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Jeschurun · 1883-11-01 · Heft 44 (1.11.1883) · p. 773

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 44 (1.11.1883)
Article
Kollektiv-Berichte aus Ungarn
Date
1883-11-01
Page
773 (sequence 2)
Language
German
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, י rasch sich entfalten, grünen, blühen, reifen und Berühmtheit erlangen. — Es hat sich auch schau manches Seminar-Jüngelchen unter den Strahlen der vorsorglichen tficbc und Zärtlichkeit seiner Führer einen ״guten Namen" erworben. — 80 lesen wir in einem wohl nicht lescnswerthen Blättchen eine weitgehende Pauegyrik, die wir;1:1׳ Karaktcristik hier reproduzier!! wollen. Das Blättchen schreibt: ״Am zweiten Nenjahrstage waren wir Dhrciizengc einer Jungfernrede des sehr begabten Rabbinats-Kandidaten (soll heißen 8 c m i n a r i st e n) I. F., die sich einstimmigen Beifalles erfreute re. re. .so ist jetzt schon derjenigen Gemeinde;11 gratuliren, welche diesen künftigen Seelsorger den ihren;11 nennen das Glück haben wird." So machen die Kongreß-Leithammel für die Seminar-Schäfchen Propaganda! — ׳)Natürlich welken diese ephemeren Berühmtheilen auch rasch dahin, und mit freudiger Genngthunng rcgistriren wir cs, daß unsere N2'^-Jünger mit dem Schlissigen und Fadenscheinigen dieser ״Treibhauspflanzen" nichts gemein haben. — Aber andererseits können wir unser lebhaftes Bedauern nicht unterdrücken, daß die Jcschibah - Jünger jeden Sonnenstrahl der liebenden Vorsorge entbehren müssen. — Die talmndisehe Interpretation des ברוך ה׳ יום ירם wird ihnen zu Fleisch und Blut, ihr י ש״בח - Veden zieht sich so ganz monoton hin, sic wissen nichts von einer wohlthueuden Abwechslung, bekommen nur äußerst selten einen erfrischenden Blick der Liebe, ein ermunterndes Wort der Anerkennung, und den Meisten geht darum jedes erhebende Selbstbewußtsein und die alle besseren Vorsähe und edleren Entschlüsse zeitigende Selbstachtung verloren; und wenn durch das Dickicht des ticssinstern Ernstes dann doch einmal verstohlen, schüchtern ein schwacher Sonnenstrahl der Anhänglichkeit und des Lobes dringt, da wird das ungewohnte Auge geblendet und erzeugt nicht selten hochmüthigc Selbstüberhebung und übermüthige Ambitionen, und gar Mancher ertrinkt im Strudel der Einbildung. Diejenigen, welche alle Klippen glücklich überwunden, den Ernst des Lebens sich bewahrt und das Selbstbewußtsein nicht eiugebüßt haben, die ihre schönsten Jahre opferten unb ihre besten Kräfte daran setzten, um das vorgestecktc Ziel zu erreichen, und nunmehr die Kraft, den Math und die Befähigung in sich verspüren, den erwählten Berns nun auch praktisch ausznüben, diese haben erst recht die saure Schule der kläglichsten Enttäuschungen und bittersten Erfahrungen durchznmachcn. Wo sind die goldenen Tage von Araujuez, da ein gründlich gualifizirtcr Rabbinats-Kandidat hoffen durfte, von der Bank der Schiurslube ans den Rabbinerstuhl sich zu schwingen. O, für die ungarischen בהורים haben diese zu sein ansgchört! — Da hat vor drei 3 Jahren eine Anzahl orthodoxer Rabbiner sich versammelt und n. A. beschlossen, daß man noch unvcrheiratheten Kandidaten keine ,התרת הוראד ertheile. — Es ist nicht zu leugnen, daß cs. bei den: rastlosen Umsichgreifen der Reform im Judcnthnme als heilige Pflicht erscheint לגדור גדר ולעבוד בפרץ, und so war es auch höchst nolhwcndig, die Ertheilnng von Rabbiuatsbcfähiguugszeuguisscu einzuschränken und zu erschweren; aber das muß doch jeder billig Denkende cinschen und zugeben, daß solche Beschlüsse denn doch schon zu überspannt sind. — Man muß wirklich daS Erfindungstalent mancher unserer גדולים anstauncn! Wie gesagt, der Dang, neue גדרים anfzusühren, ist bei den traurigen religiösen Zuständen der Gegenwart nicht nur zu entschuldigen, sondern als Verdienst anzurechnen, aber unter dem Deckmantel dieses Danges werden oft Absurditäten zu Tage gefördert, welche daS Blut ins Wallen bringen und nimmer zu rechtfertigen sind. — Es ist dies ein gar trauriges Kapitel, man könnte darüber ganze Bücher schreiben, ohne es zu erschöpfen, und oft weint im Stillen unsere Seele, wenn wir sehen, wie sehr und wie oft unsere גדולים in Folge ihrer gegeringen Weltkcnntniß und Welterfahrung, ihrer nicht auszumerzenden Voreingenommenheit und Befangenheit fehlen und sündigen. — Doch wir wollen bei dem Gegenstände bleiben. רחיים על צידאדר ist also das erste Postulat zur Erlangung der התרה הוראה von ungarisch-orthodoxen Rabbincu! Wie uns aber die wohl noch junge aber sehr lehrreiche Erfahrung überzeugte, genügen auch das Weib an der Seile und die ההרות in der Tasche nicht immer; wer aus dem schlüpferigen Pfade nicht straucheln und sicher gehen will, der werde eines Rabbiners Eidam!! — Was der geistigen Befähigung abgcht, wird durch die ergiebigste Protektion gedeckt und wett gemacht. Der ehrwürdige Schwiegerpapa setzt alle Debet in Bewegung, um befähigtere und würdigere Rivalen unschädlich .zu machen; gelingt dies nicht, so werden Mittel tmd Wege gesucht, die Rabbincrwahl zu snspendiren, oder was noch häufiger zu sein pflegt, die Gemeinde-Einheit zu t hei len und dann trinmphirend ׳.nit jener edlen historischen Dame zu rufen: גם לי גם לך לא יהיה. Wo aber der Einfluß des Herrn Schwicgerpapa auch hierzu nicht ausreicht, werden einflußreiche גדולים um ihre schzverwicgendc Protektion angegangen, das רהטגות des Eidams in den grellsten Farben gtschildert-- und die גדולים lassen sich gar leicht düpircn und vergessen, daß sie dem Einen wohl, Vielen aber wehe thun. — Wahrlich, cs ist nicht allzu edel, im Bewußtsein der bezwingenden Macht seiner Autorität den Willen einer ganzen Gemeinde zu kaptivircn, ihr freies Wahlrecht nicdcrzuhaltcn, Liebe und Achtung er-

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