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Jeschurun · 1883-12-27 · Heft 52 (27.12.1883) · p. 903

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 52 (27.12.1883)
Article
Aus der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts
Date
1883-12-27
Page
903 (sequence 2)
Language
German
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903 dazu kt so was? — und noch dazu bei einer wie | Mirjam? —" j ״Wissen Sie was möglich war'? — Möglich j war', Sie redeten mit Mirjam und meinen hernach,! sie thät Sie gern haben, lind danach möchte;! Sie! Hals über Kopf Ihren schönen Hof verlausen und alles was drum und dran ist — und könnt' schon auch sein um 'n Spottgeld. Und dann möchten Sie wo hingehen, wo in an Ihre falsche Sach' ihät' glauben, und da möchten Sic sich lassen megajc sein -- heißt das übertreten zum Juden thnm. — Und bann kämen Sie her zu Mirjam und möchten um sie freien, aber wie nun, wenn Sic sich hätten geirrt, wenn sic Sie nicht so überaus gern hätte? — wenn sie sagen möchte, nein?" Seidler fuhr zusammen, der Gedanke an diese Möglichkeit erschütterte ihn in der That —- heimathlos und ohne Marie! — Er hatte gewähnt, sein Elend habe bereits den Gipfelpunkt erreicht, — jetzt sah er, es gab noch ein Mehr. — Und in der erregten Stimmung, in der er sich befand, erschien ihm diese Möglichkeit bereits als Wahrscheinlichkeit — rathlos, verzweifelnd rang er die Hände. ״Aber ist'S denn mit dem Iudewcrdcn gar so streng?" Hub er endlich nach schincrzlichcm Sinnen von Neuem an, ״wie wissen Sie denn das gar so genau? Sie sind doch kein Geistlicher nicht — ״Aha, Sie trauen mir nicht! — Sic meinen, ich wollt' Sie foppen? Na, wissen Sic was? ich führ' Sie hinauf zum Rabbiner, reden Sic mit dem. — Sagt der anders als wie ich, so führ' ich Sic wegen meiner gleich hinauf zu Mirjam und lass' Sie mit ihr reden, so lang als Sie wollen. Ist's so recht?" Der junge Mann war freudig einverstanden, er hielt cs in der That nicht für unwahrschenilich, daß Kohn als Yaie nur seine Privatansicht ausgesprochen, während der Rabbiner als Geistlicher froh fein werde, seiner Kirche eine Seele zu gewinnen. Voll Ungeduld hatte er sich erhoben und wartete mit dein Hute in der Hand, bis Kohn zum Fortgehen bereit sein werde. Dieser hatte bereits seinen Pclzrock üdcrgezogcn und war eben im Begriff, das leichte Hanskäppchen mit der Zobelmützc zu vertauschen, als die Thür aufging und der junge Frank in's Zimmer trat. ״Ah, Scholaun! Alechein, SchmnUeben!" rief Kohn freundlich und bot dein Neffen die Rechte. ״Alechem Scholamn, lieber Onkel!" entgeguetc der junge Mann, indem er die dargebotcnc Hand herzlich drückte. ״Sie wollen sortgehen?" Kohn nickte bejahend. ״Ich geh' zum Raw," erwiedcrte er, ״hab'n Mischpot mit dem Braven," fügte er auf Seidler deutend hinzu, ״obzwar wir sonst gute Freunde zusammen sind. Hab' ich recht?" Seidler nickte znstimmend, während sein Blick voll Interesse an dein eben Eingetrctenen haftete. ״Ist die' Tante oben?" fragte dieser. ״Kann sein, sic ist jetzt oben;- vorhin war sie nicht daheiin, aber das ist schon 'nc Weile her." ״Und Mirjam?" ״Die ist oben, die ist beim Kind." ״So geh' ich einstweilen hinauf und werde oben warten, bis die Taute kommt." ״Das thu'", erwiedcrte Kohn. In dem Angesichte des jungen Bauern wechselte erdfahle Blässe mit dunkelglühendcr Nöthe, seine Angen rollten wild und keuchend hob sich seine Brust. —־ Jener durfte hinauf zu ihr — zu ihr.— die er in seinem Herzen stets seine Marie nannte — und ihm war der Zutritt verwehrt. — Und jener — er war gleich ihm ein blühend schöner junger Mann und seine Schönheit war ganz anderer Art, als die des Seidler Toni. Dunkelglünzendes Kraushaar beschattete eine hohe intelligente Stirn, sein Wuchs war höher und schlanker als der des Andern und seine Zuge regelmüßiger. Alle Qualen erwachten plötzlich in den! Herzen des jungen Bauern; krampfhaft ballten sich seine Hände, mit einem Faustschlage Hütte er den Harmlosen zu Boden strecken mögen, und nur mit Mühe hielt er an sich. Zum Glück hatte der Hausherr diese Erregung nicht wahrgenommen; mit einer flüchtigen Entschuldignng gegen den Zurückbleibcndcn war er dem Neffen nachgeeilt,, der eben im Begriffe war, die Stiegen hinanfznschreitcn. ״Pst, Schnull! pst! wart' '!! Augenblick — ein Wort!" Frank kam zurück. ״Sic wünschen, lieber Onkel?" ״Ich Hab' Dir nur sagen gewollt — mir scheint, die Taut' ist noch nicht daheim. — Aber das schad't nichts, wegen dem kannst Du immer hinanfgch'n — Mirjam ist allenfalls beim Kind, und — ahm! — vorhin bin ich droben gewesen — und so — ich weiß selbst nicht wie — aber mir kommt vor — heißt das, mir scheint, 's ist sicher — wie ich hinausgeh' und hinter mir die Thür zu mach', pajsirt's mir, daß ich den Schlnssi't nmdreh'." ״Und Mirjam war im Zimmer? Sie haben sie eingeschlossen?" ״Mir scheint, so wird'S sein." ״Ah, da will ich doch rasch —" ״Sachte! sachte, Schmnl! thn' mir den Gefallen. Versteht sich, daß Du ihr austnachst, aber wenn's sein kann, thn's stat, daß sie's drinnen nicht merkt. Möglich wär's ja, daß sie noch gar nicht hat hinausgewollt. — J

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