Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1883-10-10 · Heft 41 (10.10.1883) · p. 720

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 41 (10.10.1883)
Article
Aus der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts
Date
1883-10-10
Page
720 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2932754-2932996-2933037-2954424--13746-2954469
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

720 ״C, wie kann ich Ihnen danken!" rief Mirjam mit übernrömenden ״aber ich darf Ihr so überau? freundliche? Anerbieten nicht annehmen — wenigsten? gegenwärtig nicht. Tie alte 3eiMeri11 ist schwer erfranft, und ne ist so sehr an mich geivöhnt — ich fürchte, sie wird schon jetzt meine Abwesenheit schmerchich empfinden. — Wäre e? nicht wegen de? Peßachsene? unerläßlich. ich hätte mich nimmer entschlossen, sie auch nur für wenige Tage zu verlassen." Jt 01)11 schüttelte mistbilligend da? Haupt. ״(int־ schuldigen Tie, liebe? Nind, aber ich sollte meinen, wenn'? nicht von wegen Ihrer eigenen Tick-erheit sein nuiL, so sollten Tie nicht beständig unter 1(ד iei)tiubcii verweilen ״ ״Wie? Tie glauben, weil ich ihres Tchntze? nicht mehr bedarf, sollte ich nun die blinde kranke Iran verlassen, die sich wie eine Mutter meiner äugenomineu hat, al? ich ganz verlassen war? — Umnöglich! da? kann Ihr (irnst nicht sein." ״Mirjam hat recht," stimmte Nahet bei, ״so gerne wir sie gleich hier behalten würden, so lange die Pflicht der Tankbarkeit sie;11 der Nr an len ruft, dürfen wir nicht daraus dringen: aber sobald die brave Iran gesund in, Mirjam, dann —" ״Ich weih auch dann nicht, ob ich sie verlassen darf," siel Mirjam ein, ״schwach und blind ist sie ja immer, und sie hängt an mir, al? ob ich ihre Tochter wäre — ich weis; e? wirklich nicht — wa? meinst Tn, Nahet?" ״Ich meine, das; morgen tirew P eh ach ist, und wenn wir noch eine Weile hier beisammen sitzen, so können wir da?-Znbeltegehen sparen: man wird gleich zu Tchacharih klopfen, lieber Iomtow bleibst Du doch sicher hier und da haben wir doch Zeit genug, alle? in Erwägung;11 ziehen. Einstweilen gute )sacht, Dn herzige? Aind! schlaf' wohl und lass' Dir wa? Gute? träumen." Tie umarmte die Freundin; auch Nohn wünschte dem jungen Mädchen recht ivohl zu schlafen und Beide verliehen da? Zimmer. ״Mir ist'? gar nicht mir," sprach Nohn, indem er die Thür ihre? eigenen Zimmer? öffnete, ״mir ist'? gar mdit mit, dah die Mirjam jetzt, wo sie doch gar nicht? mehr zu fürchten hätte, daß sie gleich nach Iomtow wieder fort soll." Nahet zuckte die Achseln. ״Ich möchte ihr doch nicht znreden, hier zu bleiben, wo die Iran, die sich ihrer angenommen hat, so schwer darnieder liegt. Denn arg muß c? mit der Alten sein, sonst hätte der Teidler nicht so geeilt, und gar, daß er sich Borspami bestellt ha! — daß ״;ui ein Bauer nur, wenn cö wirtlich gejährlich ist." ״Wenn Dn sagst, daß sie wieder hinan? muß, so muß sie wieder hinan?, da? versteht sich. — Aber gerade wegen Dir hält' ich gemeint, c? war' gut, wenn sie bleiben möcht'." ״Ireilich, jetzt wäre mir ihre Anwesenheit doppelt angenehm gewesen — doch der kranken Iran ist sie nolhwendiger al? mir, und Mirjam hat recht, sie ist ihr Tank schuldig und während ihrer Krankheit darf sie sie sicher nicht verlassen." Aber Nohn, ivenn er einmal einen Plan entworfen halte, hing mit einer gewissen Zähigkeit daran; seine Iran kannte ihn und wußte daher im vorhinein, daß sie noch Manche? darüber werden hören müssen. ״Nahelleben, mein Kind, hör' an, wa? ich mir da in der (Geschwindigkeit Hab' ausgedacht. Vorhin, al? sie gekommen ist und ich sie da vor mir gesehen Hab', so frisch und so groß und so schön und so ganz ander? al? voran Jahr — da Hab' ich gleich zu mir selber gesagt: die kommt mir nicht mehr hinan? aus'? Torf, die wird keine Teele hier erkennen. Und gleich nach dem Iomtowim fangt sie an zu nähen und näht sich ihre Hanosrencr und wir geben ihr 'ne hübsche Nedan, und mein Tchivestersohn, der Tchmul, ist ein feiner Bocher. — Na Hel, mein Kind, wa? sagst Du dazu?" ״Taß Du mein guter, hcrzlieber Mann bist," entgegnete Nahet, die von den Anstrengungen de? Tage? ermüdet ihr Vager bereit? ausgesucht hatte, ״wenn e? Gotte? Wille ist, kann e? ja doch noch so werden, wie Du e? möchtest, aber für heute gute Nacht!" Früh am Morgen war Nahe! jedoch schon wieder frisch, Mirjam aber, die in jüngster Zeit den größten Theil so mancher Nacht am Tchinerzenslager der alten Teidler verbracht hatte, schlumnierte, bi? Nahel, wie im vergangenen Jahre, mit dem Frühstück vor ihr Bette trat und sie weckte. Da war sie freilich auch gleich munter, und die Freundinnen plauderten und frühstückten und verrichteten dann gemeinschaftlich die Hän?liche Arbeit zu den herannahenden Festtagen. Doch die Vorhänge waren nicht geschlossen; Mirjam bewegte sich frei in den lichten Nünmen de? freundlichen Hanse?. Tenn schon am frühen Morgen hatte Nahel e? einigen ׳Nachbarinnen mitgetheilt, daß sie gestern spät am Abend durch den Besuch einer fernen Berwandtcn erfreut worden wären, welche die Feiertage bei ihnen zubringen werde. Um den Namen ihrer Verwandten befragt, hatte sie dieselbe Marie Gntmann genannt; an den Namen Marie war Mirjam längst gewöhnt und .Gntmann war der Mädchenname ihrer verstorbenen Mutter. (Fortsetzung folgt.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.