Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 47 (22.11.1883)
- Article
- Deutschland : aus Holstein [Nachricht]
- Date
- 1883-11-22
- Page
- 827 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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827 Argusaugen spürt sie Alles auf, was im Occidcnt und Orient sich ereignet, und ein freudiges Hcnreka! erschallt von der Spree, sobald eine neue Entdeckung gemacht ist, die sich im Dienste der heiligen Sache, welchem sie ihren niächtigcn Einfluß und ihre gewaltigen Kräfte geweiht, verwenden läßt. Und dieser Üiuf des großen Organs, welches ״Vorwärts mit Gott für König und Vaterland" allen Anderen voran die Fahne edler antisemitischer Gesinnung zum -veile des Vaterlandes, zur Befestigung des Friedens zwischen den Genossen desselben tapfer schwingt, findet Wicderhall in den Herzen der Getreuen, und unter diesen Getreuen vor Allen anderen in dem Herzen der allcrgetrencstcn jüngeren Gefährtin, deren echt deutsch-patriotisches Herz schon in dem Namen sich kund giebt, auf den sic getauft ist, in dem ״Deutschen Tageblatt". Die Kleine möchte gar zu gern groß werden, und darum ahmt sic Alles nach, waS sic an der Großen bemerkt. Sic trippelt cisrig bald neben ihr her, bald ihr einige Schritte voraus, bald faßt sie der Großen Gewand, um mit deren Riesenschritt die gleiche Bahn zu halten, wie das ja so die Weise der lieben Kleinen ist. Also der ״Krcuzzcitung" konnte dieses hochwichtige Ercigniß eines mit bedecktem Haupte schwörenden jüdischen Zeugen in irgend einer der vielen Gerichtsstubcn der deutschen Gauen natürlich nicht entgehen, und sic hat frohlockend in die Dromntetc gestoßen. Wer Ohren hat zu hören, der höre die frohe Botschaft, was wir lange gesucht, cs ist gefunden, — er ist gesunden der Punkt, von welchem aus die Welt, d. h. die moderne jüdische Welt, und das ist ja die ganze zivilisirte Welt nach dem Dilrum der erleuchteten Propheten, aus den Angeln zu heben ist. — 311 jener dunkeln Gerichtsstnbc ist dem heiligen Antisemitismus ein Stern aufgegangen, von welchem sich Licht verbreiten wird über die ganze Erde hin; die Nacht des Judcnthnms, welche die Erde umhüllt, wird weichen, das moderne Babel wird untergehen, und auf den Trümmern desselben ein neues Reich echten Dcntschthums nach dem Herzen der ״Krenzzcitung" und des ״Deutschen Tageblatts" erstehen, in welchem die fromme Denknngswcisc dieser Priester des Antisemitismus zur Herrschaft gelangen, und Herr Hof- Prediger Stöcker das Regiment führen wird. ״Die Botschaft hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube", — wie kann so Erstaunliches geschehen? Freilich ist das Wunder des Glaubens liebstes Kind, aber wir leben doch nicht in den Zeiten der Wunder. O, des ungläubigen Thomas! Wie kann man denn nur so blind sein; nichts ist klarer als das, auch das blödeste Auge kann das Helle Licht schauen, welches sich von jener Gcrichlsstube aus ergießt. — Es ist dach männiglich bekannt, daß in jenen glücklichen Tagen, in welchen noch nicht die böse, böse Aufklärung die Gemüthcr verwirrte, die 3uden weise von allen anderen Unterthanen durch höchst heilsame und wohlthätige Schranken geschieden waren, wie cs sich in einer wohl gefügten Staatsordnung auch nicht anders gebührt. Es sollte den preußischen und deutschen Völkern und auch den Inden selbst stets und überall zum Bewußtsein, gebracht und dieses Bewußtsein bei jeder Gelegenheit gestärkt und gekräftigt werden, daß die Israeliten beileibe nicht glcichwcrthige Menschen wie die übrigen wären. Es sollte nimmer außer Acht gelassen werden, daß die Inden eine andere Art von Geschöpfen wären, gegen welche man sich vorsorglich zu schuhen und zu wehren hätte. Nachtwächter oder Schulze, Stadtrath oder Minister, Richter oder Lehrer u. s. w. ». s. w. durfte kein Jude werden, — ja, er durfte auch nicht in ähnlicher Weise wie die Uebrigcn seinem Erwerbe nachgehcn, sich ansicdcln, sich verehelichen, Zengniß ablegen u. s. w. 11. s. w. Das ivaren glückliche, gesegnete Zeiten! Was unter allen diesen vielfachen weisen Vcr- Ordnungen nnd Veranstaltungen aber am weisesten ivar, ist die besondere Eidesleistung der Israeliten, bekannt unter dem Namen: Schwnrform more judaico. Der beste Beweis hierfür ist der Kummer, den dieselbe den Juden bereitet, wie sie cs als eine Erniedrigung und Demüthigung begriffen, daß der Gesetzgeber ihnen eine solche Ausnahmestellung gerade hier angcwicjen hatte. Wenn cs darum gelingen sollte, diesen alten bewährten ״Inden-Eid" wieder zur Geltung zu bringen, wenn wir ihn wieder cinsühren könnten, dann haben wir den ersten wirksamen nnd bedenlenden Schritt ״vorwürts" gethan, dann ist der Inden Macht gebrochen, dann tragen sic wiederum das ihnen gebührende Kains- Zeichen an der Stirn, dann ade jüdischer Geldbaron, dann ade jüdischer Stadtverordneter, jüdischer Parlamcntaricr, ade jüdischer Richter und jüdischer Lehrer! Und dieses Große ist mit jenem denkwürdigen Tage angebahnt, da ein Jude auf sein inständiges Verlangen einen Eid mit bedccklem Haupte geschworen. Ja, wunderbar waltet das Geschick, und ans kleinen, unscheinbaren Ursprüngen erhebt sich das Gewaltige, die murmelnde Onellc wird zum rauschenden Strom, dem vom Winde dahin gestreuten Saatkörnlcin entspringt der mächtige Wald. Hättest du, armseliger, beschränkter Semite ahnen können, als du den Hut dir auj's Haupt stülptest, daß wir sofort, — nicht an dich, denn was bist du armseliges Geschöpf? — in die weiteste Ocsfenltichkeit hinein die inhaltschwcre Frage rufen können: ״Besteht der Inden-Eid noch?" Die Beantwortung dieser Frage ist des Schweißes der Edelsten werth. Kaum ist das Wort von den Lippen der großen ״Kreuzzeitnng" geflossen, so stellt sich auch die artige Kleine, das ״Deutsche Tageblatt", ein und fragt die Große: daß wir uns recht verstehen, du meinst doch