Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 49 (6.12.1883)
- Article
- Aus der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts
- Date
- 1883-12-06
- Page
- 856 (sequence 3)
- Language
- German
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sich so eben, auch daS vierte ausftammcn;u machen, ' als die ProchaSka mit wilden! Schrei auf ihn;!!stürzte. ״Verstnckner Äraudler!" schrie sie und trieb den Bestürzte!! mit Fcnistschlägei! und Fußtritten aus dem Stall. Der Knabe sperrte sich nud verlangte mit Gemalt .zurück, ..mein Buch!" schrie er, ,,ich will mein Buch!" Aber sie verdoppelte nur ihre Mißhandlungen und Verwünschungen; ihre starken Hände hielten ihn wie eiserne Klammern und sie zerrte ihn mit sich hinauf über die Stiege. ״Meinst, ich werd' Dich lassen, daß Du uns '!! rothen Hahn auf's Dach setzst? Du Verruchter! —" ״Mein Buch!" schrie er verzweisluugsvoll, ״mein Buch!" ״Da hast Dein Buch," höhnte sie, indem sie ihn abermals schlug und mit den Knieen weiter stieß. Das Jammergeschrei des Mißhandelten durchhallte das HauS. ״WaS ist denn los?" rief Ehrmann, den der Lärm auö dem Zimmer gelockt. ״WaS loS ist? da schau her, die Brut — das Hans über'!! Kopf hat er uns abbraudctn gewollt — heißt daS, an'S HauS selber hat er sich nicht getraut, aber im Schuppen, da hal's hell gebrannt — wenn ich nicht gekommen war' — Herr Gott! das wär' geworden!" Eine grauenhafte Verwünschung gegen das eigene Kind sprudelte über des Rohen Lippen; er hob die Faust wie zum zermalmenden Schlage — voll Entsetzen starrte der Knabe mit seinen dunkelglüheudeu, weit anfgerisseuen Augen zu ihm empor — da sank der erhobene Arm machtlos nieder und in sich erschauernd wandte der Randar sich ab. ״ES ist ja nicht wahr." stainntelte Jakob, ״ich habe nichts BöseS gethan und habe auch nichts anzünden wollen —" ״WaS?" schrie die Kati, ״Lügen willst mich strafen?" Nichts BöseS hast gethan? — Alsdann hätt'S nicht gebrannt in! Schuppen? und ich Hätt'S nicht gelöscht?" ״Meine Ehannkahkerzen —," murmelte der Knabe, indem ein Strom von Thränen seinen Augen entstürzte und abermals versuchte er. den Fäusten der Megäre sich zu entwinden, ״meine Ehauukahkerzen! —" Dies Wort entflammte die Wnth deS Abtrünnigen auf's Nene. ׳״Nicht von der Stelle!" schrie er, ״was kümmert Dich Ehannkah? Du bist kein Jude mehr!" : Der zarte Knabe schien in diesen! Moinent zun! Mann gereist: stramm richtete er sich auf und blickte den Vater voll und fest in's Augesicht. ״Ich bin ein Jude!" rief er laut, der Kaplan kan!! mir den Juden nimmer wegwaschen und Dir auch nicht und dem David auch nicht!" Wollte der Unbesonnene den Wüthenden verhöhnen? — Der Randar schäumte vor Wnth, und die Kati, die eS längst heraus hatte, daß der Vater den! vollen Blick deS KindeS nimmer begegnen konnte, hatte rasch dessen Antlitz an sich gedrückt nud nun endlich fielen auch die wuchtigen Fäuste deS RandarS auf die zarte Gestalt des KindeS nieder. Ein wildes Lächeln erhellte das Antlitz deS rohen WeibeS. ״Nur zu! nur immer zu!" rief sie frohlockend, denn allzulange hatte eS sie gewurmt, daß der Verhaßte vor den Mißhandlungen deS Vaters gefeit schien — der Bann war gebrochen. Endlich hatte daS edle Paar seinen Math gekühlt, noch ein kräftiger Fußtritt halte den halb ohnmächtigen Knaben gegen die Ecke der kalten Flur geschleudert, dann begaben sie sich wieder in ihr freundliches Zimmer, die unterbrochene Weihnachtsfeier fortzusetzen. — Der kleine David führte noch innncr unverdrossen seine Holz- Pferdchen auf und nieder und suchte sie mit seinem bunten Peitschenstiel zu rascherem Galopp anzuspornen. — Ehrniann schien noch heftig erregt, und die Kati bemühte sich nach Kräften, ihn in die richtige Festesstimnmng zurück zu versetzen. Sie lehnte sich an ihn und blickte holdselig lächelnd zu ihn! auf und trocknete mit dem Zipfel ihrer eigenen Schürze ihm die feuchte Stirn. ״Das war' ein schöner heiliger Abend geworden, wenn ich da nicht dazu gekommen wür' — aber ich hab'S doch gleich gesagt, der stellt noch 'mal was ArgeS an — all die Zeit her hat er schon auSgeschaut, als ob er auf was Schlimmes sinne!! thüt —." ״'s ist wahr," bestätigte Ehrman, ״Du hast's in! vorhinein gesagt — aber mir scheint, der Bub' thut's so bald nicht wieder, der hat genug." Sie streichelte ihn! die noch immer'stark gerötheten Wangen. ״Gern bin ich, daß Dn'S ihm 'mal gegeben hast, verdient hält' er's längst. — Die Bosheit von dem Fratzen — aber einträuken werd' ich's ihm — das soll der Kaplan hören —." Ehrman zuckte die Achseln. ״Zu was? der hat ihn nicht mehr gern wie Du selber." ״So mag er's dem Freiherr!! erzählen, daß der seine Hand von ihn! abzieht — der Bub ist ja nur darum so, weil er sich drauf einbildet, daß er auf's Schloß gehen darf." ׳״Nichts da," rief Ehrman heftig, ״wenn'S der Bitb nicht selber droben klagt, jo darf nichts davon verlauten. Bon! nächsten Jahr an will der Baron für ihn sorgen — wenn er das hört — kann sein, er besinnt sich anders." ״klnd was wnr's?" ״Was war'? — Der Baron will ihn stndiren lassen, nieiuft ich sollt's selber thun?" (Forts, folgt.)