Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1883)
- Article
- Des Suckothfestes Angebinde
- Date
- 1883-10-15
- Page
- 735 (sequence 3)
- Language
- German
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Schirm und Schutz iu Gott, Frieden und Freude durch Gott — das ist das Angebinde, welches das Fest uns reichen ,will; möge cs dazu bei uns einzieheu לחיים ולשלום לשמחה ולששון. iliulj Ueila. Als ich am Iom-Kippur-Abcud im Kreise der Genossen im Anblick des ntildcn Blondstrahls das herrliche liebet sprach, mit welchem wir die Erneuerung des Mondes begrüßen, da empfand ich so recht die tiefe Wahrheit des Ausspruchs unserer Weisen, daß die Erfüllung eines göttlichen Gebots die Kraft der Seele stärkt und hebt und uns die Vollziehung der einen Mizwa zrun freudigen Neben der andern begeistert, so daß wir מהיל אל חיל stets ״von Kraft zu Kraft schreiten", immer, näher uns zu Gott cmporringcn, in nimmer ermüdendem Fortschreiten uns befinden, wenn wir uns zu Denen zählen dürfen, deren Seele kein höheres, innigeres und sehnsüchtigeres Verlangen kennt, als sich stets im Umkreise des Hciligthums zu wissen, als überall, wo auch immer sie weilen, sich im Gottes- Hanse zu befinden und ihr ganzes Leben zu einem ריה ניהה, zu einem Willfahrungsauodruckc Gott gegenüber zu gestalten. Vierundzwanzig Stunden halten wir fastend verlebt, vom frühen Morgen bis zum sinkenden Tag hatten wir im Gebete ansgeharrt, und doch wollten wir nicht in unsere Wohnungen zurückkehren, bevor wir nach Beendigung des Gottesdienstes die Mizwa des קידוש הלבנה geübt. So standen wir Alle, Greise, Männer und Knaben, im Hofe der Synagoge und wendeten uns auf's Neue zu Gott, dessen Schöpferwort die Himmelssphären ihr Entstehen verdanken, der den Wetten die Ordnung gesetzt, innerhalb deren sic nnwandelbar kreisen, so daß sie alle auf dem Posten sich befinden, den Er ihnen angewiesen, als Seine Diener, als Vollstrecker Seines heiligen Willens. War das nicht ein Ton aus jenem Hymnus, der heute von dem gesummten Israel, wo auch immer einer seiner versprengten Söhne sich befand, ob diesseits oder jenseits des Atlantischen und Mittelländischen Meeres, angestinnnt worden? In wie vieler Menschen Seelen hatte sich heute in viermaliger Wiederholung die Ztlversicht frcitdig befestigt, daß 'ותמלוך אהה ד לבדך על כל מעשיך, daß Gott nicht nur im außermenschlichen Weltenraumc, im Reiche der Natur, daß Ihm auch im Kreise der Menschen, den einzigen Wesen Seiner Schöpfung, denen die gottähulichc Freiheit des Entschlusses und des Handelns verliehen, die Huldigung dargebracht werde, und Alle, Alle sich als Diener Gottes begreifen werden, um, wetteifernd mit den! Sphären, שש , ׳שמחים לעשות רצון קונם im wonnigen! Hochgefühl frei cinzutretcn in den Oienst ihres Herrn ׳ und Königs, ihres Meisters und Schöpfers, gehorsam Seinem Willen, votlführcnd Sein Gebot. . Millionen Sterblicher hatten heute das Bekenntniß abgelegt אץ לנו מלך אלא אתה, wir kennen keinen andern Herrn und König, als Dich, Du unser Vater, Du unser Herr, Dir allein weihen wir uns mit allen unseren Kräften, mit jeder Regung unseres Herzens, mit jedem Pulsschlagc, in jedem Athcmzuge. lind cs waren schwache, schlsame Menschen, die also heute ihrem Schöpfer cutgegcnjauchzteu. Sic hatten sich von Ihm entfernt, waren Seiner Nähe entrückt worden in den Tagen der Vergangenheit, sie hatten nicht inne gehalten die Bahn, welche Er ihnen gewiesen, und sic hatten eiugebüßt die lichte Reinheit, welche die ׳Nähe Gottes ihnen verleiht. Aber sie waren heute zn Ihm zurückgckchrt, zu Ihm, der ihres Wesens Sonne, zu Ihm, dem Urquell ihres Lichts. Sie hatten die trostlose Oede und die schaurige Finsteruiß eines Daseins gekostet, welches sich nicht unter Seincut Strahle vollzieht, aber sic waren heute wieder mit Ihm'vereint, hatten sich mit Ihm heute auf's Reue verbunden, und das Scligkeitsbewußtscin dieser munttcn Vereinigung inachte ihnen die Erde zu einem Eden, in welchem sie im strahlenden Schmucke des Gottcsgcistes als dessen Träger fortan zn wandeln sich gelobt. וללבנה אמד וכוי. Wie Er bcnt Monde die Bestimmuug ertheilt, nicht im eigenen Lichte zu glänzen,׳ sondern, von der Sonne empfangend, seinen milden Schein in die dunkle Nacht hiuanszusenden, also sollte Israel, das nur von der Vatcrliebe seines Schöpfers getragen, das von Gott empfangene Licht durch das Dunkel der Zeiten strahlen lassen, Trost allen Gedrückten und Bedrängten, Helle allen Irrenden und Fehlenden spendend, dic Erdwelt vorbereiten und empfanglich machen für das Licht, das jener große Morgen bringen wird, an welchem alle nächtigen Nebel gewichen, uub in ursprünglicher Krast und in Ursprunglicher Vollendung und Vollkommenheit die wiederum zum Paradies gewordene Erde das volle Licht zu empfangen fähig und würdig ist. Wie durch alle Wandlungen der Mond stets die Konjunktion mir der Sonne findet, so trifft Israel stets wieder mit seiner Sonne zusammen, und so wird auch endlich die gesammtc Menschheit einst mit ihrem Schöpfer sich wieder zusammen finden, um nimmer aus seiner ׳Nähe zu weichen. Wir hatten ja eben den Ruf vernommen, welcher mahnend und tröstend, erhebend und erlösend durch die Menschheit schallt תנו בני על לבבכם תשובת מלככם שובו אלי ואשובה אליכם. Euer Herr und König ist euer Vater, voll Huld und Liebe, kehret zu