Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 46 (15.11.1883)
- Article
- Der Antisemitismus
- Date
- 1883-11-15
- Page
- 801 (sequence 1)
- Language
- German
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XVI. Jahrgang. CSftiniöürr hfii bchcschw»rn.-^K4 vV}HI1m)UCr, OCll 15 November 1*83. M '46/ ^ys<V /> sX zur Förderung jüdischen Geistes und jüdischen Lebens in Hans, Gemeinde und Schule. begründet 0011 Samson Naphacl Hirsch, linUimtt׳ li. Z'smttiii!'^» ^^i^on.-igkskMttist zu Frau^llN a.A. Neue Folge. Erster Jahrgang. Herausgegeben unter Mitwirkung des Begründers und bewährter Genossen von Asaac KirslH. Diese Wochenschrift erscheint jeden Donnerstag mindestens 2 Bogen stlirk. — Abonnementspreis dci allen Postanstalten und Buchhandlungen 2 <46 50 ,.3 sür das Vierteljahr. Der Buchhandel verkehrt durch die Helwing'sche Vcrlagsdnchhandlnng;n Hannover. — Die Expedition versendet auch dircet und franko unter Streifband den Jahrgang für 12.IL oder 7 Gnldm österr. Währ, nach Deutschland und Oesterreichfür l4.IL oder 18 Fr. nach den?ändern des Weltpostvereins. — Anzeigen werden mit 2f>..j f. d. :!gespaltene Petit;eile oder deren Naiun berechnet. — Expedition: Hannover, Theodorstr. 5. Der AiltiseiiiitlSiMS. Eine unter diesem Titel von Julius Lippert verfaßte und dlirch den ״Deutschen Verein zur Vcrbreitllng gemeinnütziger Kcnntuissc" zu Prag herausgegebene Schrift wird aus von Herrn Di׳. Holz am er, bent Geschästsleiter dieses Vereins, zur Besprechung zugesaudt. Sir kommen dieser Aufforderung um so bereitwilliger nach, als die Schrift des Herrn Bppert sich würdig den Knudgebungen anreiht, die im Namen der Zivilisation Protest erheben gegen ״die sich stetig verrohende Tendenz und den Fortschritt zu immer schmutzigerem, immer barbarischerem Inhalte", welche das Wesen des heutigen Antisemilisinns karaklcrisircn. Die Ansichten, welche der Herr Bersasser von Bibel und Iudenthnm hegt, sind nicht die unsrigen, wie auch unsere Auffassung der Geschichte von der seinigeu abweicht. Uns ist die heilige Schrift göttliche Offenbarnng. Das Iudenthnm aber weiß sich als ersten Träger dieser Offenbarung im Dienste der Gesammt- Menschheit, deren endliches und dauerndes Heil in der Unterordnung aller menschlichen Berhältuisse unter die von Gott gewiesene Ordnung des Rechts und derBebe zu erblicken ist. Das Iudenthnm ist nicht engherzig und kurzsichtig. Es ruft die gesammte Menschheit aus zur Huldigung Gottes als den Herrn und König der Welt und spricht das große Bckenntniß aus: daß allen Menschen, nicht den Juden allein, die hieniedige und ewige Glückseligkeit zu Thcil wird, so sie sich dem von Gott ge offenbarten Ideale des Rechts beugen. Ihm gilt es nicht, die Menschen zu Juden zu machen, ihm winkt als höchstes Ziel der Geschichtseutwickelung der Tag, an welchem das Bewußtsein von Gott und seinem Gebote des Rechts und der Bebe sich zu solcher Reinheit und Mächtigkeit in der Brust aller Menschen emporgcrnugen hat, daß kein Unrecht und kein Mißbrauch der Gewalt mehr im Menschenkreise geübt, keine Thräne über erlittene Rechtskränknitg mehr geweint, kein Schwert des Krieges mehr geschmiedet, sondern die Erde zum glücklichen Wohnsitz des friedlichen Vereins der Gcsammtmenschheit geworden sein wird. Und darum steht, int Gegensatz za der Anschauung des Herrn Verfassers, das Iudenthnm und seine Geschichte von jeher ״auf dem allgemeinen Boden der Menschheit" und datunt ist er im Jrrthutn, wenn er ״von dem nnnahbaren Stolze" des ״ausgewählten" Iudenthirms spricht. In dein Augenblicke, da dcnt durch Gottes Allmacht aus der Pharaonischen Sklaverei befreiten Votksstamme die Verkündigung des GottcsgesctzcS werden . sollte, erging an ihn die Mahnung: ״Und nun — j wenn ihr aus meine Stimme ernstlich hören und meinen