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Jeschurun · 1883-10-15 · Heft 42 (15.10.1883) · p. 748

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 42 (15.10.1883)
Article
Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
Date
1883-10-15
Page
748 (sequence 8)
Language
German
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748 lov'ltS die Leiche an einem Seile, nach der Behauptung Sinilomc?' und Hcrsko's aber Uuive der LcicheutrouSpoet auf einem ((einen Floße erfolgt. Gegen die Aussoge der Fron Andreas CsercS wider Großbcrg und dessen Frau spricht der Umstand, daß nach ihrer Aussage Frau Leon Großberg an dem Tage, au >ve!chem die Reiche rungelleidek worden sein sollte, schon in der Morgendämmerung von ihrem behuss Uebergabe der Kleider nnlcrnommcnen Wege zurückgekehrt wäre, wogegen der Ausseige Igna; Motcj's;«folge die Uebergabe der Kleider so spat er» folgt wäre, daß er in der Ftnsterniß die Frau nicht mehr;u erkennen vermochte. Uebcrdies ist e$ nicht wahrscheinlich, daß Großbcrg und seine Frau, in deren Interesse es lag, dos Ge׳ heiinniß zu bewahren, vor der genannten Zeugin die in den Aussagen derselben erwähnten Dinge erzählt haben würden, da sic doch davon kenntniß halten, daß diese Zeugin die jüdische Redeweise verstehe. Nach alledem und auch in Anbetracht dessen, daß die Au.!tage ans Mord gegen Salomon Schwarz nnd Genossen nicht bewiesen ist nnd daß demnach von einer Vorschubleistung und Beinäntelnng des Mordes nicht die Nede sein kann und daß die Untersuchung nicht nachgewicsen hat, woher die Reiche beschasst wurde, tnnßten sowohl die geständigen Zankel Smitovieö nnd David Hersko, als auch die sortwährcnd leugnenden und durch die nunmehr zurückgezogene Aussage des Zankel Smilovics überhaupt nicht belastbaren Arnschcl Vogel, Martin Groß nnd Ignaz Klein von der Anklage wegen des Vergehens der Borschnbleistung nnd von deren Folgen sreigesprochcn werden. * * * Nach Verlesung der Motivirnug erklärt sich Staalsamvalt Szetzssert mit dem Ürtheile znsrieden. Der Privaikläger Szalay ersucht um Zustellting des Urthcils, nm die Bcrnsnng nnd deren Begründung einrcichcn zu können. Karl Cölvös ׳. Im iktamcn der Angeklagten spreche ich dent hohen Gerichlshosc für dieses Unheil, welches Angeklagte nnd Vcrlheidigcr akzepti״en. den tiessten Tank ans. Bcrthcidiger Friedmanil: Auch ich bin im Na,neu meiner Klienten mit dem Ürtheile znsrieden und wünsche, daß auch Andere sich mit derselben Achtung vor den, richterlichen Urthcil beugen mögen. Präsident ׳die Angeklagten erheben sich): Habt ihr daS Urthcil verstanden? Die Angeklagten bejahen iin Chorus. Präsident: Sie sind von jeder Anklage nnd deren Folgen sreigesprochcn nnd von dieser Stunde an frei. Sie sind jetzt den' Ihr,gen und der Gesellschaft wiedergegeben. Ich ermahne Sie, daß Sie, an Ihren häuslichen Herd und zu Ihren christlichen Mitbürgern znrücklchreud, ruhige Zujricdcnhe'n und Bescheidenhcit ririluehuieu nnd sich auch vor aller etlvaigen lieber- Hebung und herausfordernde!!, Benehnicn hüten, rvelcheS zur Verbitterung der erregten Gcnu'uher und Störung der Gintracht führen könnte. Die anSgcsiandcncn Vexalioucu nnd i'eidcn müssen Sie als die Folgen von gegen Sir zusainmcntreffenden Umständcn betrachten. Fügen Sie sich in Ihr Schicksal, das oft so unbarmherzig den Mensche!, trifft und dem oft selbst der Gerechteste nnd der Anständigste nicht auswcichen kann. Liese Belehrung wollte ich Ihnen mit auf den Weg geben, nnd ich erkläre gleichzeilig, daß, obgleich Scharf, Bnxbau!״, lustig. Groß nnd Klein hier vor den! Gerichtshöfe öfter die schuldige Achtung verlebten, ich gegen dieselben mein Disziplinar-Ikecht nicht anwende. Joseph Schars: Wir danken ergebenst. GötvöS: Bevor Herr Präsident die Verhandlung für geschlossen erklären, erlauben Sie mir, wiederholt meinem tiefen Danke, den ich schon früher im Namen der Angeklagten auszusprechen die Ehre hatte, Ausdruck zu geben, indem ich hinzufüge, daß die hohe Weisheit, die strenge Wahrheitsliebe beS. hohen Gerichtshofes eine solche und nur eine solche Lösung dieses durch das Zusammentreffen der wunderbarsten Zufälle an den Tag getretenen Prozesses erwarten ließ. Wir, die Mitglicdcr der Verlheidigung und Vertreter dieser Angeklagten, erklären als Juristen soruohl >vie auch als Patrioten, die eifersüchtig den guten Ruf unserer Judikatur stets im Auge behalten, daß wir einen solchen Richterspruch von diesem Gerichts- Hose erwartet haben, wie dies auch nicht anders kommen konnte. Das Resultat konnte lein anderes sein, als waS dem Gesetze nnd der Gerechtigkeit c,:tspricht: die Bestrafung der Schuldigen, ,venu sie schuldig sind, deren Zurückgabe an die Gesellschaft aber nnd an ihre Familien, wenn sich ihre Unschuld heranöstellt. Daß cs so geschehen werde, haben ,vir erwartet. Cs konnte auch nicht anders sein. Wir danken dies vor Allein dem Eifer, der Weisheit und der Gerechtigkeitsliebe dcS hohen Gerichts- Hofes. Der Präsident schließt hierauf nm 1 Uhr die Verhandlung. Korrcsptüldcuzcu und Nachrichten. Deutschland. Hniurovcr, 10. Oftobcr. Der hiesige Stiftsgelehrte Herr Sinai Schiffer ist non der israelitischeu Neligionsgcsellschaft in Karlsruhe zu ihrem Rabbiner einstimmig berufen worden, nachdem derselbe am ר״ה daselbst mit ungetheiltem Beifall gepredigt hatte. — Als Berichtigung eines Druckfehlers in dem Berichte über die hiesige Landrabbinerwaht bemerken wir, daß Herr Dr. Groncmann 40 Stimmen lind Herr Dr. Wcdell 5 Stimmen erhielt. AV. Altona, 9. Oktober. Eine leider traurige Beranlassltng drückt mir die Feder in die Hand, Ihnen nach langer Unterbrechung wieder einmal Nachricht von hier zu geben. Am Sonntag, den 0. Tischri ist die hochverehrte Frau Ettlinger, die Gattin unseres beimgegangenen berühmten Rabbi Jakob Ettlinger, *?"׳צ, ans dem hienicdigen Leben geschieden. Sie war die Zierde unserer Gemeinde, das Vorbild und Muster einer wahren jüdischen אשת היל. Ihr Wirken während ihres siebcnzigjährigen Erdcnwalles war eine ununtcrbrochenc Kette von מצות גמילות הסריס. Die Armen, die Leidenden verlieren in ihr ihre Mutter, die hiesige Gemeinde ihre schönste Zier. Ihr heutiges Leichenbcgängnis; legte Zeugniß davon ab, was sie uns war, was wir in ihr verloren. Bon Nah und Fern war Jung und Alt herbcigeströmt, der thcnrcn Dahingeschiedcllcn das letzte Geleit zu geben. Nachdem der imposante Lcichenzng den Friedhof erreicht, sprach zunächst unser Rabbiner Herr Dr. Löb in einer ergreifenden Rede von der Verblichenen Wirken in HanS nnd Gemeinde, woraus mehrere Schwiegersöhne dem Schmerz und der Trauer um die Entschlafene Ausdruck verliehen. - Möge das זבזת der Verstorbenen unö zum Segen gereichen! תגצבח.

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