Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 49 (6.12.1883)
- Article
- Über die Erziehung alter und neuer Rabbiner
- Date
- 1883-12-06
- Page
- 857 (sequence 1)
- Language
- German
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י? M 4Ö. 357 JeschurnII. □ Ueber die Erziehmlg alter und neuer , Rabbiner. Eine Skizze. Wer noch in den zwanziger Saljrcn dieses Jahr- Hunderts die bescheidene Wohnung eines jüdischen Kleinhänd lerS oder Handwerkers gekannt, wird da ein cigcnthünilicheS Familienleben wie wir'S jetzt nur selten, oder gar nicht mehr antreffen vorgefunden haben. Der Ernst und die Hingebung, welche auf dem Gesichte des HanSvatcrS bei der Ausübung seines Berufes sich abspiegelten, ließen erkennen, daß er non der Pflicht durchdrnngen war, für Weib und Kind thätig zu arbeiten, von früh bis spät, als ob er den Gedanken sich stets vergegenwärtigte: וכל מעשיו ־יהיו לשם שמים, oder als wollte er den Ausspruch unserer Talmudlehrer bcthätigen: איזהו עושה צדקות בכל עת זה המפרנס אשתו ובניו; und so war es auch. Denn damals hat eS ein HauSvater für seine höchste Pflicht gehalten, seine Familie anständig zu ernähren, seine Kinder streng religiös zu erziehen, um möglicherweise -die größte זכיה zu haben, seine Söhne zu בני תודה und den Einen oder den Andern zu einem Rabbiner heranbilden zu lassen. Dies war das Hauptziel, nach welchem sein Streben hinauslief. — In gleicher Weise war auch das Walten der HanSnmttcr. Ihr Hauptaugenmerk richtete sie darauf, das von ihrem Gatten Schwcrvcrdiente in der haushälterischsten Weise zu verwenden und auch noch so viel zu erübrigen, um den etwa siebenjährigen Knaben in משנה und sodann in גמרא unterrichten lassen zu können, damit der Sohn ein למדן oder gar ein דב werde. Dies waren die süßen Hosfnungen, von welchen eine jüdische Mutter jener Zeit geträumt, und dieser Traum hat sie in festem Gottvertrauen, daß ihre Hoffnungen sich erfüllen werden, in den harten Lebenskämpfen getröstet und gestärkt. Wie sorgfältig aber hatte die Mutter die religiöse und sittliche Erziehung ihres jungen Svrößlings, des RabbinerS Ln spe, überwacht, ihn gemeistert und belehrt und das zarte Kind seit der frühesten Jugend an alle religiöse Observanzen gewöhnt. Die Mutter war da in vielen Fällen die erste ReligiouSlchrerin des Kindes, welche es lehrte ברבת נמילת ידים, wie auch das מודה אני und שמע ישראל und schließlich auch das Tisch- und Rachtgcbet. Aber auch auf das sittliche Wohlverhalten des Knaben wurde streng geachtet, uamcutlich daß er gegen Erwachsene sich ehrerbietig verhalte und hierin wie in allen religiösen Dingen au Pünktlichkeit und Korrektheit sich frühzeitig gewöhne. -- So machten ihn frühzeitig die Eltern mit den ,ברכות הנהני vertraut, daß er tveder Speise noch Trank, selbst Wasser nicht genoß, ohne die dazu gehörige ברכה zu ntachcn. חנוך לנער.על בי דרכו נם וכוי. Und was das Kind von frühester Jugend aus Gewohnheit that, übte cS in spätem Jahren aus Pslichtliebc. — So ging in jener Zeit der ReligionSunterricht mit der Religionsübung Hand in Hand. War nun der Sohn dein ersten Stadiltn! deS! elterlichen wie des ElementarlehrerS llnterricht in den ReligiouSwisscuschasteu entwachsen, wurdeer einem Talmudlehrer puu Unterricht in משנה וגמרא übergegeben, bei wclchcnt er gewöhltlich bis zu seiner בד מצוה verblieb. Wie opferwillig in jener Zeit darin die Ellern waren, davon hat man jetzt keinen Begriff; denn cS wurde da vou Eltern, die kaum ein Einkommen von ntouatlich 2«> Thaler hatten, für. den llnterricht in נמרא, per זכק (Semester) bis l0 Dukaten für ein Kind gezahlt, während in unserer Zeit, in welcher der NcligionSuuterricht bei den Meisten sehr nebensächlich ist, man von begüterten Eltern klagen hört, daß sie neben dem Beitrag zur Gemeinde noch eine monatliche AuSgäbe für den Religionsunterricht von einer Mark und fünfzig Pfennig für das Kind haben. Wenn der Knabe in früherer Zeit ,בר מצור wurde, pflegte derselbe einen pilpulistischeu Vortrag (דרשה) zu halten, in welchem er öffentlich Zeuguiß von den Fortschritten in den Talntudwisscuschaften ablegte. Hatte cS sich nach seiner בר מציה herauSgcstellt, daß er sich für das Talmudstudinm eignete, so wurde derselbe auf eine namhafte ישיבה geschickt, woselbst er beim רב oder auch beim ראש ישיבה in Gemeinschaft mit den andern בהורים den שיעוד hörte und eingehendcrc Talmudstudieu machte; gewöhnlich überwachten auch die Talmudlehrcr das religiöse Verhalten ihrer Talmudjünger. In jener Zeit gab cs auch Prwatgclchrte der Talmndwissenschaft, die für einige Talmudjüngcr außer den gedachten שיעורים noch einen Privatschiur entweder in גמרא oder פוסקים lasen. Wenn nun dieser Bildungsgang von der einen Seite and} sehr geeignet war, diese Talmudjüngcr für den einstigen Rabbinerberuf gut vorzubereiten, uub bekanntlich auch aus derartigen Talinudstudien bedeutende rabbinische Koryphäen hervorgiugen, so war eS bod) von der andern Seite eilt sehr großer Ucbelstand, daß die Lehrer aus übergroßer Besorguiß, die Schüler könnten תלמוד תודה als עיקר zum מפל und den עיקר!!!!!; מפל machen, den Schülern das Lernen profaner Wissenschaften untersagten. Diese Maßregel hat unabsehbare Schäden dem Judenthum zugefügt und uid)t wenig dazu beigetragcn, daß das gcgemvärtige ״konfessionslose Judenthum" mit lauter מפל ohne jeden עיקר erzeugt wurde. Waren ja doch zu jener Zeit einzelne Talmudjüngcr, welche profanes Wissen mit auf die Jeschiba brachten, dennoch sehr wackere, ernst gewissenhafte Rabbiner geworden uub haben die Meinung Lügen gestraft, daß Bildung vom Glauben