Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1883-11-29 · Heft 48 (29.11.1883) · p. 836

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 48 (29.11.1883)
Article
Israels Stellung zum alten und neuen Antisemitismus
Date
1883-11-29
Page
836 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2932754-2932996-2933044-2954980--14139-2955035
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

836 darum trägt Er es und märtet fein mit der Viebe cincc' Baters uub mit väterlichem Ernste, und formt cs und bildet cd zur herrlichsten Fassung für die kästlichstc Perle. Die wechselnden Phasen unseres Geschickes sind | dem erziehenden, bildenden Zwecke des Galnth angcmessen. *Cb Verachtung oder Anerkennung, ob Inbet oder Schmerz den Inhalt der augenblicklichen Minute bildet — wir haben nur eine Ausgabe zu aller Zeit, in jeglicher GeschickSgestallnng: der Perle zu warten, die Gott in unsere Mitte gelegt und unseres Ahns Isaak Beispiel zu folgen: überall Gott den Altar zu errichten und Deinen heiligen Namen der Menschheit zu verkünden. lingarifdjcö Jcffljibauu)1 Baliiiiumui'ffi!. Bon S. B. Rosen ha in. l Fortsetzung s. Nr. -l<i.s Ferner gicbt cs noch eine dritte Art, mit welcher viele Bachnrim ihre Karriere zu beschließen pflegen. Diese ziehen den Posten eines Lehrers denjenigen eines שוחט vor und sind froh, wenn ihnen ein solcher, mit dem gewöhnlich auch zugleich die Agenden des Tempeldieners verbunden sind, an einer winzigen Gemeinde nach vielem Ringen als Lohn ihrer Bemühungen zulächelt. Aber, wird man fragen, gcrathen denn alle der vielleicht nach Tausenden zählenden ungarischen Bachnrim ans solche von dem eigentlichen Ziele ihres Berufes so weitab liegenden Abwege, vermag sich kein Einziger ׳ unter ihnen auf der geistig ׳sittlichen Höhe zu erhalten, über welche hinweg der Weg zu diesem segensreichen Ziele führt; gelangt kein Einziger bis dahin? — Daraus antworten wir, daß es Gottlob anch solche gicbt, die den Morast, der ihnen bei ihrer Wanderung — denn darin gesteckt haben sie beinahe Alle -- auhasteu blieb, abznschüttcln vermögen, mit, ihren Berns sortsetzend, sich in reinere Sphären zu erheben, aber ihre Zahl ist vcrhältnißmäßig nicht groß. Es gehört dazu neben einer eminent geistigen anch eine starte physische.Kraft, deren glückliche Bereinigung nicht immer anzntressen ist. WaS die pekuniären Lerhältnisse dieser AuSerwählten betrisst, so verweisen wir diesbezüglich aus unfern Artikel über die Prcßbnrger Ieschiba, welche vorzüglich aus olchcn besseren Elementen besteht. AnS unseren dortigen Anssnhrnngcn können wir uns die Ueberzengnng verschassen, das; Frau Fortuna anch diese nicht gar zu liebevoll bedacht hat. Wohl wird ihnen so viel oder, besser gesagt, so wenig geboten, 11111 in eng beschränkten Verhältnissen daS Leben fristen zu können, ihre Znknnst aber wird meistens von eben so düstern Schleiern vcrhüllt, wie diejenige eines andern Bachur. Hier angelangt, sind wir in unserer Darstellnug bis zu einem Punkte vorgeschritten, von wo anS ein Rückblick uns die Hauptgestaltnngen des ungarischen Ieschibaweseus und die traurige Stellung, die der einzelne Bachur in demselben eiunimmt, in ziemlicher AnSsührlichkeit und -Klarheit erkennen läßt. Bevor wir aber znm Ausdrucke jener Reflexionen schreiten, die sich uns anS der Betrachtung des in unserer bisherigen Darstellung zusaminengesaßten Gcsammtbildcs, sowohl bczüglich der Ursachen und Folgen der zu Tage getretenen düstern Momente, als anch bezüglich jener zu ergreifenden Maßregeln, welche den Gebrechen und Schäden des ungarischen Ieschibaweseus vielleicht steuern könnten, ansdrängen, wollen wir zur Umschreibung unseres Stand- Punktes betonen, daß wir unsere Ansmerksamkeit hier hauptsächlich aus die materiellen Uebelstände lenkten, weil: 1) eine Besserung in geistiger Beziehung absolut unmöglich ist, bevor nicht für die Beseitigung der materiellen Nachthcile gesorgt wird, 2) wir die, in dem schon erwähnten Kollektivberichte ans Ungarn enthaltene Besprechung der geistigen Unzulänglichkeiten des ungarischen Ieschibaweseus für vollkommen ausreichend halten, und 3) wir anch diesbezüglich ans nnsern Artikel über die Prcßbnrger Ieschiba Hinweisen und das, was wir dort mit spezieller Bezugnahme sagten, sich anch auf das Allgemeine anwenden läßt. Wir haben gesehen, wie die meisten der Unterländer Bachnrim, welche vorwiegend die ungarischen Ieschiboth bevölkern, schon im zarten KindeSaltcr, entblößt von allen geistigen und materiellen Mitteln, in die Fremde geschickt werden, wo das Kind, das ja für physische Eindrücke um Vieles empfänglicher ist, als für geistige, angelcitet wird, die Beschaffung seines Lebensunterhaltes als die einzig wichtige Frage zu betrachten, deren Lösung ihm obliegt; und diese Lösung, wenn sie überhaupt esfektnirt werden kann, nimmt vollauf die ganze Entsaltnng einer KindeSkraft in Anspruch. Es erblickt vom ersten Momente an, da cS das Leben zu begreifen ansüngt, in demselben nichts anderes, als sein ansprnchvolles, zur rastlosen Befriedigung seiner vielen Bedarfnissc zwingendes Ungeheuer, welches ganz in der egoistischeu Beschäftigung mit sich selbst anfgeht. Daß das Leben an den Menschen anch mit ethisch-sittlichen und geistig-idealen Ausgaben und Ansordcrnngen herantritt, weiß cS nicht, da cS sich Niemand angelegen sein läßt, es daraus ansmerksam zu machen. Zum veredelnden Studium der heiligen Literatur, welches vermittels! einiger Anleitung die ideale, sittliche Auffassung der Welt und des Lebens in ihm wach rufen müßte, wird cS nicht angehaltcn, ja dasselbe wird ihm, sammt der [ damit Hand in Hand gehenden Erlernung der hedräi-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.