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Jeschurun · 1883-11-22 · Heft 47 (22.11.1883) · p. 828

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 47 (22.11.1883)
Article
Deutschland : aus Holstein [Nachricht]
Date
1883-11-22
Page
828 (sequence 3)
Language
German
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den vcritabtcn, echten, schönen, herrlichen ״Inden-Eid?" der also geleistet werden muß: ״Der schwörende Jude hat sich zur Eidesleistung durch Abwaschung der Hände und durch Anlegung des Gebctmantcls und der ' Gcbetschnur vorbcreitcn, und es hat in einein Falle durch (Gutachten von jüdischen und christlichen Gelehrten sogar erst festgestcllt werden nlüsscn, daß ein nicht fehlerfreier Gcbctmautcl der Gültigkeit und Kräftigkeit des Eides tticht Eintrag thue. Dann konnitt die Warnung: ״Ein jeder gläubige Israelit ist schuldig, der Obrigkeit, sie sei jüdisch oder christlich, bei Ncchtsstreitigkeiten die Wahrheit zu gestehen und solche auf ihr Begehren mit einem Eide zu bekräftigen. Ein von der christlichen Obrigkeit geforderter Eid ist also nach der Lehre der Rabbiner für keinen unrechtmäßiger Weise erzwungenen Eid zu erachten" u. s. w. Es folgen nun Aussprüche der Rabbiner und Bibelvcrse zur Bestätigung, daß der Meineid ein unsühnlichcs Verbrechen sei, das Gott nicht nur an dem Meineidigen selbst sofort, sondern auch an dessen Fautilie und dem ganzen Lande strafe, worauf daun nach einer nochmaligen Verwarnung, und nachdem dcm Schwörenden die bekleidete Thora in den Arm gegeben worden, der Eid abgeleistct werden kann." Denn das ist eine so besonders von der gewöhnlichen Weise abweichende Form, das dcmoitstrirt so recht ad oculos der Juden Inferiorität, daß Niemand daran zweifeln kann. Und die ״Krcuzzcutung" kneipt der Kleinen freundlich die Wange und erwidert: sehr schön, liebe Tochter, du hast mich genau begriffen, ich bin mit dir sehr zufrieden, nur hast du vergessen noch anzusührcn, daß der Iudcn-Eid in der Synagoge geschworclt werden mußte. Wenn du nun meinst, daß dieser Iuden-Eid längst abgcschafft worden ist, schon vor Einführung der neuen Iudcngesetze, so ist daS so so — na, du verstehst ntich. Aber schau', ״wenn nun tro£ des heutigen ״konfessionslosen" Eides einem Juden gestattet tvird, seinen Eid unter gewissen besonderen jüdischen Formen zu leisten, — in einigen Läuderlt Deutschlands war in der letzten Zeit neben der vorgeschriebeueu Bekräftignugsformel (״So wahr mir Gott helfe'") die Hauptbedeekung das eigentliche Requisit des Inden-Eides — so scheint die allgenteine Frage, ob der Iudcn-Eid noch besteht, und wenn ja — ob Interessenten gleichfalls das Recht haben, die Ableistung desselben zu verlangen, durch deine Erörterung und durch den Einwurf, welcher Inden. Eid gemeint sei, noch nicht endgültig erledigt. Die Frage selbst aber ist um so wichtiger, da doch der ״konfessionslose, d. h. moderne jüdische Eid" heute a l l g e m e i n geworden ist." Also merkst du, wir fragen noch immer fort, und wollen nicht müde werden zu . fragen. Fahre nur so fort, ich will dir antworten, und anS unserer lauten und eifrigen Unterhaltung lernen die Zuhörer, wenn sie aufmerksam darauf achten, gar Manches, sie inischen sich in unser Gespräch und wir haben die Wiedereinführung, d. h. wohlgemerkt, die Anwendung des noch gar nicht abgeschasjtcn Juden- Eids weise verbreitet. Folge mir nur stets und thue, wie ich es dir zeige." Daß den Christen gestattet ist, der allgemein vorgcschriebencn Schwnrsormcl noch eine besondere Bekräftigung, welche ihrer religiösen Anschauung entspricht, hinzuzufügeu, und daß das Bedecken des Hauptes höchstens dieser den Christen eingeräumten Freiheit entspricht, das wissen die ״Kreuzzcitung" und ihre Kollegin sehr wohl, aber — — nun aber, es wäre doch gar zu schön, den ״Juden-Eid" wiederum in Kraft und Ucbung zu sehen, und darum benutzt mau den an den Haaren herbeigczvgeneu Anlaß zu einer sicherlich sehr . ernst gemeinten Ventiliruug der Frage: ״Besteht der Iudcn-Eid noch?" Oesterreich-Ungarn. -g- Wien, 13. November. Es werden äugenblickt ich, natürlich von antisemitischer Seite, Denkmünzen verbreitet, welche den zur Erinnerung an den 200jährigen Gedenktag der Türkcubelagerung gleichen. Dieselben tragen auf der Aversseitc die Inschrift: Vienna urb8 a Turcis liborata MDCLXXXIIL Auf der Reversfeite: A Judaeis eapta MDCCCLXXXIII. -ei- Wien, 15. November. Bei der Ucberreichung der Martiuigänse für die Kaiserliche Tafel wurde die Deputation äußerst huldvoll empfangen, und nachdem der Kaiser Seinen Dank ausgesprochen, bemerkte er: ״Sie haben schwere Zeiten durchznmachcu gehabt," worauf der Sprecher der Deputation erwiderte, daß der Frieden zwischen Juden und Christen in Preßburg jetzt doch schon wieder hergestellt sei, und daß die Juden, im Vertrauen auf den ihnen durch ihren geliebten König zu gewährenden Schutz, furchtlos der Zukunft entgegensähen. Man hatte anfänglich die Absicht, Sc. Majestät auf das ruchlose Treiben des ״Westungarischen Grenzboten" aufmerksam zu machen, doch kam man nachträglich von diesem Vorhaben ab. Wie mir von verläßlicher Seite mitgetheilt wird, hat der in der Beilage zur ״Allgemeinen Zeitung" in München (früher Augsburg) Nr. 311 vom 8. November enthaltene mit A. K. gezeichnete Artikel: ״Die erneuerte Blutbeschuldignng gegen die Juden" den Professor der alttestameutlichen Exegese in Erlangen, Di*. August Köhl e r, zu nt Verfasser. k. Grostwnrdeiu, 16. November. Der Prozeß von Tisza-Eszlar wirkt noch immer, vorzüglich in den betheiligten Kreisen; da finden wir Ovationen, Verwünschungen, neue Prozesse, Beleidigungen, und heute kann ich Ihnen soger von einem — Duell Mittheilung machen. Als

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