Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 43 (25.10.1883)
- Article
- Das Brechen der Judenmacht
- Date
- 1883-10-25
- Page
- 756 (sequence 3)
- Language
- German
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nationale, wirthschaftliche und religiöse Verderben — der Inden Macht muß gebrochen werden. Herr Stöcker ist der deutsche Hamlet, ״Sein oder Nichtsein, das ist die Frage/' das Sein des deutschen Volks ist ihm identisch mit der Befreiung desselben von den jüdischen Banden, die cs gefesselt halten, das Nichtsein ist ihm die Erhaltung des augenblicklichen status quo. 311 diesem hat ja der Jude Geld, Bildung und Presse, Hände! und Grundbesitz — entsetzlich! Die 3nden sind ״die Maulwurfe, welche die grüne Wiese unseres Volkslebens durchwühlcn" — ״es ist mir schrecklich solches zu sehen!" ruft er wehklagend ans. ״Die Juden sind das bitterste, gefährlichste Element der sozialen Frage, sie haben von jeher' revolutionäre Ideen verbreitet/' ״sic führen einen ununterbrochenen Kampf des Mammons gegen den Geist und gegen alle sittlichreligiösen Grundlagen unseres Volkslebens," und ״wir können ohne -Schaden für den christlichen Karakter unseres Volks nicht ertragen,׳'׳' daß ״in der Prima der höheren Schulen ihrer oft gegen 50 Prozent sind." In diesem Geiste ergeht sich die oft von ״unbeschrciblichcm, auhaltendein Beifallssturm verschlungene" Rede des Herrn Hofprcdigers, und es ist wahrlich nicht zu verwundern, wenn eine solche Ansprache die Menge bei hört und wahntrunken macht. Und solche Reden werden nicht nur bei dem besondcrn Anlässe der Stadtvcrordnctcnwahlen in Berlin, sondern jahraus jahrein allwöchentlich gehalten, und Herr Stöcker pilgert auch fortwährend im Reiche!rmher, um an allen Orten das neue Evangeliuin von dem Brechen der Juden macht zu verkünden. Wir wollten hiervon Akt nehmen und dem allmächtigen Lenker der Weltgeschichte danken für den gehodeuen Geist der Wahrheit und des Rechts, 'welcher in der deutschen Nation lebendig sein muß; denn sonst würde die Wirksamkeit des Herrn Stöcker schon längst die Volkswuth gegen die -Inden entfesselt haben. Ein Stöcker wird das Judenthum in Deutschland nicht auszurottcu vermögen. Prof. Rohling in Diöziplinarimtersttchnng. W. Prag, 19. Oktober. Nun beginnt cs dem wackern und gcrcchtigkcitsliebendeu Rohling in dem weiten Oesterreich recht enge, dem Verfechter der Wahrheit in der belebten Metropole Böhmens teuflisch bange zu werden. Seine, aus den Rüstkammern der Verlogenheit geholten, durch die Zeit des Fortschritts etwas sehr stumpf und schartig gewordenen Waffen, welche er durch viele schlaflose Nächte auözuwctzen und umzuschmieden bemüht war, sind trotz seines Amtseides als bübische Machiimlioncn, die für die menschliche Gesellschaft, für den gesammten Staat höchst gefährlich sind, erklärt worden — und diese Schrecken verbreitenden Gespenster des grauen Alterthums inußten wiederum — wie doch der weitblickende Rohling dies vorhcrseheu konnte! — in ihr finsteres Grab hinnntersteigen. Nun weint jetzt der erbarmungswürdige Professor bittere Thräncu in stiller ׳Nacht ob des Schicksals, das ihn so hart getroffen׳, seine besten Geisteskinder gingen in die Verbannung, der herrliche Tempel, den er Jahre lang mühevoll gebaut, ans dessen Altar Menschen geopfert werden sollten, wurde im Nu ein Raub der Hellen Geistcsslamme des Rechts und der Gerechtigkeit unserer hohen Regierung. Nun ja, — wir gestehen eö wohl dem Herrn Professor zu — cs gicbt nichts Schmerzlicheres, als wenn man Einem sein Heiligstes gewaltsam nimmt. Aber, Herr Professor, wie muß eS da einem Volke zu Mnihc -sein, welches für nichts und wieder nichts zu Tode gehetzt, in welchem das Gefühl der Schutzlosigkeit erweckt wird, gegen welches die Leidenschaften der Rohheit, der Scheelsucht, der Willkür durch ruchlose Hände entfesselt werden, dessen Grundsäulen und Pfeiler, das heilige Schriflthnm, welches Licht in der ganzen Welt verbreitete, durch wissciitlichc Verkennung, Verleumdung, Verdächtigung unterwühlt werden?! Sie, Herr Professor, als ״Talmndgelehrter" sollten wohl — schlagen Sie im ״Eichenmengcr" nach; Pardon, das kommt dort nicht vor — den Spruch kennen: ״ ,במדח שאדם סודר מודדי ן לוwie einer wägt, wird ihm gewogen." Nun sehen Sie, dieses wahre Wort hat sich an allen Judenfeinden der Vorzeit bewährt und bewährt sich auch, wie wir den ״Nürodni Listy" und ״Bohömia" entnehmen und hier folgen lassen, an den modernen Antisemiten der Jetztzeit. ״DaS K. K. Unterrichtsministerium hat an Herrn Professor Rohling, gleich nachdein derselbe seine erste antisemitische Schrift veröffentlicht hatte, die Ermahnung gerichtet, in einer derartigen Schreibweise nicht sortzufahren. Da nun Professor Rohling in seiner jüngst in Paderborn erschienenen Vrochüre, welche bekanntlich so wie seine erste Schrift hier konsiSzirt wurde, sich derselben Schreibweise bediente, wie in der srühern, so wurde der akademische Senat der hiesigen deutschen Universität vom Unterrichtsministerium beauftragt, gegen Rohling die Disziplinarnntersnchilng einzuleitcn. Der akademische Senat hat nun in seiner letzten Sitzung zu diesem Zwecke ein aus dem Herrn Negierungsrath Professor Dr. Nnlf, Rcgicrnngsrath Prof. Dr. Peter und Prof. Dr. Ulbrich bestehendes KonütL gewählt,