Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 46 (15.11.1883)
- Article
- Kollektiv-Berichte aus Ungarn
- Date
- 1883-11-15
- Page
- 806 (sequence 2)
- Language
- German
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und dünn willig folgten, sie schämen sich nunmehr ihrer jüngsten Vergangenheit, wenden sich mit Entrüstung weg von den antisemitischen Wort- und Schriftführern : und entsetzen sich darüber, das; sie von elenden Defraudantcn sich so kläglich myslifiziren und düpiren liegen. So wurde auch vor Jahresfrist der Eigenthümer und Mitrcdaktcnr deantisemitischen ״Ungarischen Grenzboten" in Preßbnrg, Herr Windisch, als Wcchselfälscher zu ntchrjährigcr Kerkerstrafe verurtheilt. Alda-;weitwichtigste Ereigniß gilt die vom ungarischen Knltn--Minister Tröfort einberitfenc Enquete zur Schaffung einebesonderen MatrikelslatutS für Indengemeinden. Der Prüfeder ״Iandcökanzlci", Herr Martin Schweiger, lehnte jede Thcilnahnic entschieden ab und gab die taktvolle Erklärung: ״daß die Kongreßgcnicindcn mit Gewissenhaftigkeit und patriotischer Tendenz die Matrikel führen, zu solchen Verfügungen keinen Anlaß gegeben haben, deutnach halte er besondere staatliche Verfügungen nicht motivirt und kann diese auch darum nicht gnthcißen, weil dieselben bei der gegenwärtigen Strömung solche Folgen Hervorrufen könnten, die gar nicht abzusehcn sind." — Der gute Eindruck', den diese Erklärung in allen Schichten der ungarischen Ittdenhcit hervorgebracht, hat durch eine zweite in! ״Remzet" abgegebene ״Erklärung" de- Herrn Schweiger viel eingebnßt; dort schreibt Schweiger: ״Eist meine feste Uebcrzcngung, daß cnicht stillschweigend geduldet werden könne, wenn die Inden, so oft von einer Kulturfrage die Rede ist, von einander gesondert, so oft aber eine Ordnung-Widrigkeit anftancht, mit einander in Solidarität gebracht werden." — Viel Wahrheit liegt wohl auch in diesen Worten, sie involvircn aber auch eine schwere Anklage, welche ״nach unserer festen Ueberzcugung nicht stillschweigend geduldet werden tonne." — Im Sinne de- ישראל ערבים זח בזה nehmen wir edankend zur Kcnntniß, daß Herr Schweiger uuvon der ״Solidarität" pardonirt, aber ans frosten der Ehre Anderer sich hcrvorthun wollen, ist denn doch nicht ritterlich gehandelt. — Die traurigen Malritelführnng--Verhältnisse im Marmaroscr Komitatc können doch nicht der Gesammtorthodoxie zur ^ast gelegt werden, und dattngcsetzlichc Gebühren Einzelner nicht al- Kriterium für Alle gelten! — Wahrlich, Herr Schweiger hätte seiner ״Gewisjenhaftigkeit" und seinem ״Patrioti-niuS" nichtzu vergeben gebraucht, wenn er den ohnedieschwachen Faden, der unsere ״Solidarität" noch znsamtnenhält, nicht mit einem Federstrich dnrchznschneiden versucht hatte. — Die Schuldigen treffe die Strafe, die Unbcfähigten mögen sn-pendirt werden, ohne Unterschied, welcher Partei immer sie augchörcn mögen! Dawäre ein ״rechte- Wort zur rechten Zeit" gewesen, ohne mit dem Beschützen der eigenen Haut Andere zu verletzen. — Oder wagte er ein solche- Wort nicht auö wohlbegründeter Befürchtung, eilte eingehende Untersuchung könnte zu Tage fördern, daß die Matrikclführungs- Verhältnisse in manchen Kongreßgcmeinden denen der Marmaroscr ziemlich gleichen?! לא נביא אנבי ולא בן נביא אנכי Höchst deprimircnd wirkte immerhin die aktive Bethciligung de- Präses der orthodoxen Durchführung-- kommission, Herrn Ignaz Reich, an der Enquete,— und wenn Herr Reich wirklich die Inangurirung dieses ״Ausnahmegesetze-" billigte, dann möchten wir die bessergesinnteu orthodoxen Juden Ungarns befragen: wie lange wollet Ihr Euch so ungccigitet rcpräsentiren lassen? — Raffet Euch auf, befreiet Euch von dem Terrorismus, unter dessen Drucke Ihr ächzet; die übelberathenc Diplomatie weiche und mache Platz einem rationellen, vorurtheil-sreicn, versöhnlichen Geiste! Das Wort erstarrt in unserer Feder, wir müssen cinhalten und hätten, ach, gar viel zu sagen und zu klagen. Gott bessere unsere Zustände!! Wenn eineuns erfreut, drückt das andere uns nieder. Alle Elemente und Schichten der ungarischen Iudcnhcit werden diesem neuen Iudengcsetze einen herzlich erbitterten Empfang bereiten, bis auf eine winzig kleine Minorität, welche den! Ittslebcntrcten der beschämenden ״An-nahm-gcsetze" mit stoischer Gleichgültigkeit entgegensicht weil sie nichts zu verlicrcn hat.-— Und im Interesse dieser verschwindenden Minorität läßt der offizielle Großtneister der ungarischen Orthodoxie sich die Schläge ruhig gefallen und wird auch zur Propagirnng dieser Sentcnzen Mitwirken. — Einer solch schntählichcn Tendenz gegenüber hört denn doch die Gemnthlichkeit auf. bifficile est satyram — scribere! Die endlosen Rücksichten für die chassidäische Partei haben die ungarische Orthodoxie mit dem ר״ל aufreibenden Ucbel des Marasmus behaftet. — Wir wußten es schon gestern und ehegestern uud haben auch in den Kollcktivberichtcn längst schon es ausgesprochen, daß Herr v. Trüfort eine ganze Pandorabüchse voll der liebenswürdigsten ״Erlässe" für seinen Augapfel, die Juden, hat — aber daß Herr Trnsort in diesen seinen Strebczielcu das Einvernehmen des obersten Repräsentanten der ungarischen Orthodoxie erlangen wird, diese stärkste Absurdität haben wir wahrlich selbst Herrn Reich nicht zugcmuthet. Sollen wir nun unter der Wucht dieser moralischeu Niederlage zum so und so vielten Male wieder appelliren, daß die ״Bessergesinntcu" ans ihrer Apathie zur Vertheidigung und Rettung der angegriffenen Ehre der ungarischen jüdischen Orthodoxie sich emporraffen? Es wäre vergeblich, der eindringlichste Weckruf würde