Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 49 (6.12.1883)
- Article
- Kollektiv-Berichte aus Ungarn
- Date
- 1883-12-06
- Page
- 853 (sequence 1)
- Language
- German
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853 Kollektiv-Berichte aus Ungarn. XXVJI.!511)1110•) Dieser schreckliche Hiifin! ist in seiner nackten Wirklichkeil wie in seinen verderblichen Folgen ein unermeßlich großes Unglück für das traditionelle Iudenthum und involvirt eine Gefahr von unberechenbarer Tragweite für den Fortbestand des jüdischen Rituals. — Wein blutet nicht das Herz bei solch traurigen Wahrnehmungen, wem leuchtet es nicht ein, daß diesem gewissenlosen Treiben bald und schnell ein Ende bereitet werden muß! Traurig genug, daß es Rabbiner giebl, und daß wir cs sagen müssen, traurig, daß cS auch orthodox sich nennende, und von der ״alleinseligmachenden" Kom- Mission in den Index der staatlich rezipincn Orthodoxie regelrecht ansgenommene Rabbiner giebt, welche in dieser Weise die heiligsten Interessen des Jndenthums zu niedrigen, habsüchtigen Zwecken ausbenten und gegen das Verbot לפני־ עור לא התן טפשול so schwer sich vergehen, und noch schrecklicher ist's, werni man die gewichtigen und folgenschweren חטאים der leichtsinnig, antorisirten חוטאים sich vor Augen hält. Wie inan den Pflichtvergessenen das schmähliche und schändliche Handwerk lege, wie man dem Umsichgreifen dieser bcklagenswcrthen unmoralischen Misüre einen Damm entgegensetze, das sollte schnellstens in nüchterne, reifliche und ernstliche Erwägung gezogen werden. Wir dachten einen Augenblick an ein taktisches Mittel, ob cs nicht zweckdienlich wäre, alle Atteste — wie dies in manchen andern Ländern schon längst cingeführt ist, — statt in der usuellen hebräischen, den Meisten leider gehcimnißvollen, in einer Jedermann zugänglichen mtd verständlichen Sprache abznsassen, damit auch ein jeder Laie es sehe und wisse, wozu sein שוחט ja, und wozu er Iticht befugt ist. — Doch abgesehen davon, daß diese Präventivmaßregcl blos einseitig wäre und den ״professionsmäßigen Fabrikanten" noch intincr kein Ziel und keine Schranken setzen würde, müssen wir mit den Verhältnissen hier zu Lande als unabweisbaren Faktoren rechnen. — Man kann sich hier eine חתרה הוראת, das Symbol rabbinischer Weihe und die eigentliche -Basis für die religiöse Wirksamkeit, nur in hebräischer Sprache abgcsaßt denken, und jedes ähnliche Zengniß überhaupt, da es so intensiv das rein religiöse Leben und Wirken betrisst, muß hier in einem anderen Gewände einen konträren und ans Manche sogar verletzenden Eindruck machen. In ihrer rührend treuen und tiefinnigen Anschauung muß es ihnen wehe thun und als Profanisirnug erscheinen, wenn auch schon bei dem Dokumente, welches die Weihe des Rabbiners repräsentirt, der jüdische Typus verdrängt und verwischt wird. — Wir möchten diese Aus. fassung die allein richtige nennen, jedenfalls ist sie eine berechtigte. Ans diescnt Wege geht es darum nicht, das verderbliche System verschwinden zu machen, und täuschen wir uns nicht, so im Handumdrehen wird's auch nicht gelingen, denn es ist ein schon lies eingewurzeltes Hebet. Aber man darf den Math und die Ausdauer nicht verlieren, es wird und muß eine Abhülse möglich sein, mau muß nur das Bestreben haben, sie mügli'ch zu machen: — es wird und muß — beim cs gehört mit zu den eminenten Lebensfragen des Jndenthums. In erster Reihe obliegt es den גדולים יצ״ו, mit . dem Aufgebote ihres ganzen Einflusses dahin zu wirken, daß solche ״Papiere" außer Kurs kommen, daß die mißkreditirten קבלות re. annnllirt )verden. יבטלון ויהבון בעפרא דארעח• Man kennt so ziemlich die verrnscnen Bezugsquellen der nnverläßlichen קבלות re., so schone man kein Ansehen der Person בטקוח שיש חלול חשם אין הולקין בגוד לרב und stelle sie an den Pranger. — Wir unterlassen dies, weil wir hierzu kein Mandat haben und überhaupt den ״Ieschurnn" zum Ablagernugsplatz für deilci Delikatessen aus leichterklärlichen Gründen nicht geeignet finden. — Ferner spreche man entschieden aus, daß fürderhin überhaupt keine חתרה für ושט und צופיות חגידין ertheilt werden dürfe. Sir betrachten die Presse als eine össeutlichc Weltkauzel und haben, eingedenk des אס לא יגיד ונשא עונד, unser Gewissen beruhigt, und so viel an uns ist, wollen wir auch im praktischen Leben für die Abstellung der verschiedenartigen Schäden in den Grenzen unserer Wirkungssphäre nach .Kräften thätig sein. Jeder einzelne יחודי aber, dem das Wohl seines Volkes, die Erstarknng des Glaubens und Erhaltung der Religion, am Herzen liegt, unb dem auch Macht und Mittel und Gelegenheit geboten, den betrübenden Ausschreitungen Einhalt zu thun, der vergegenwärtige sich stets die Worte der Weisen 'כל טי שיש פירו לפחות ולא ט חח ופו und unterlasse es nicht, also zu handeln. — Hier ist ein ergiebiges Terrain לגדור גדר ולעמוד בפרץ, hier sind klaffende Wunden, wer heilen kann, der zögere nicht und heile! — — — Es ist doch eine ganz merkwürdige Fügung, daß gerade an dem Tage, an welchem in allen israelitischen Belhänscrn der Thoraabschnitt verlesen wurde, in welchem die Schrift berichtet, wie sehr der Patriarch Abraham seinem Diener Elieser cs an's Herz gelegt und wie sehr er ihn beschworen hat אשר לא חקה אשה לבני טבגות ״ ,הפנעני אשר אנכי יושב בקרבוdaß du nicht nehmest ein Weib für meinen Sohn von den Töchtern des .Kenaani, in dessen Milte ich wohne," daß gerade an diescrn Tage die Majorität des ungarischen Abgeordneten- Hauses, den Gesetzentwurf über die Mischehe akzeptirte.,