Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 44 (1.11.1883)
- Article
- Der Prozeß wegen des Synagogenbrandes in Neustettin
- Date
- 1883-11-01
- Page
- 779 (sequence 3)
- Language
- German
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ich nicht; möglich ist aber, daß ich irgend einem meiner guten Freunde einmal davon erzählt habe. — Ans Befragen StubbeS bemerkt dieser: Ich weiß nicht mehr, von wem ich das erfahren habe. — ^cjjljcim.scn. destreitet die ganze Erzählung; er sei im Winter gar nicht in der Vage, ein Fenster zu öffnen. — Klempnermcister L ascr: Am Tage des Brandes, gegen 11 Uhr Abends, habe ich Leßheim mit dcnt vcrstorbencit Barbier Keller zum Fenster der Lcßhcim'schcn Wohnung heraus schauen gesehen. — Leßhcim bestreitet das. — ES wird noch konstatirt, daß man ans dem Fenster der Leßhcim'- scheu Wohnung den Tentpel wohl nicht sehen tonnte, aber man vermochte doch wahrzunchmcn. sobald der Tempel in Brand stand. ^Fortsetzung folgt.- Korrcspoildcilzeil mtb Nachrichten. Deutschland. -a- Berlin, 28. Oktober. Ein erneutes ״Glück auf" rufen sich die Herren Antisemiteit zu. Ein Tag, in Herrlichkeit und Reinheit strahlcitd, ist ihnen erschienen. Nenstettin rcsp. Köslin hat sic gescheit, die Glorie des edlen Bundes derer von Stöcker, Liebermann :e. Sind unsere ungarischen Freunde, so sagen sie untereinander leise, bei TiSza-Eszlar furchtbar hincingefallcn, und, so sagen sie noch leiser, wir doch schließlich auch mit ihnen, nun — jetzt haben wir, so rufen sic laut, gezeigt, wie man die Jaden nicht nur anklagt, soitdern auch'vernrtheilt — darum, so ן ctyrcicn sie jetzt: Stimmt an mit Hellem hohen Klang, Stimmt an das l'icb der lieber: ״Haut den Inden!" — Und mit wirklich rührendem Eifer eilen sic treu vereint heran, um dem ganzen Werke erst die rechte-Weihe zu verleihen. Die Braven! Gott bewahre, daß sic der AnSgang des Prozesses mit Schadenfreude erfüllt, — obwohl ״sich bei der Art, wie der bekanilte Vorgang in Nenstettin von der semitischliberalen Presse seiner Zeit anSgebentet ivorden ist, die natürliche Empjinbnng hierzu wohl versucht sein könnte" — nein, ״liebet eure Feinde", wird ihnen ja geboten, und nun sollten sic über das Unglück der guten unschuldigen Semitchm trinmphiren? O nein, nur Wohlthaten wollen sie ihnen erweisen — sic ein bischen — nicht todtsehlagen, bewahre! nnS ans Reisen hinaus in die schöne Welt schicken, sie zur Erholung und Ruhe von Arbeit in den Kerker stecken. Deshalb ist der Brand- Prozeß etwas Großes! Wenn aud) bei der Vcrhandlund ntanchcS Menschliche vorgekommen ist — wenn auch bei manchen der dort vorgekommenen Zeugen, die keineswegs den Eindruck sittlich hochstehender Naturen gemacht haben, selbstsüchtige Rücksicht eine größere Nolle gespielt hat, als unerschrockener Bürgcrsinn :c., so — so — bietet doch alles in allem der Gang der Verhandlungen ein Bild, das gegen Nyircgyhaza ivohlthnend abslicht. Ja, du deutsches Reich, du Haft 'Recht, dich der relativen Ucbcrlcgenhcit deiner Zustände zu freuen. In Ungarn wurde ja auch jüdischem Geld dem öffentlichen Ankläger vorgerechnet, das GcrichtSpcrsonal wurde ja zu Parteigängern des blindesten Semitenhasses gestempelt, die Zeugen stellten sich zum Theil als feile Waarc dar — in Preußen aber, lauter und rein wie ein Krystall war alles — auch die Herren Antisemiten! — Deshalb, ihr Inden, habt ihr also lein Recht, euch zu beklagen und das preußische RcchtSverfahren anzngrciscn. Wir wollen abwartcn, ob ihr es thnt, TiSza-Eszlar hat euch verwöhnt! Aber ihr werdet euch dabei bescheiden müssen, daß Nenstettin in Preußen liegt! — So, geehrter Herr Redakteur und wcrthc Leser, so ereifert sich ״Mama" Krcnzzeitnng. — Ja, nicht genug! Herr von Liebermann hat sich sogar bemüßigt gesehen, der Ncnstcttiner Asfairc eine Volksversammlung zu widmen. In seiner Rede bringt er außer zwei grünen Witzen, indem er von den zwei ״Bränden" spricht: dem Ncnstettincr Synagogen.,brande" und der ״brennenden" Indenfrage (an!) — nichts Neues. Er ergeht sich in den ja ״rühmlichst" bekannten antisemitischen. Redensarten, natürlich in Bezug aus die Nenstcttiner Affaire. —Wann werden diese Wackern endlich Ruhe finden von ihrer mühevollen, aber schönen, ״menschenfreundlichen" Aufgabe? Nieder,inka, 28. Oktober. Bezüglich der in mehreren jüdischen Zeitungen, auch im ״Icschnrnn" Nr.40, enthaltenen Notiz über eine dahier vorgekommcnc antisemitische Kundgebung erkläre ich, daß ich nicht der Einsender derselben bin und werde ich seiner Zeit, nach Ablauf dcS gegenwärtig noch schwebenden fraglichen Prozesses, die betr. Vorgänge in dieser Zeitung anssührlich mittijcilen. Gabriel Oppenheim, Lehrer. J.G. Frankfurt a. M., 28.Oktober. Ans S t n t tgart wird als farafteviftifd) rcferirt. daß in der dortigen Hanptgemcindc sich erst eine Majorität bilden mußte, welche für den Wiedergebranch der bisher untersagten ״Talesim" einlrat. Aehnliches kann von der hiesigen Haliptgcmcindc berichtet werden. In der Haupt-Synagogc wurde mit diesem Jahre der dreijährige EyklnS, welcher ca. Jahre bestanden, abgcschafft, und nachdem der erste Theil des Eyklns mit 2' ביא beendet war, am jüngsten SchabboS die ganze;2׳ ::ראשיך, allerdings ohne Beachtung der herkömmlichen נגעה, vorgetragcn. — ES ist immerhin ein ersrelikiches Zeichen unserer Zeit, daß die Haltlosigkeit der seit mehr als .80 Jahren sich geltend gemachten Nenernngsbcstrebnngen endlich erkannt wird, und cS wäre wünschenswcrth, daß diese kleinen Anfänge immer größere Dimensionen annehmen, und unser Gottesdienst endlich wiederum daS ihm von