Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 17 (1884)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1884)
- Article
- Aus Holland
- Date
- 1884-01-10
- Page
- 22 (sequence 1)
- Language
- German
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/. litt f)0[i!lllÖ. 3n Rotterdam hat sich in den Spalten des ״Weckblad voor isracl. Huisgczinnen" ein Fcdcrlricg ent- [pojinen, ich glaube die (Gründe zu kenne׳;, weshalb mein dortiger Kollege nichts darüber berichtet hat. Die Lache ist die. Der Rotterdamer Kerleraad giebt über seine Sitzungen offizielle Berichte heraus, welche als Beilage zu dem genmmrcn Blatte erscheinen und dadurch ziemlich in unserem vande verbreitet tverden. Dadurch erfährt man auch auswärts, was allda gesprochen v ordcn ist. Einer der jüngsten Berichte enthielt die Debatte über den Antrag eines gewissen de VricS in Amsterdam, welcher in den Verband der Nottcrdauier Gemeinde anfgenoinmcn zu werden wünschte. Was die Lache bedeutet, wird der geehrte Äser weiter unten erfahren. Nachdem bereits der Vorsitzende, seine Stelluttg als solcher verkennend, ein höchst parteiische Einleitung zu der Lache gegeben, that auch ein Herr >?. im Lause der Debatte den Mund auf, und in glühender Begeisterung sür die Sache dcS sogenannten Liberalismus sprach er in beredten Worten — nach den..Berichten" sind vllc Mitglieder des Rotterdamer KerkcraadS große Redner — über rabbinalc Willkür, Bcrsolgnngssucht, Papst und dergleichen schöne Dinge mehr. (Beschlossen wurde, den Herrn Obcrrabbiner im Haag, welcher den Nottcrdamer Ressort interimistisch verwaltet, entscheiden zu lassen, ״ob die Eheschließung nach mosaischen Gesetze vollzogen worden sei.") Ein Herr ans Amsterdam nahm sich im ״Weekblad" des angegriffenen RabbimnS zu Amsterdam an, indem er, allerdings mit mehr Eifer als Geschick und ohne aus die Lache einzugehcn, Herrn H. Mangel an ״Ehrerbietung vor dem Bekleider der höchsten kirchlichen Würde" vorwarf. Herr H. rcplizirtc und suchte die von ih'.n in! Kcrfcraad gemachten Acnßcrnngen zu begründen. Urner Anderem enthält seine Antwort folgende köstliche Stelle: ״Es muß in Amstcrdant wahrlich sehr traurig mit der Orthodoxie bestellt sein, wenn ich, der Vibcrnlc*), gegen ihr Treiben anstreten muß, ein jüdisches Kind 'ans dein christlichen Kirchhofe begraben zu lassen und die Eltern quasi zu zwingen, sich taufen zu lassen." Hierauf erschien im ..Weekblad" der folgende Artikel v.on einem Nottcrdamer Gcmcindc-Mitglicde; ich erlaube mir, denselben in Ucbcrsctzung fast ganz miiznthcilen, weil Anmaßungen und Ideen unserer ״Liberalen", denen man heutzutage recht häufig begegnet,-darin eine energische Abweisung zu Theil wird; der Artikel hat deshalb sür weitere Kreise Jnrcrcsfc.?!ach einer kurzen Einleitung *) Bei 11:15 niiint sich ״likral“, roa? &ci Ihnen, gtünbc ich, ..aufgkllärl^׳ heißt; das (iiuc mit so wenig Bcrechtigirrig, wie daL Ludere. giebt derselbe zuerst eine authentische Darstellung des Sachverhalts: ״Herr de VrieS in Amsterdam, in erster Ehe mit einer Jüdin vcrhcimthet, trat in ein Vcrhälrniß zu einer Richtjüdin. Im Sommer 1882 wünschte er diese j burii) das Aiufterdaiuer Rabbiuat in das Iudcnthum aufgenommen zu sehen. Seiuent Gesuche wurde auf Grund der sür die Aufnahme von Proselyten bestehenden jüdischen Gesetz.cSbcstimmnugcn ׳nicht entsprochen; unser K'odq verlangt rein religiöse Motive. Gegen Ende desselben Jahves fam Herr de BricS wiederum aufs Nabbinar mtb brachte Beweise mit, daß die bewußte Danic durch den Rabbiner von Magdeburg nicht nur in'S Iiidenthnm anfgenonnnen, sondern auch ihm angetraut worden sei. Es war jedoch dem Ainstcrdamer Rabviuat nicht möglich, diesen Beweisen einen Werth bcizulegcn, und zwar anfGrund der Bestimmungen unseres Kodex. Deut Verhältnisse mit der Richtjüdin war ein Kind entsprossen, an welchem später die Milah vollzogen wurde, womit allein aber bekanntlich die Ausnähme in das Judenthum ttvch nicht erfolgt. Das Kind starb im Anfang dieses IahrcS, und da eS kein Jude war, gestattete die (Gemeinde zu Amsterdam nicht die Beerdigung aus ihrem Bcgräbuißplatze." DaS ist in kurzen Zügen, welche sich aus das Wesentlichste beschränken, der wahre Sachverhalt; beznglich der Details verweise ich den sich dafür Intercssircndcn auf die in Amsterdain erscheinenden ״Israel. Rieuwsbode" und ״sicienw Israel. Wcckbtad", welche s. Z. ausführlich über die Angelegenheit berichteten; ich habe meinerseits jedes pro und contra vermieden. Es kommen da reine Rechtsfragen in Betracht, über welche ein Urrhci! mir, bei meinen bescheidenen Kenntnissen, nicht zusteht. — UebrigenS möchte ich en passant darauf Hinweisen, daß in der Darstellung dcS Herrn H. z. B. ״Der betrübte Vater" vorgesührt wird und in Aktion tritt; hätte .,der Vater" nicht auch genügt? Ich glaube doch nicht, daß mit diesem Beiwortc ein richtigeres Verständnis; der Sache erzielt wird, wohl aber wird durch derartige ans das Gefühl wirkende Ausdrücke der klare Blick dcS Urtheileuden getrübt. Doch das nur nebenbei. Was mm beit eigentlichen Artikel des Herrn H. betrifft, so sind all' die unrichtigen Schlußfolgerungen in demselben das Resultat dcS falschen Standpunktes, den Herr H. in dieser rein religiösen Angelegenheit einnimmt. Ich glaube nicht zu irren, wenn ich annehme, daß Herr H., wenn ich ihn bitten würde, den Fall de VrieS nach dem chinesischen Ehcrechte beurtheilcn zu wollen, mir entgegnen würde, er bedaure, meinem Verlangen in che entsprechen zu können, da ihm dieses Recht nicht bekannt sei, und bei aller Hochachtung vor dem Schatze von Kenntnissen des Herrn H. kann