Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 4 (24.1.1884)
- Article
- Der Antisemitismus der "Kreuzzeitung"
- Date
- 1884-01-24
- Page
- 53 (sequence 3)
- Language
- German
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- Isaiah 1× ep/1005097
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53 iljncn, bcu Semiten, die Steifung als ein Reich von Priestern unb al* ein Ijeitt^eo Roll inmitten der Mensch heil;!!gewiesen — der will nicht antisemitischen BeftiTbuiiflcn seinen Segen ertbeilen. C5־r, der die Semiten Moses, Saiitne(, David, Jesaja, airmija und die ganze Reihe semitischer Männer;11 Rer!ändern seiner Cffenbarnng gewürdigt: der das Semiteiwolk, die Inden, wie er es verheißen, auf Adlers sittigen getragen nnb es beschützt hat während der langen schweren Wanderschast dnrch die Jahrtausende: der es dnrch den Mund seiner semitischen Diener, der Propheten, hat verkünden lassen, das; er die Nachkommen der Semiten Abrahame, Isaaks und Jakobs nimmer verstößt, nimmer verläßt, nimmer das Band seines mit ihnen geschlossenen Bandes löst, nnb es dereinst sammeln wird ans den vier Enden der Erde, um es heimznbringen nach dem Lande ihrer Ahnen, zu dem wiedererslanbenen Zionstempel — der wendet sich gewiß nicht dem vermeintlich religiösen Antisemitismus der ״Krenzzeitnng" als einem ihm angenehmen Opfer zu. Und der König, Preußens König'? Der ״Kreuz- Zeitung" sind gewiß Preußens Könige heilig, und vor deren Knudgebnugen beugt sie sicherlich das Haupt in ehrfurchtsvoller Demuth. Des höchstseligen frommen Königs Friedrich Wilhelm 111. Majestät Ansicht über die Semiten finbet sieh aber in jenem ewig denkwürdigen Edikte vom 11. März 1812 ansgebrückt, welches ans dem freien Antrieb seiner königlichen Entschließung in einem in der Geschichte Preußens und Deutschlands unvergeßlichen Momente erlassen ist, und in welchem es folgendermaßen heißt: ״Die in unseren Staaten jetzt wohnhaften, mit General - Privilegien, Ratnralisations - Patenten, Schntzbriesen und Konzessionen versehenen Inden und.deren Familien sind für Einländer und Preußische Staatsbürger zu achten (§1). — Die für Einländer zu achtenden Juden sollen, in so fern diese Verordnung nichts. Abweichendes enthält, gleiche bürgerliche Rechte unb Freiheiten mit den Ehristen genießen (£ 7). — Sic können daher akademische Vehr- und Schul-, auch Gemeinde-Aemter, zu welchen sie sich geschickt gemacht haben, ver ralien." Wenn der Geis: Friedrich Wilhelm Hl. heute zu der ״Krenzzeitnng" Hinabstiege ans seiner seligen -Höhe, er würde zu dem vorgeblichen religiösen Antisemitismus das königliche .Haupt schütteln. Und der Sohn dieses preußischen Königs, unser erhabener Kaiser Wilhelm sanktionirte die völlige und uneingeschränkte Gleichstellung der Semiten und vollendete was sein Vater verheißen: die von dem ersten Reichstage des nenerstandenen deutschen Reichs auf die Thronrede vom 21. März 1871 erlassene Adresse ist von dem semitischen deutschen Abgeordnetell Eduard Laster versaßt: — der preußische König und deutsche Kaiser billigt nicht den vermeintlichen Antisemitismus, welcher das in der Kaiserproklamation vom 18. Januar 1871, dem (Rbnrlslage des verjüngten deutschen Reiches, ausgesprochene Gclöbniß: ״die kitechte des Reichs und seiner (Glieder zu schützen gestützt auf die geeinte Kraft seines Volkes — allezeit ein Mehrer des Reiches zu sein, nicht an kriegeri7 ׳ : Eroberungen, sondern an den Gütern und Gaben des Friedens ans dem Gebiete nationaler Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung" zu Schanden zn machen droht. Und ebenso verneint auch der edle Sproß des erlauchten preußischen Königsstammes, der Stolz des preußischen und deutschen Volks, Kronprinz Friedrich Wilhelm, die Berecknigttng der sich Antisemitismus nennenden Bewegung und vernrtheilt solche in den schärfsten Worten, wie kürzlich im Parlamente konstatirt worden. Was aber vor Gottes atlschanendem, allgerechtem Richterblicke nicht besteht und von drei Generationen des Hohcnzollernhanses nicht gebilligt wird, das wird ganz bestimmt nicht von der ״Kreuzzeitnng" als dem Wohle des Vaterlandes entsprechend gekennzeichnet werden können. Wenn sie ihrem Wahlsprnche treu bleiben will, so wird sie also auf den Antisemilismus verzichten und erkennen müssen, daß sie damit aus einer falschen Fährte sich befindet, die nicht vorwärts, sondern rückwärts, ohne c^olt und König, gegen das -Heil des Vaterlandes zum Verderben führt. (Horisktzung folgt.) MW W!ItWiß!!eit in D111-MK. Es liegt uns der nennte Jahresbericht des ״Board os tl)c United Hebrew Eharities os the Eilt) oj New- Bork" vor, welchem die folgende bemerkenswert he Darstellung entnommen ist. Van den in dieser Stadt bestehenden jüdischen hnmaiien Gesellschaften haben sich mehrere vor neun Jahren zu einem Verbände vereinigt, um durch einen föderativ, nicht zentralistisch, gestalteten Bund eine gedeihlichere Wirksamkeit zum Heile der Bedürftigen entfalten;11 können. Dieser umfaßt jetzt sechs Gesellschaften und zerfällt in nenn Sektionen: den Kommissionen für die Industrieschtile, für das Finanzwesen, für Naturalnnterstütznng, für die Answandernng, für ärztliche und gesnndheitliche Unterstützung, für Aeschästigiliigsiiachweisuiig, für freies Begräbnis;, für Wochenbetteriniien, letztere ans Damen bestehend, und einem allgemeinen Frauenkomitee. Außerdem bestehen vierundzwanzig Distriklskomitces und ein siebenzehn Aerzte umsassender Stab für die Krankenbehandlung.