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Jeschurun · 1884-01-17 · Heft 3 (17.1.1884) · p. 35

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 3 (17.1.1884)
Article
Ein alter Wahn
Date
1884-01-17
Page
35 (sequence 3)
Language
German
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erklärt, um derentwillen sic ein ncncSsFndenthum ohne ' göttliches Gesetz schassen wollten, — sie werden tl)11ct! versagt, und man weist sic mit Hohn und Spott zu-; rück ans den Kreisen und von der Mitarbeit an den! Werken, in welchen und durch welche sie die Befried׳.- ' gnng ihres Ehrgeizes zu siuden hofften. Man mißver-! stehe und nicht. Nichts lieg! uns ferner als eine! Apologie der als Antiscmilismns heutigen Tages ans- - tretenden Bewegung, in welcher die mobciuc europäische ° Bildung sich mit nnanSlöschlichcr Schmach bedeckt.! Wir sind aber der Ansicht, das; dieselbe nnS zur Be׳! sinnnng bringen sollte, daß wir euMtcl) begreifen sollten, i wie nicht ans dein Wege, den Biele gewandelt, die von! dein alten, von den Vätern nnS ü'oerlontmcneu Gottesgcsetz als -Hemmschuh und Messet sich loSgesagt, das! Heil und Glück uns erblühen kann. Auch die volle! Emanzipation, die rückhaltlose, neidlose Anerkennung! der nnS im Staate gebührenden Stellung erreichen! wir nur durch die unverbrüchliche Treue, den nnwaudcl-! baren Gehorsam gegen unser (Gesetz und tiuserc Lehre,! welche unsere einzige Weisheit und die einzige Nicht- > schnür unserer Erkenntnis; ist und bleibt. Wir haben l keine andere, keine andere דעה und keine andere שמועה, j als die von Gott uns offenbarte und von der Bcrj gangcnhcit uns überlieferte: und-nur wenn wir sie uns bewahren, wird uns Heit in der Gegenwart und Zukunft. Die jüdische Gotteserkcnntniß und die jüdischc GcschichtSerfahruug und Anschauung sie sind unser einziger Schatz, unsere einzige Stütze; ohne sie sind wir arm und elend und haltlos und werden von der ״fortschwemmenden Geißel" vernichtet: nur wenn wir uns sie bewahren, durchdanern wir den Sturm der Zeiten, bieten Trotz den gegen uns ankämpsendm Wogen bis zu jenem großen Tage hin, da der Schosarruf, der mächtige GotteSrns erschallen wird, und Israel und die Menschheit zu Gott zurückkehrt, zur ewigen Huldigung und Anbetung: ביום ההוא יתקע נ*ופר גדול ופאר ־־.אברים פאריז אשור והנדחים באר לד׳ בהר הקדש בירושלם: klWr'isches IküWll-!!Ml!1l1l1i!lmuch׳!r. Bon S. B. Nosenheim. — H. Thcil. (?vonsctzirng.) Man dürfte wohl versucht sein. nnS zu entgegnen, daß die Zulassung eines, sich später als unwürdig erweisenden Individuums zum Anitc ein Ansnahmss'all ist, und daß daraus kein berechtigter Vorwurf erhoben werden kann. Eingestanden — es ist ein AnSnahmSfall, das aber wird man uns doch zngcben müssen, daß es ein höchst karaktcrislischer ist. Wir gehen aber in der Liberalität noch einen Schritt weiter und wollen, im Gegensätze zu dem seinerzeit verlauteten (Gerüchte von dem Baude HvmcuS, annchmen, daß dic'^an der fraglichen Affairc bcthciligtcu Rabbiner völlig schuldlos find, daß die Ertheilung der התרת הוראה in Folge einer Mhstifikatiou erfolgt ist; -- nun wohl, um so gerechtfertigter ist dann der Wunsch, daß solchen Borkonunnissen in der Zukunft durch zu treffende Maßnahmen vorgebeugt werde! lind dann wolle inan bedenken, daß der Umstand, daß es einige der besten Namen Ungarns sind, die mit jener Affairc, welche sciuerzcit viel Staub ausgewirbelt hat, in Berbindung flehen, denn doch ein wenig Stofs zum Nachdenken giebt. O, utöchte man doch nicht inuncu und ewig den Wald vor lauter Bäumen übersehen, möchte man doch endlich einmal vom Holzwege ablcnfcn und jenen Pfad betreten wollen, der einzig unb allein noch zum Heile und zur Erlösung führen kann! Nässt euch doch einmal ans, ihr Großen in Usrael, an denen die Augen aller Wohlgesinnten schon jo lange vergebens Abhülfc erwartend hangen, zn jener Energie uub Selbstüberwindung, um euch cinziigestehcn, daß ihr euch bisher irrthüinlich auf falscher Fährte bcfanden oder, was noch viel schlimmer wäre, den Weg der unverfälschten Wahrheit mit vorsätzlichein Bewußtsein bei Seite gelassen habt! — Erkennt doch, daß durch eine Bcrnrlheilung der Ncologie allein, und wäre sie auch noch so kräftig und energisch, der reine Geist des gcsctzestrcnen Indeiilhiiins ans seiner bedrängten Vage noch nicht befreit und;11111 Sieg und Ruhm geführt wird. Nein und nimmermehr! Kennt ihr jene Fabel von einensaumseligen Hirten, dem seine Saumseligkcit die ganze Heerde gekostet hat? Ein Hirt besaß nämlich eine stattliche Heerde, die er tagsüber auf , freiem Felde weiden ließ. Bei Anbruch des Abends! aber trieb er sic in ein auf dem Felde bcsindlichcS! umzänntcS Gehege, wo sic. die warme Sommernacht j zubrachte. Eines Tages, als der Hirt, seiner Gewöhn- : heit gemäß, in olympischer Thatcnlosigkeit am Bache! ruhte, kam Jemand und berichtete ihm, daß ein Thcil! der Umzännnng lückenhaft gcivordcn, das Feld aber! bekanntlich in der Nacht von vielen gefährlichen Wölfen; durchstreift wird. Anstatt den nmgesallcnen Theil des! Zaunes wieder aufznrichtcn, was allenfalls eine ernste! Anstrengung erfordert hätte, beschloß der Hirt, von mm j ab jeden Abend die Leithammel fest anzubinden, und; jo das Acisammenbleiben der Heerde zu bewirken. Daß die Wölfe nahe kommen würden, fürchtete er nicht,; denn er pflegte ohnehin allabendlich ein großes Feuer ׳ anznzünden. welches die ganze ׳),acht hindurch flackerte und die Wölfe absehrecktc. Als er sah, daß diese Maßrege! den besten Erfolg hatte, kümmerte er sich um den Zaun vollends nicht mehr und lies; ihn immer mehr verfallen, bis endlich in einer Nacht auch jene

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