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Jeschurun · 1884-01-10 · Heft 2 (10.1.1884) · p. 19

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Journal
Jeschurun
Volume
17 (1884)
Issue
Heft 2 (10.1.1884)
Article
Jakobs Scheidegruß
Date
1884-01-10
Page
19 (sequence 3)
Language
German
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Und noch immer sind wir Israel, Herold des! endlich heransziehenden Gottesreiches, das עלם, dem! Auge der Menschen verborgen, dennoch ועד, fest dej stimmt ist und von uns gefördert werden soll. ' Wenn zu allen Zeiten es noth thut, uns dieser! letzten Worte unseres Ahns zu erinnern und Trost und Kraft und Freudigkeit der Seele aus ihnen zu schöpfen, so ganz gewiß auch in unseren Tagen, wo man uns wiederum recht empfindlich fühlen lassen möchte, daß wir die winzige Handvoll Menschen dos schwachen ״fersehallenden" Stammes sind und unseren Anspruch als Israel mit verächtlichem -Hohn begegnen zu müssen sich berechtigt glaubt. Sammeln wir uns Alle in Einem — halten wir brüderlich zusammen- — hören wir auf nnjern Vater Israel — und verkünden wir das endliche Anbrechen des Gottesreichs auf Erden, in welchem ewiger Friede und selige Freude die gesammte Menschheit unter dem Gottesszepter umfangen. o- CI) aundui11djt-(5el> 1111 heu* Eben war der letzte Ton jenes herrlichen Liedes verklungen, jenes Liedes, das so echt und wahrhaft jüdisch, so knapp und doch so vielsagend, so voll bitteren Wehes und zugleich so reich an Trosttragcndem ist, ganz wie das jüdische Leben in seiner Vergangenheit, Gegenwart und — Zukunft. Es war aber auch der letzte Abend dieses Lichterfestes, und in feierlicher -Helle leuchteten sie, die Wunderlichtchen. Hätten die freund lichen Lichtchen nicht mich mit stiller Freude erfüllen sollen? Hätte ihr lebendiges Leuchten nicht auch in meinem Herzen all das beseitigen sollen, was eben nicht zur Freude paßte? Und doch fühlte ich so ganz anders im Herzen! Seltsam traurige Gedanken hatte ich, und während sie Alle beim Spiele saßen, holte ich die תפלח herbei und schlug jenen großartig schönen מאורח von! שבת הנוכח auf, und als ich mir ihn mit der bekannten innigen Melodie vorgesungen und 111iv vergegenwärtigt hatte, was in dem שני זיתים נכרתים alles gesagt ist, da wurde ich mir bewußt, was ich gefühlt hatte. Und ich sah sic mir wieder an, die Lichtchen, wie sie noch immer brannten, und während z ich ihr mildes Leuchten betrachtete, da kam mir so! vieles in den Sinn. — Bedeutsam, dachte ich, ist's! doch. Als der allmächtige Hort Israel'S sein Volk j errettete aus der Sklavenmacht Egyptens, da kennj zeichneten Blutstropfen eine jede Hütte, in der jüdische 1 Seelen athmeten, jüdische Herzen bedrückt gewesen, jüdi-! sche Geister nach Freiheit schmachteten. —* Und wie oft! seitdem haben Btutströme jüdische Hütten gezeichnet, i wie oft seitdem Wahn und Wuth jüdisches Leben ge- ' mordet! Und heute? Am הנוכח da zeigt das schöne trauliche Licht eine jede jüdische Hütte an, und wo noch ein jüdisches Leben gelebt wird, da leuchtet es wie unser הנוכח - Lichtchen, und wie es mit seinem milden Strahle die Frostblumen schmilzt, die des Winters Hand an die Scheiben genialt, so gelingt es auch dem jüdischen Lichte, sich immer weitern Raum für seinen wannenden, leuchtenden Strahl zu schaffen. — Aber wie oft auch war es die Fencrsflamme, die aus jüdischeu Hütten hinauslenchtete und mit unheimlichem Lodern das Grab jüdischer Kraft, jüdischer Arbeit zeigte! Und doch waren die jüdischen Hütten wieder erstanden, und doch waren die Herzen nicht verzagt, und noch jeden הנוכח zeigt es jeder wahre Jude-, wem er seine Rettung verdankt. Und was war es, das iumittcn der Umnachtung unseren Geist erhellte, was war es. das inmitten all der Todesschatten uns die Lebensfreude erhielt? Es war das Bewußtsein und die Bethätigung davon, daß הן במהנה אל מול פני המנורה יאירו. Ewig bleibt's das Zauberwort, das jede gänzliche Umnachtung zu bannen vermag, das Zauberwort, das so innig zum Herzen spricht. Wer sie wohl schon gezählt hätte all die jüdischen Seufzer oder ermessen hätte die Ferne, die die jüdischen Glieder von einander trennte! Weiß die Geschichte zu erzählen von größerem Elend, .härterem Druck, bitterer Entsagung, grausamerer Verfolgung, als sie alle von Juden erduldet worden sind?! Aber giebt es umgekehrt eine Geschichte, die mehr zu berichten wüßte von größerem Gvttvertrauen, von hellerem Geiste, von ungebeugterem Herzen, von stolzerem Muth und von nnverbitterterer Herzensgute, als es uns die Annalen von jüdischem Gottvertrauen, jüdischem Geiste, jüdischem Herzen, jüdischem Muthe zu erzählen wissen? Das alles hat das Bewußtsein, sich stets in Gottesnähe zu befinden, bewirkt. 'Wohin der jüdische Fuß gewandert, wo auch immer er einen Ruhepunkt gefunden oder vertrieben davon eilen mußte, überall fühlte er sich im Bannkreis des GottesgcsetzeS. Meeresfernen, Bergestiefen können ihn nicht trennen von der מנורה, die ihn erleuchtet ושממתה ובך מנחלתך. Von seiner Höhe gestürzt, von Allein verlassen nahm und nimmt noch heute der Jude den größten Schatz in sich selbst mit hinaus, und indem er sich überall durchleuchten und dnrchgeistigen läßt von dem Gotteslichte, sieht er auch überall Helle und weithin versprengt weiß er sich doch nicht allein, weil er eS weiß, daß so wie sein Blick zum Gotteskempel geht, auch der Blick von Millionen Juden sich dorthin sehnt. Quillt dann die Thräne aus seinem Auge, so ist es nicht die Thräuc der Verlassenheit und der Verzagtheit, es ist die Thräne der Beseeligung, es ist ein herzerhebendes Gefühl. Das hat ja auch uns Inden immer zusammen-

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