Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 49 (6.12.1883)
- Article
- Wie erziehen wir unseres Kinder?
- Date
- 1883-12-06
- Page
- 849 (sequence 1)
- Language
- German
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7. KiSlcw 5044 0■ Dc;cmbcr 188». zur Förderung jüdische!! Geistes lutb jüdischen Lebens tu Haus, Gcmciude uud Schule. lvcgrüiiliu von Samson 9!aphat! Hirsch, du1ßf>in0L1 ־ I8Ml>s>iis,su׳» /stsilvoiivstrsl'Isslsilist ZII ^Prnnßfiu־! a. iH. Neue Folge. - erper Jahrgang. Herausgegeben unter Mitwirkung des Begründers und bewahrter Genassen von Asaac KirsH. Diese Wochenschrift erscheinl jeden Dvnnerötag inindeftciiö 2 Bogen stark. — '?lbcnnicmcnlöpreiö bei allen Postanstalten und Bnchkiandlnngrn 2 J(1 -'0׳ für das Pierteljalir. Der Buchhandel verkehrt durch die Helwing'sche Berlag-buchhandtnng zu Hannover. — Die Nrpedilion versendet auch direct und franko unter Llreisband den Jahrgang für 1*2 oder 7 Gulden österr. Währ, nach Tcutichland lind Oesterreich-, für U J& oder!8 Fr. nach den Ländern des Weltpostvereins. — An;ei§en werden niit 25 ..j f. bl :;gespaltene PelitJ'ile oder deren Nanin berechnet. — Expedition: Hannover, Thcodorstr. 5. Wie erstehe!; wir unfrrr fii!1&rr? v. ״! (Fortsetzung ans Nr. -k7.)! Wenn deshalb der vorhin angeführte Satz: zeige! deinem Kinde dich stets so, wie du willst, daß es werden j soll, als begründet anerkannt werden muß, so dürfte j es keine Aufforderung zur Selbstvervollkommnung, j Sclbftvercdclung nnd Selbsterziehung geben, welche in > solch eindringlicher Weise an uns herantritt, wie die! Mahnung ans dem nnschnldsvollen Auge nnscrcs Kindes,! wie die nngesprochene Rede seiner Lippen: lege ab, Vater, Mutter, jeden Fehler, läutere deinen Sinn, heilige deine Gedanken — um meinetwillen. Und so sollte das Erzichungsgeschüft in der Sclbsterziehung der Eltern seine sichere Grundlage finden: des Kindes Nähe sollte einen sitligendcu Einfluß ans die Eltern ansüben; das Bewußtsein der Erzichungspflicht sollte der mächtigste Hebel sein, die Eltern zur Veredelung ihres Wesens, zur Vervollkommnung ihrer Tugend anzuspornen. Der Gedanke an ihr Kind sollte den Ansbruch einer jeden Leidenschaft verhindern, das Wort der Unwahrheit, auch der geringfügigsten, zurückdrängcn, jede unheilige Gesinnung bannen. An denkenden Eltern vollendet dergestatt das Kind die Erziehung, welche ihnen in ihrer Jugendzeit zu Theil geworden. Aus dem Munde einer verständigen Mutter vernahm ich einst den nach meiner Anschauung eine tiefe Wahrheit enthaltenden Ausspruch: ich habe vor meinem Kinde dieselbe Hochachtung wie vor meinen Eltern, da ich in jedem Augenblicke mich unter der Macht seines Einflusses weiß und die vercdelnde ft'raft desselben verspüre. Wie mich als Kind der Gedanke an die Eltern von dem Unrechten zurückhielt, so bewirkt in nicht geringerem, wenn nicht in einem höheren Maße, der Gedanke an mein Kind das Gleiche. Man möchte mir vielleicht cntgcgcnhaltcn, daß das im Borangcgangenen Verlangte über das Maß des Möglichen hinausgche. Die Eltern seien doch auch nur Menschen mit menschlichen Fehlern und Gebrechen, nnd ich beanspruche im Grunde nichts weniger, als daß sie Engel werden, um ihre Kinder zu den! höchsten Ideale der Tngcud zu erziehen. Daraus erwidere ich: wohl werden die Ettern ihre menschlichen Schwächen nicht sämmtlich abzulegcn vermögen, um ihren Kindern als das vollendete Vorbild des Guten und NachahmcnSwcrthcn dazustchcn. Uud so weuig in der heiligen Schrift die erhabenen Gestalten eines Abraham, MoseS oder David uns mit der Ausfordcrung hingestcllt werden, in ihnen das verkörperte Ideal zu erblicken, also daß die Mitthcilnug des göttlichen Gesetzes überflüssig wäre, und wir nur aus dem Leben dieser Männer die Norm für das unserige zu schöpfen hätten, eben so wenig