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Jeschurun · 1883-11-08 · Heft 45 (8.11.1883) · p. 788

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 45 (8.11.1883)
Article
Ungarisches Jeschiba- und Rabbinerwesen
Date
1883-11-08
Page
788 (sequence 3)
Language
German
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יו ו 788 3 besteht in einem Frühstück und einem Mittagsmahle. Da min aber der menschliche Magen durch eine übelangebrachte Gepflogenheit schon derart gewöhnt ist, daß er die Nichtverabreichung einiger Nahrung am Abend mit knurrenden Mißbilligungskundgebungen begrüßt, so bleibt dem Bachur, außer den drei vakant gebliebenen Tagen der Woche, auch noch die Sorge der Nahrungöbeschaffnng für den Abend eines jeden Tages übrig. Diese Sorge nimmt oft die Gestalt einer brennenden!Lebensfrage an, ans die sich nicht immer eine völlig ausreichende Antwort finden läßt. Einen nur schwachen Trost gewähren die aus den Laudjeschiboth, aber durchans nicht überall, existirenden ־מזונותVereine, welche den Vachurim im besten Falle eine Unterstützung von zwei bis drei Gulden für den Monat zukommen lassen können. Was läßt sich aber mit einer so geringen Suutme anfangen? Nicht einmal die für das nackte Leben erforderliche Nahrung au Brot läßt sich dafür anschasfen, und woher soll man dann noch das Geld hernehmen, um den Zins für'ü Quartier bezahlen und um sich eine, wenn auch nur schlichteste Gewandung verschaffen zu können? Einnahmequellen, wie Lektionen geben, stehen den Vachurim kauut zur Verfügung, da das Register der profanwissenschastlichen Disziplinen, in denen sie Unterricht ertheilen könnten, gewöhnlich eine Zahl ausweist, die zum Verwechseln derjenigen ähnlich sieht, welche entsteht, indem eine positive Größe mit einer gleich großen negativen addirt wird. Unterricht im Thorastudinm aber wird entweder gar nicht in Anspruch genommen, oder doch erbärmlich schlecht belohnt. Bei einem derartigen Stande der Dinge ist allerdings guter Rath theuer, und da ein solcher nicht erreichbar ist, wird leider oft zu einem schlechten Zustucht genommen. Trotz allen Widerstrebens und trotz der im Laufe der Zeit vielleicht gewonnene Verachtung gegen das Handwerk des Bettelns, wird der Bachur demselben immer wieder in die Arme getrieben, denn Hunger thut weh, und das abgenützte, in Lumpen übergehende Gewand läßt die bitterböse Kälte im Winter unbarmherzig hindurchdringen. Es ist ihm unmöglich bis zu Ende des Semesters zu warten, denn im nächsten Momente schon gebricht eS ihm am Atternothwendigsten; er muß jede Woche in die umliegenden Dörfer hinaus, um sich etwas zu sammeln. Nathlos und betrübten Herzens steht selbst der Rabbiner dem unter seinen Schülern grassirenden Unfnge des Bettelns gegenüber, die Unmöglichkeit einsehend, demselben zu steuern. Er weiß den bedauernswcrthen Geschöpfen nichts zu erwidern, wenn sie ihm auf seine wohlgemeinte Ermahnung, das schmähliche Betteln doch einmal einzustellen, und die Zeit, die eS in Anspruch nimmt, lieber ihren Studien zu widmen, immer wieder ihre in den meisten Fällen berechtigten Klagen vortragen. Er kann unmöglich zu den ihm zu Gebote stehenden strengen Mitteln greifen, denn sein Herz empfindet mit bic tausendfältigen Widerwärtigkeiten, von denen diese Aermsten zu leiden haben, und er weiß, daß sie zum größten Theile unter dem Drucke der auf ihnen lastenden mißlichen Verhültnisse handeln. (Fortsetzung folgt.) Z!!ilNll0nis!j)e MilliMisIjtit. Bon §amson Raphael Hirsch. VIII. Weise und Thoren. (Fortsetzung, siche Nr. 42.) Wie Spiel ists dem Thoren, einen Gedanken auszuführen, Eine Weisheit aber dem Manne von Einsicht. '(10, 23.) Nicht nur zum richtigen Denken, sondern auch zur richtigen Ausführung eines Gedankens gehört Weisheit und Einsicht. Der dünkelhafte Thor überlegt nicht viel zur Ausführung des von ihm einmal Gedachten (ז ס ה wie זמתי Job 17,12.) Ein kluger Mensch hält sein Wissen bei sich, Das Herz des Thoren ruft die Thorheit ans. (12, 23.) Jeder Kluge handelt mit Kenntniß, Ein dünkelhafter Thor legt Unwissenheit an den Tag. (13,16.) Redend oder handelnd bleibt Thorheit nicht verborgen. Ein Kluger weiß aber in der Regel mehr als er zeigt, während ein Thor spricht, schweigt ein Kluger. Nur handelnd bleibt die Ketmtniß des Klugen nicht verborgen, bei dem Kleinsten, was er unterniulmt, zeigt sich, daß er klug sei, während bei Allem, was er thut, der Thor seine Unwissenheit an den Tag legt. &־ Eine überwundene Lust thut der Seele wohl, Der Thoren Abscheu aber ist es, von irgend Schlechten zu lassen. (13,19.) Welch einen wahrhaft wohlthuenden Seclengenuß das Bewußtsein gewährt, eine schlechte Lust unterdrückt, eine schlechte Leidenschaft überwunden, ja auch selbst nur einen Sclbstübcrwindnngsvorsatz hinsichtlich einer nicht unerlaubten Lust glücklich ansgeführt zu haben, davon haben Thoren keine Vorstellung, und ihnen ist der bloße Gedanke, von etwas erreichbarem lustbcfriedigenden Schlechten zu lassen, ein Gräuel. (נהיה im Werden unterdrückt sein, wie ושנתו נהיתה עליו, Daniel 2,1.) * Der Einsichtssähige findet Weisheit wohin er . blickt,

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