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Jeschurun · 1883-11-15 · Heft 46 (15.11.1883) · p. 807

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 46 (15.11.1883)
Article
Kollektiv-Berichte aus Ungarn
Date
1883-11-15
Page
807 (sequence 3)
Language
German
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807 leer verhallen, wie die Stimme des Predigers in der! Wüste! — Bei aller Ucberzcugung wagt es Niemand, gegen Herrn Reich's Verfahren offen zu demonstriren. Der heillose Respekt vor dem künstlich erzeugten Nimbus dieser Despotie fügt den vitalsten Interessen der nngarischen jüdischen Orthodoxie die empfindlichste Schädignng zu. Und höret und staunet, liebe Leser, in Ungarn gilt cS als feststehende Norm: wer dieser Autorität nicht huldigt, der ist kein guter Jude; man mag ein גאון הגאונים, ein צדיק וקדוש sein, wenn man diese nicht über sich zum ראש וקצץ erhebt, da gehört man nicht לנו zu n n s glaubcnstrenen Juden, sondern לצרינו zu unseren Widersachern, ZN den Feinden des wahren Judenthums!!! — Ans der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts. (Nach einer wahren Begebenheit) Friedrich KoLt. (Fortsetzung.) (Alle Rechte Vorbehalten ) K'ohn's Erregung steigerte sich von Moment ZN Moment, er war anfgestanden, doch-mit beiden Händen stützte er sich an den Tisch. Da ward Plötzlich die Thür ausgerissen und Mirjam stürzte herein, ihr Auge leuchtete, ihr ganzes Antlitz war wie verklärt. Ein heftiges Zittern erfaßte den Mann am Tische und Thrälten entstürzten seinen Augen, cs waren Helle Freuden thränen. ״Was ist's, Mirjam? — was ist's?" Doch das wußte sic nicht, aber sie sah den heftig Zitternden lind bot ihn: ein Glas Wasser. ״Trinken Sie, trinken Sie — ich laufe indessen hinaus, mich zu erkundigen." Das war jedoch nicht nöthig, die Thür öffnete sich abermals, Frau Lcwin trat in's Zimmer mit thräuenfeuchten Angen, doch strahlenden Angesichts. ״Masseltow! Masscltow! 'neu gesunden prächtigen Sohn!" ״Bornch hatow wehametiw!" stammelte Kohu und abermals entstürzten Thränen seinen Augen. ״Und Nahe!? — Nahelleben?" ״Läßt Ihnen Masscltow sagen und Alles ist gut — Alles." ״Kotonti mikol hachassodini!" schluchzte Kohn und drückte seiner Schwiegermutter nochmals und abermals die Hand. ״Kann ich hinüber geh'n — zu ihr?" ״Gewiß können Sie zu ihr," versetzte Frau Lewin, ״aber nur so nicht, erst müssen Sic ganz ruhig werden, Nahel möchte erschrecken, wenn sie Sie so sieht." Doch trotz seiner glühenden Sehnsucht nach Frau. und Kind war er doch nicht im Stande, sich so bald zu fassen, um Frau Lcwin cs zu ermöglichen, ihn sofort hinüber zu führen. ״Kann ich zu Nahel hinein gehen?" fragte Mirjam schüchtern. ״Gewiß können Sie hinein gehen, Kind lieb," rief Kohn, noch bevor Frau Lcwin antworten konnte, ״und ich bitt' Sie, sagen Sie meiner Nahel leben, ich lass' ihr Masscltow sagen, und ich komm auch gleich; ich will nur geschwind zum Vater laufen und ihm Masscltow sagen." Die Schwiegermutter nickte ihm dankend zu. ״Recht, lieber Kohn, da thun Sie 'ne Mizwoh, mein Mann sitzt sicher noch auf und wartet —." ״In '11 er Mittut' soll er's wissen," und mit einem Ruck hatte er die bequemen Hausschuhe abgestreift und war in die Stiefel gefahren, um rascher über die Gasse eilen zu können. In unglaublich kurzer Zeit hatte er die Wohnung seines Schwiegervaters erreicht. Lewin lehnte im geöffneten Fenster, denn er harrte eines Boten, und schon von der Straße her jauchzte Kohn ihm Masscltow! zu und brachte ihm die frohe Botschaft, daß es ein Knabe und daß Alles gut gegangen, und dann eilte er heim und nun ließ ihn auch Frau Lcwin ungehindert in der Wöchnerin Zimmer, und er stand an ihrem Bette und schaute in ihr bleiches und doch so holdes freudestrahlendes Antlitz und ans das zarte Wesen in ihrem Arm und es war ihm, als müsse sein Herzschlag stocken vor lauter Seligkeit. — Doch die Schwiegermutter sah es in seinem Antlitze zucken, sie fürchtete einen abermaligen Ausbruch seiner Erregtheit und bestand darauf, daß er sich und der Wöchnerin jetzt Ruhe gönnen müsse. ״Bis in der Früh zu gutem —" Kohn mußte sich fügen; doch bevor er das Zimmer verließ, das seine größten Schätze umschloß, ivknkte er Mirjam, daß sic ihn hinaus begleite. ״Kind lieb," flüsterte er, als er die Thür vorsichtig hinter sich geschlossen, ״Sie könnten mir'u'Ehescd erweisen, wie's keinen größeren gicbt -— wollen Sie?" Mirjam versicherte ihre Bereitwilligkeit. ״Als ob das 'ne Frage wär'," unterbrach er sie, ״aber Sie werden mir's mochel sein. — Sie wissen doch — heut' — aber jetzt hören Sie an, Kind lieb, um was ich Sie bitten möchl'. — WaS ich jetzt möcht', können Sie sich denken — Tag und Nacht an meiner Rahellebcn ihrem Bette sitzen und sie und unser goldiges Kind in einem fort auschauen. Aber 's geht nicht. — Sie haben 's ja gesehen, 's geht nicht, weil's Nacht ist und in der Früh, da gcht'ö nicht, weil's Tag ist, da muß man in Schul' geh'n und in's Geschäft und hierhin und dorthin. — Und meine Nahelteben — die

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