Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1884-01-24 · Heft 4 (24.1.1884) · p. 52

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 4 (24.1.1884)
Article
Der Antisemitismus der "Kreuzzeitung"
Date
1884-01-24
Page
52 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2932754-2933049-2933054-2955692--14649-2955746
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

ücrl)cn TiU]c0prcfk systematisch verhöhnt und das Knochen - | gerillt k in Co ölonon!!scheu Vcbcii^ wie Merkur anshöhlt! und vermorscht. 1 Vcrstehen nur diese 2a be recht, so bedauert die .,Krcn;;e!tn!!g", das; der Antisemitismus sich nicht auf s religiöfm Untergrund gestellt, trotzdem aber verzweifelt sie nicht an de׳.u endlichen gedeihlichen Erfolg seiner tz-estrebuugev, weil ein christliches Volk sich nicht von ■ einer winzigen nicht christlichen Minderheit in der Tages- ׳' presse in seinen heiligsten Gefühlen verhöhnen und sich! . materiell zu (Grunde richten lassen könne. Uns ist hierbei mancherlei nicht klar. Venn, nach j der ״KrenZeitung". ״derAntiscmitismns sich seine Gebens- oder unterbunden" hat, — und das heisst doch, wenn er keine Kraft besitzt - weil er die religiöse Baus; nicht beuchtet, wie kann er dann weiter wirken? Und; ferner, tvenn seine Lebenskraft in der ihm mangeln den religiösen Basis besteht, wie kann das Volk —; und dieses mus; doch eine antiieniitischc Empfindung I hegen — sich in seinen heiligsten Gefühlen --- diese sollen j doch un-1)1 die christlich rcligioseu sein — verletzt fühlen? | Und endlich, wenn die religiöse Basis allein dem Antisemitisinns seine eigentliche siegende Macht zu verleihen im Alande ist, wie kann dann die niateriellc Schädigung ein solches Wunder vollbringen? Wir erwarten hierüber von berufener Teile eine Belehrung, welcher sich dag!! anch ein Ausschluß über die ״religiöse Basis" des Antifeinitismns anfchließcn möge. Inzwischen dürste die Annahme gestattet sein, das; der Amifemitismns in zweierlei Gestatt aiifrritt, als ein religiöser imb ein nationaler. Tic ״Krcnzzcitung" huldig! dem crfteren, ihr Antisemitismus steht ans fester religiöser Grundlage, das heißt ja wohl: sic ist der Gegner des Semitismus. d.!. des Iudenihums, oder vielleicht der Inden; sie hat einen Widerwillen, einen Haß oder ein ähnliches Gefühl gegen Indenthum und Inden und betäinpft sie aus religiösen Motiven, das heißt wohl ans christlich׳religiösen Beweggründen. Es null uns nicht geziemen, die Echtheit der christlichen Viebe und!Gerechtigkeit der ״Kreuzzcitung" einer Prüfung;!! nn irr stehen: dieselbe betont ihr Ehristenthnn! und ihre Frömmigkeit in zu ausgesprochener Weise, als das; wir daran zweifeln dürften, das; sie anch das Wort des Evangeliums Matthäi, Kap. 7, 2! bis Bk, nicht beherzigen wollte, welches also lautet: °.Es werden nicht Alle, die zu mir sagen: Herr, Herr! in das Himmelreich kommen: sondern die den Willen lhnn meines Paters im Himmel. Hs werden Bielc zn mir sagen an jenem Tage: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem Asti men geweissagct? Haben wir nicht in deinen! Namen Teufel ansgclriebcir? Haben wir nicht in deinem Namen viele Thatcn gelhan? — Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch noch nie erkaum, weichet Alle von mir, ihr Uebelthätcr" und gern geneigt sein würde, im stillen Kämnlcrkein sich erunlichsl zu prüfen, ob denn in Wahrheit und Aufrichtigkeit ihr antisemitisches Gefühl rein und lauter und wahrhaft christlich religiös sei. Wir vermögen den Gedanken nicht zu fassen, das; cs ans christlich-religiösen!!Grunde zu rechtferiigen fei, wenn man gegen irgend Jemanden Abneigung empfindet: denn selbst der! Feind zu lieben ist Ehristenpslicht, und anch den- Sünder liebevoll und brüderlich zu nahen, ist die Lehre der Religion. Und nun gar den Inden und den! Judenrh.une feindlich sein ans religiöse!!! Grunde, dünkt uns von Ehristen aus religiösen! Grnnde nnnröglich. Denn nicht nur ein Gott hat den Christen und den Inden geschaffen, sondern anch der Inden Heitigthnm und Ycln’c wird vorn Christen als göttlich verehrt, und die echte christliche Moral und Liebe entstammt dein Judenj 11)11111. Was den Inden von dem Ehristen in! Glauben i scheidet, kann nie und ni innrer An las; sein, daß der ' Chris! des Inden Gegner sei. Wie man dem Anti- ■ semilismns ein priesterliches Gewand umhängen und sich als einen christlich-religiösen Judenfeind bekennen! kann, das ist für uns unfaßbar. : Und;!!mal einem Organe des ösfentlichen Wortes; gegenüber,!velches nnter dem Wahlsprnch ״Vorwärts i mit t^olt für König und Vaterland" in die Arena;!ritt, dürfte es wohl augezeigt sein, auf den Irrthnm eines berechtigten religiösen Autiscmitismns aufmerksam zu rnachen und z'.var gerade mit dem Hinweis auf den j dreifachen Inhalt feiner Devise. Dem mächtigen Hort! des Protestantismus in der deutschen Presse gegenüber j dürfen!vir uns wohl auf Gott, König und Vaterland; bestehen und Nachweisen, das; diese drei Potenzen ' einen Antisemitismus ans religiöser Grundlage vor-! neincn; er hat ja ein Verständniß für dieselben, und er ׳ vermag!!!!seren Ausführungen;11 folgen. Gott, welcher dem Semiten Abraham sich geoffen- * barct und ihm die Bestimmung znertheilt hat, zum; Tegei!;11 werden, der ihn erkoren zum Stammvater i eines Volks, durch welches allen Nationen der Erde! das Heil gebracht werden soll — der kann den! Anti- ׳ semitismus nicht hold sein. . Er, welcher mit den Temiten Isaak und Jakob gewesen und mit ihnen den : Bund Abrahams erneuert, — welcher die Semiten! unter Zeichen und Wunder aus Egyptens Sklaverei 1 erlöst und sie seinen erstgeborenen Sohn genannt, sie i zu seinem Volke sich erwählt hat — der kann kein Wohlgefallen an der antisemitischen Bewegung haben.; Er, der sein Volk, die Semiten, um den flammenden i Horeb versammelt und ihnen seinen heiligen Willen, l die Lehre und das Gesetz des Lebens, .knndgegcbeu, der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.