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Jeschurun · 1883-11-01 · Heft 44 (1.11.1883) · p. 771

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 44 (1.11.1883)
Article
Wie erziehen wir unsere Kinder?
Date
1883-11-01
Page
771 (sequence 3)
Language
German
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771 feine Löhne, so verschieden auch ihre Begabung und Anlage gewesen, für die eine heilige Aufgabe zu erziehen. (Fortsetzung folgt.) lluprifrfjeö IMP- Md llabbiiirriurfru. Bon S. B. N ose n ha in. Wir wollen nicht dem richtenden Griffel des Geschichtschreibers unserer Generation prüjudizirend vorgreifen. Um so weniger kann hier von einer Präjudizirnng die Rede sein, als es ja an Verblendung grenzen würde, sich glauben zu machen, das; diese bescheidenen Zeilen in irgend welcher 'Weise beeinflussend auf das Urtheil der Geschichte wirken möchten oder könnten; deimtach kann es uns selbst von der heikelsten Skrupulosität nicht als Sunde angerechnet werden, wenn wir hier versuchsweise das Urtheil Vorhersagen wollen, welches der Geschichtschreiber des jüdischen Volkes fällen wird, wenn er die sozialen und kulturellen Verhältnisse desselben in Ungarn kennzeichnend zur Geschichte unserer Tage gelangt. Der wahrhaft würdige Jünger der Teinis 111116 einst, unserer Lermuthung zufolge, also sprechen: Die schönen Träume und Hoffnungen, welche die ungarische Indenheit an die freundlich winkende Zukunft knüpfte, als sie durch die sich ihr öffnenden Pforten der Emanzipation in glücklichere, lichtvollere Gefilde einzog, erwiesen sich schon in den der Emanzipalion nächstfolgenden Dezennien als die optimistischen Kombinationen eines von idealer Freude berauschten Volksgeistes und sanken vor den zu Tage tretenden düstern Erscheinungen der nackten Wirklichkeit mit gelähmter Flugkraft aus den hohen Sphären herab, in welche fic* die hoffende Menschheit versetzt hatte. Die Sonne der Emanzipation, die den Juden aufgegangen war, bewirkte andererseits die raschere und vollere Ent- Wickelung der unter die Nationen gestreuten Keime von Neid, Haß und Aberglauben, so daß diese Dimensionen erreichten, vor denen der vom Gesetze nunmehr gewährleistete Schutz sich als unzulänglich erwies. Die soziale Besserung also, welche durch die Emanzipation in der Lage der Juden einerseits eintrat, wurde andererseits wieder von traurigen und unangenehmen Folgen paralhsirt, wenn nicht gar überwogen, so daß sich das hierdurch entstandene Verhältuiß gleich Null herausstellte. Zn dieser sozialen Kalamität gesellte sich noch bei den ungarischen Juden die wahrscheinlich in Folge der mit der Emanzipation in engem Zusammenhang stehenden neuen Zeitströmung eiugetretene Mißachtung und Auflösnng der kulturellen Einigkeit, welche früher durch das Bindemittel des allgemein empfundenen, rechtgläubig religiösen Bewußtseins vermittelt wurde. Da nun dieses lebhafte religiöse Bewußtsein an gar vielen Stellen entweder dem Jndisfercntismns oder der Reformation-- sticht weichen mußte, so ist es nur logisch, daß auch die kulturelle Einheit nicht mehr gewahrt zu werden vermochte. Hand in Hand aber mit den Ereignissen dieser Periode ging auch eine bedauerliche Entartung des Rabbinerstandes der ungarischen Indenheit, ferner der trostloseste Verfall jenes TheileS der ungarischjüdischen Jugend, ans deren Mitte einst Männer hervorgegangen sind, auf!velche das gesammte Jndenthum mit Stolz und Gennglhunng Hinblicken konnte. Der Verfall und die Vernachlässigung jener Institutionen, in welchen diese Männer, denen auch die Gegner nicht den Zoll der Hochachtung zu versagen vermochten, herangebildet und groß gezogen wurden: der Verfall der ״Jeschiboth." So der Geschichtschreiber. Wir aber wollen uns der schmerzlichen Aufgabe unterziehen, die Zustände unseres Jcschiba- und Rabbinerwesens klar und wahrheitsgetren zu besprechen, damit sich ein jeder Leser selbst die Ueberzengnng verschaffen könne, in wie weit sich unsere oben ausgedrückte Vermuthnng auf bestehende Thatsachen stützt und der logischen Wahrscheinlichkeit nähert. Zum zweiten Mate gehen wir nun schon an die — man glaube uns gewiß, unliebsame — Pflicht, in den Spalten dieses Blattes ein arges Gebrechen unseres vaterländischen Judenthums kennzeichnend, dessen Achillesferse vor den nuerbittlichen Augen der Oeffentlichkeit blos zu legem Wer sollte es nicht glauben wollen, daß wir die Obliegenheit dieser Pflicht schmerzlich empfinden und ihr nur nothgedrnngen und widerstrebend Folge leisten, daß wir freudiger unsere Stimme anstatt der Kritik dem Dienste der rechtlich zulässigen Belobung weihen möchten, daß wir anstatt die krankhaften Zustände unseres religiösen Gemeinwesens herznzählen, dessen Kenntniß uns unbedingt bei der Außen- Welt einen harten aber gerechten Tadel zuziehen muß, viel lieber dessen schöne und nachahmungswürdige Seiten bekannt machten. Ja, bei Gott, das thätcn wir herzlich gerne. Wir besäßen aber in dem Falle, daß wir nichts zu loben fänden, auch die Energie und Ucberwindung mit dem Tadel zurückzuhalten und ihn nicht die Schwelle unserer Lippen übertreten zu lassen, wenn bloS wir allein eS wären, die die Schäden entdeckt haben und cS nur von uns abhüngen würde, ob sie bekannt werden, oder ob sie für immer vom mitleidigen Schleier des Geheimnisses verhüllt bleiben sollen. Doch auch im Falle wir dieses nicht unerhebliche Opfer des Schweigens bringen wollten, hätten wir damit nach dieser Richtung hin nichts erreicht, denn ein allgemeiner Ausruf des Schmerzes, der sich allen vernünftig Denkenden bei uns entringt, kennzeichnet zur Genüge die traurige Ber-

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