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Jeschurun · 1883-11-08 · Heft 45 (8.11.1883) · p. 793

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 45 (8.11.1883)
Article
Der Prozeß wegen des Synagogenbrandes in Neustettin
Date
1883-11-08
Page
793 (sequence 1)
Language
German
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M 45. Ieschurnn. 793 Ter Prozeß wegen des Zyuagogeiibraildes in ^!custettin. ׳.Schlnst statt Forlsctznng.) Auö Pommern. Zeigen diese BengcnanSsage des Schlächtermeisters A u 1ן e r in n n n kontrasiirt denen srülirre gerechtliche Deposition, de.st er Hirsch festste!in allein im Hanse an ge troffen n!׳.d gar nichts Auffälliges an ihm bemerkt habe. In der weiteren Verhandlung wird non mchrcren .sengen bekündet, dast Leo Lestheim gegen 10'/_* Uhr Vormittags bei ihnen gewesen,!1111 Quittungen des Kr.inlcuvercins zu erheben. — Der Lehr bursche Gcisenberg sog! ans, er sei mit Leo Lestheim ungefähr eine halbe Stunde nach dem Ausbruche des Feuers zusammen bei dem Kaufmann Jakobi gewesen, wo Lestheim im Aufträge der Iran Heidrnlann für deren Mann ein Paar Strumpfe abhotte. Dagegen behaupten mehrere Knaben, dast sie um diese Beit Leo Lesthcim mit einem F!nh!e au! dem Kopfe allein auf der Straste gesehen haben. — Der Kürschner Leiser bekundet: .der Beuge Lehrer Pieper habe ihm seiner Zeit erzählt, die beiden Lestheim hätten sich bei einer geeichtlicheu Vernehmung gegen ihn so ousterordenuich grob gezeigtwäre das nicht der Fall gewesen, so hätte er in anderer Weise gegen sie gezeugt. Der Lehrer Pieper nimmt diese Behauptung n! groster Erregung in Abrede. Mau solle ihm doch nicht eine solche Dummheit Zutrauen. — Der Schl ach ׳.er meist er H a st depouirt, er sei häufig bei Heidemanu gewesen, habe aber eine Aeudernug des am Bann aiisgeschichtclen Holzes nicht bemerkt-, wenn dort ein so grostes Quantum, wie Bnchholtz behauptet, von 4 Meter Länge und '1 Vieler Hohe gelegen hätte, so muffe er solches ganz bestimmt gesehen haben, Er habe noch an! Morgen des Brandes viele Felle in den Holz'chnppcn geschasst und Hütte solche daselbst nicht nnierbringen können, wenn so viel Holz da gelegen. — Kanzlist I o rd a n bekundet, dast Hirsch Heidemann zu ihnt während des Brandes sagte: man hat unfern Tempel angezündet; sehen Sic, durch dieses ,Fenster ist der Thätcr hineingckommcn. Ihm aber sei das sehr ausfallend gewesen, weil die Scherben des cingcstostciicn Fensters ans der Straste lagen׳, sie hätten ja nach innen fallen müssen, wenn das Fenster von ansten eingeschlagcn worden. — Hirsch Heidemanu nimmt dagegen mit aller Bestimmtheit in Abrede, dast er mit dem Beugen am Tage des Brandes gesprochen: er habe ihn nicht einmal gesehen. — Der Schreibcrgehnlje N o h d e bezeugt: er habe gegen 11 Uhr einen heftigen Ranch ans der -Lpnagoge dringen sehen׳, das Jener sei aber so klein gewesen, dast man cs mit einigen (tiimni Wasser habe loschen können: und in der That habe ein Mann zu dem alten Heidemanu gesagt: ״holen Sic doch ein Paar Himer 'Wasser, Herr Heidemann, damit ist das Jener ja leicht zu löschen." Heidemanu aber erwiderte: ״Spast, das haben Ehrisrenhandc gethan."^! Dem entgegen sagt Hirsch Heidemanu, dast dieser ganze Vorfall nicht wahr sei, und Gustav Heidemanu, dast cs doch wohl kaum glaublich sein durste, eine solche Ausfordernng an einen alten 71jährigen Mann zu richten. Und ferner bekundet der Schreibergehülfe Schulze dagegen, dast Nohdc in seiner Begleitung aus die Brandstätte ankam, als bereits das Jener cineit nicht niibedenrenden Umfang angenommen hatte. Ten alten Heidemanu habe er gar nicht gesehen. Mil diesem Beugen konsramirr, bleibt Nohdc jedoch bei seiner Aussage. — Hier meldet sich der Beuge Löwe zum *) Es ist doch sehr sonderbar, dast der Herr Schreibergehülse und der mit ihm übereinstimmender Meinung gewesene Mann, der den guten Rath einem schwaclien Greise gab, cs verabsäumt haben, diese ״paar Eimer Wasser" zu holen und damit den Brand zu löschen, nachdem dieser der Anssordernng leine Folge geleistet haue! — Wahrlich, sehr anssallend.! Wort und macht darauf aufmerksam, dast der Schnhmachcrmcister : Greiser ans dem Korridor unausgesetzt die Bctigcn zu bcein«; ftnssen suche. Der Präsident verkündet darauf, dast ohne seine j Erlaubnis; lein Beuge sich atis dem Saale entfernen dürfe. — 1 Die Bengin Frau Schmidt sagt ans: sic habe gegen II Uhr! die beiden Lestheim inrnoch einen Inden, den sie nicht kenne, , in verdächtiger Weise ans der Spnagoge kommen gesehen, als; noch von einem Feuer nichts bemcrlt worden war. Trotzdem i habe Leo Lestheim ״Fetter" geschrieen. Es seien ihr daraus zwei j alte Juden begegnet, zu denen sie gesagt habe, dast die Syna- : goge brenne. Diese haben ihr aber mit einer so unanständigen > Nedcnsar: geantwortet, dast sie solche nicht ansühren könne. Aus der Brandslälte üngelaitgt, habe sie sosoit den Pctrolcnmgeruch 1 bemerkt, welcher von dem ans den, Gebäude dringenden bittern : Nanch herrührte. Ans Befragen des Präsidenten, wie so sie; denn gewnstt habe, daß dieses Pelrolenmranch war, erwiederte ' sie, sie habe schon im elterlichen Hanse einmal einen Brand von : Petroleum erlebt, dessen Geruch ganz so gewesen, wie dcrsenige ׳ bei dem Spnagogenbralidc. Es wird der Beugiu von Seilen der Verlheidigung vorgehalten, dast sie bei ihrer früheren ge׳ richllichcn Vernehmnncz cinbezengt habe, sic könne in den beiden Lestheim jene Männer, die sie ans der Synagoge habe kommen sehen, nicht konstaliren. — Der Frau des Schnldicners Lange will es ausgefallen sein, dast einige Wochen vor dem Brande die Spnagoge alle Morgen beleuchtet war tnid gerade in der Brandwoche nicht, auch will sic den jungen Lesthcim, als der Dcntpel schon rauchte, ans dent Heideinann'schcn Hanse treten gesehen haben. Sie verwickelt sich aber in Widersprüche. — Polizeidicner K onrad bekundet, dast ans der Brandstelle thcil» weise vertohlte jüdische Bücher mit einem starken Petroleumgernch gesunden seien: er habe dieselben zu dein Stadlsckretär getragen. Verrheidigcr Scllo fragt, ob er oder einer seiner Kollegen von dieser ihnen doch jo wichtig dnnkcnden Wahrnehinnng eine Anzeige bei dem Staatsamvalt gemacht habe, was Beuge verneint. — Frau Gustav H e i d c in a n n bezeugt, dast der Schuhmacher Greiser ans ihre Veranlassung die Spritzen geholt habe. Es sei aber nicht ivahr, dast sic zu ihm sich ge׳ . änstcrt: ״das haben die Ehristen gclhan:" vielmehr habe Greiser zu ihr gesagt: ״die Inden sagen, die Ehristen haben den Tcinpcl angczüudet: die Inden aber haben es selbst gethan." Einige Tage nach bem Brande habe sic zu dein zwölfjährigen Sohne des Greiser, ivclchcr manchmal in ihr Hans kam, gesagt: ״Ihr hättet doch schon frühzeitig von enrrm Hanse ans den Nanch sehen können, — mnnim habt ihr denn nicht sofort Lärm geschlagen?" Der Knabe habe daraus erividert: ״Ja wohl, aber mein Vater sagte, als ich ihn ans den Nanch ansmerksam machte, schweig still, wir wollen nichts davon sagen.׳" Der Schuhmachcr Greiser erwidert der Icngin, dast dieses nicht wahr sei, und meint, wenn cs noch eine Weile dauerte, werde Bengin wohl gar sagen, er habe den Tcinpcl angesieclt. — Ter Maurer B n n k e hat ans dem Platze Ueberblerbsel von Petroleumlampen, Leuchtern und Büchern gcsnnden, ivelche nach Petroleum rochen: er hat aber dein Ingenieur Schreiber nichts davon gesagt. — Nachdem noch mehrere Beugen, welche ebenso dcponlren, vernommen sind, vernimmt man im Saale einen lumnltnarischen Lärm ans der Stnistez es ertönen namentlich Pie Hetzrnsc: ״Hcpv-Hepp!" Doch wird in der Verhandlung sortgesahren. Man kann es im Na u ine kaum anshalten, so schwül und dick ist die Lust. Beugen und Bnhörer sind theilmLisc eingeschlasen, und schnarchen laut. Vkan gewahrt eine Abspannung ans allen Gesichtern, namentlich bei den Geschworenen. Um Mitternacht wird der Gärtner Wiede mann als Beuge vernommen, welcher während 2f> Jahren bei der Synagoge beschäftigt gewesen ist. Er hat gesehen, wie sechs Wochen nach dem Brande der Handlnngskommis Blau zwei Körbe mit silbernen Leuchtern über die Straste trug und zu ihm gesagt: Ter Tempel ist erst abge«

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