wird. Nur dann wird man den Kamps mit der Armnth erfolgreich zu Ende führen können. Es ist gewissermaßen eine Ucberhebnng und Ucberschätznng der eigenen Einsicht und Kraft, wenn man spricht: laßt uns allein wirken, wir übersehen )Nichts, wir kennen Alles, wir überschauen alle Verhältnisse. Das vermag nur der Allwissende. Dann aber übersieht man bei einem solchen Verlangen ein Wesentliches. Wenn wir Söhne Abrahams und Sara's daö herrlichste Erbthcil unserer Ahnen, das weiche Herz, das milde Genutth, den theilnchmenden Sinn, das warme Mitgefühl, die ׳ bereite Hand ,;um Eleben, auch Miseren Kindern hinter-! lassen und bewirken wollen, daß auch sie barmherzig! und wohlthätig bleiben, dann müssen unsere Kinder! sehen, daß wir dieses Erde besitzen. Weil wir ge- ' wohnt waren, daß an unserem Eltcrnhause kein Bc- : durstiger mnjonst angeklopst, daß unsere Väter und; Mütter Jeden! gespendet, ob viel oder wenig, darum; sind wir an Wohlthm! gewöhnt. Scheu aber unsere j Kinder, daß wir der Bitte der Armnth unser Herz! und unsere Thür verschließcn und uns bamit begnügen, | alle Vierteljahr eine gewisse Summe an irgend eine! Verwaltung zu senden, dam! verhärtet sich ihr -Herz,! dann erstirbt ihr Mitgefühl, dann lernen sie von uuS,! wie man sich der Bitte der Armuth gegenüber taub! und nneinpsindlich macht, und sie werden nicht mit so! vollen Händen den Armen-Vcrwaltungcn die Mittel