Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 51 (20.12.1883)
- Article
- Über die Erziehung alter und neuer Rabbiner : eine Skizze [Nachricht]
- Date
- 1883-12-20
- Page
- 884 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2932754-2932996-2933047--14320-2955292- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
lassen, da ein?״abbinerpoften lukrativ sei und auch ein sicheres Brod nietet. Da wirft plötzlich die 13jährige kluge Schwester des jungen Mannes naseweis ein: aber Papa, der Arthur -kann ja gar nicht Rabbiner werden, er ist schon achtzehn Jahre alt und kann kaum hebräisch lesen. Außerdem eignet er sich gar nicht dazu, da er gar keinen frommen Sinn hat; kürzlich der moquirtc er sich über die Küchcnrcligion, als die Mama das Fleisch koscher machte. Thut nichts, erwiderte der Vater beschwichtigend; dort auf der Anstalt werden sic ihm das schon Alles beibringen. Er braucht da um־ das Sekundaner-Zeugniß, das hat er, und das Andere lernt er dort. Wir können nicht behaupten, daß alle ans dentschein Boden geborene Neformrabbincr dergestalt vorbereitet zu der betrcssenden Hochschule hinivandern und ״Theologen" werden, aber als Karakterisiikum kann dieses dem Veben entnommene Faktum gelten. Ohne religiösen Sinn, ohne Begeisterung für den Berus stndiren sie ״Theologie"; sie bringen feine rabbinischen Kenntnisse mit und tragen keine heim. Die wahre Bezeichnung für solche ״Rabbiner" muß erst erfunden werden. Wenn man vor Jahren schon in einer ״fortschrittlichen" jüdischen Zeitschrift die Mahnung lesen konnte: ״Erziehet eure Kinder jüdisch", so muß man jetzt wahrlich ausruscn: ״Erziehet eure Rabbiner jüdisch!" llügiirischcs MD!!-!1!!d Äirhlmmmstil. Bon S. B. Noscnhain. (Schtuß. Ja, aber wie soll das zu einer erfolgreichen Reform nothwcndig'e Geld beschafft, von wo hergenommen werden? — Diesbezüglich hegen wir folgende (Gedanken, welche uns nicht ganz unrichtig zu sein scheinen. Es wäre von den geistigen Oberhäuptern der Gemeinden darauf hinzuwirken, daß die Einrichtung der Freitische gänzlich abgeschasft werde, und an deren Statt möge von den Gemeindcmitglicdern eine zu der verabreichten Unterstützilng an Nahrung im Verhältnisse stehende Geldbeihülfe an eine eigens dazu errichtete Kasse gezahlt werden. Der dadurch entstandene Bortheil wäre ein zweifacher. Erstens würde dadurch die direkte Juanspruchnahme der Privatmildthätigkeit ans dem Leben des Bachur mit Stumpf und Stiel ansgerottet und Letzterer am erfolgreichsten von derselben gänzlich entwohnt; zweitens aber würden dann auch solche Häuser zur Unterstützung gewonnen werden können, in denen aus einem der mannigfaltig geltend gemachten Gründe, Freitische nicht gewährt wurden. Damit die dieser Kasse zur Verfügung stehenden Beträge hinreichend fließen, um die angcstrebten schönen Ziele verwirklichen zu können, mögen beim Kultus- und Unterrichts- Ministerium Schritte gethan werden, daß eine jede solche llnterstütznngskasse einer jährlichen Subvention ans den Mitteln des israelitischen Laudesschnlfonds thcilhastig werde. Die zu diesem Zwecke verausgabten Summen würden bei Weitem tlicht die Höhe derjenigen erreichen, die zu Kongreßzweckeit, wie etwa zur Ausrechterhaltung des Rabbinerseminars, verwendet werden. Hier wäre die Gelegenheit, daß das stiefmütterliche Verhalten der Regierung den Orthodoxen gegenüber, einem gerechteren Platz mache; ferner könnte hier auch die DnrchführungS- Komntission zur Erlangung dieser Subvention ihren Einfluß geltend machen und wirklich etwas Gedeihliches und Segensreiches fördern! Rachdetu diese Kassen durch die einmüthige Wirksamkeit der geistigen und weltlichen Oberhäupter in's Leben gerufen wären, müßten sie aber vorerst von einer lleberprüsnngskommission zu dem Zwecke beauftragt werden, um eine vernünftige und gerechte Geschäftsgcbahrung cinzuführcn. Die für jede Jeschiba nach Maßgabe der vorhandenen Mittel von dieser Komntission festgesetzte Schülerzahl dürste nicht überschritten werden. Diese Bestimmung dürfte nicht dent Belieben eines Einzelnen überlassen sein, um jeglichem Mißgriff vorznbeugen. Es inüßtc durch eine genau begrenzte Zahl der anzunehmenden Schüler der Möglichkeit eines Rückfalls in die alten Zustände ein Riegel vorgeschoben werden. Doch wir sprechen da von einem Rückfall, tvährend die Krankheit uns noch mit tödtlicher Gefahrlichkeit auhaslet nnb bevor die Genesung auch nur mit dem kleinsten Schritte angebahnt worden wäre. O, hielten wir nur erst so weit, daß von einem Rückfälle die Rede sein könnte! Und warum geschieht denn eigentlich nichts, so lange noch etwas gethan werden kann? Wie lange noch will mau die Hände thatenlos im Schooße ruhen lassen עד ‘טיפוח היום ונסו הצללים? Ermannen wir uns, so lange die vorhandenen Schatten noch keiner totalen, trostlosen Finsterniß gewichen sind, so lange noch der Hoffnung Abendrothschimmer auf den hohen Bergspitzen ruht! Und man bedenke, daß sich der im Scheiden begriffene Hoffnungsstrahl bereits auf die höchstgelegenen leitenden Kreise in Israel zurückgezogen hat. daß der, unter der großen Menge des jüdischen Volkes Platz gegriffene religiöse Jndifsercntisnnls, von hier aus ohne Anregung, von Oben keine Hülfe ermärten läßt. An den geistigen und weltlichen 2!(הי(ים! ist es, mit vereinten Kräften handelnd einzugrcifen. Ja, mit vereinten Kräften! daß sei mit unserem erhübenen Monarchen unser Wahlspruch, so kann noch Alles gut und die Jeschiboth der drohenden Katastrophe entzogen lvcrden! — Des Ferneren muß, wenn die Repu-