Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 40 (4.10.1883)
- Article
- Teschuwah
- Date
- 1883-10-04
- Page
- 695 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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695 seinen Fehler ablegt, ihn aus seinen Gedanken bannt und den festen Entschluß faßt, nicht wieder in denselben zu verfallen, — wer aber nur mit Worleu seine Sünden sich bekennt, ohne den festen Entschluß zu fassen, sie nicht wieder zu begehen, der gleicht Demjenigen, welcher ein ReinigungSbad nimmt, aber den seine Unreinheit veranlassenden Gegenstand in der Hand behält." (MaimonideS Hilchoth Tcschuwah.) ״ .שונה ישראל עד ד׳ אלדיךKehre zurück zu Gott, deinem Gotte!" ruft darum das Prophetenwort, welches in der Teschuwah-Woche uns die Weisheit unserer großen Lehrer vor die Seele führt. Zu Gott, der in barmherziger, unerschöpflicher Liebe und Güte seine Menschcuwelt erziehend, über uns waltet und keines Wesens Untergang will, trotz aller Fehler und Jrrthümer, denen er verfallen, zu Ihm, der uns seinen Willen gcosfenbart und Jeglichen schaut und kennt. Zu Ihm, dem Allbarmherzigen, Allgütigcn, Allgcrechten zurückkehren, heißt aber nichts anderes, als Seinen Gesetzen gehorchen, Seine Gebote vollführcn. So wollen wir denn durch den Schofarruf uns zu solcher Tcschuwah geweckt sehen und in Wahrheit und Aufrichtigkeit zu Ihm zurückkehren, wollen aus unserer Mitte bannen jede טמאה, jede unserer heiligen Bestinttnung unwürdige Regung unseres Herzens, jeden Eigendünkel und Stolz, jeden Leichtsinn und Haß, jede Habgier-uud unlautere Gesinnung, jeden Klcinmnth und nieder« Gedanken, wollen uns zu der Höhe des gottdienenden Bewußtseins emporschmingen, in welchem wir kein anderes Streben kennen, als Gott zu gehorchen in unserem ganzen schassenden und genießenden Leben; — wollen uns entschließen, jeden Fehler und jede Schwäche zu meiden und Seiner Gebote eingedenk zu sein im Handel und Wandel, daß kein unheiliger Erwerb unsere Hand schände, daß kein am Sabbath geübtes Werk unsere Thätigkeit zu einer Gott mißfälligen entweihe, — wollen Seinem Gesetze uns unter- Wersen in Speise und Trank, in unserer Ehe und Kindererziehung, im Verkehre mit unseren Mitmenschen, in dem 9cbm unserer Gemeinde, in unserem Verhalten gegen die Gesellschaft und den Staat — auf daß wir in allen unseren Beziehungen rein und makellos vor Ihm dastehen und Er in Seiner Gnade und Vater- Huld uns Verzeihung gewähre für die Vergangenheit und uns von Neuem die verlorene Reinheit verleihe, die Empfänglichkeit für alles Wahre und Gute, die Kraft zur Sittlichkeit, die Fähigkeit zu einem reinen Gott wohlgefälligen Wandel. Wenn wir also die Tcschuwah - Tage zur vollständigen Rückkehr zu Ihm benutzt, dann wird der zehnte Tischri zu einem יום הכפורים für uns in Wahrheit werden, zu einem ״Tage der Sühnungen" für alle unsere Fehler und Versündigungen כי ביום הזה יכפר עליכם לטהר אתכם מכל הטאתיבם לפני ד׳ תטהרו ״Denn an diesem Tage soll er Sühne über euch bringen, euch zu reinigen, — von allen euren Verirrungen, sollt vor Gott ihr rein werden." S־al01!1onif(ijc Zimchllkisheit. Von Samson Naphacl Hirsch. VIII. Weise »md Thoren. (Fortsetzung.) Wenn aber der zum eigenen Urtheil Befähigte die rechte Weisheit besitzt, so wird er dem eigenen Urtheil nicht zu viel und nicht zu rasch Zutrauen. Er wird immer fürchten, in Erkenntniß des Rechlcn und in der Wahl des Nichtigen sich irren zu können, während dünkelhafter Thor sich überschreitet, die Grenze nicht kennt oder nicht beachtet, die seiner Einsicht gezogen ist, immer von Zuversicht und an die Möglichkeit des Irrens nicht denkt. Aber auch dies ist nach beiden Seiten hin zu beschränken. Der קצר אפים (— eigentlich: kurz, rasch, im Streben, Verlangen ist, siehe Pcnt. 2. B. M. 6, 9., nicht lange überlegt, daher auch der Ungeduldige —), wer zu wenig überlegt, kommt dazu Unverständiges zu üben, und איש סזטות, und ei:׳. Mensch, der gar nicht mit Ueberlcgungcn fertig wird, vor lauter lieberlegung sich zu Nichts entschließen kann, der kommt nicht nur für sich zu Nichts, der ist auch für Andere untauglich. Man meidet bei jedem Unternehmen die Gemeinschaft mit ihm, weil er mit seiner zu großen Bedenklichkeit nur hinderlich ist. Die Summe des Ganzen lautet: פתאים ohne Erfahrung und ohne Belehrung bleibt Unverstand der Menschen ewiges Erbtheil, kommen sie aus der Thorheit nicht heraus. Die aber mit Geistesklarheit. דעת, die rechte Erkenntniß und Kenntniß verbinden, die haben einen solchen Erfolg, daß durch sie דעת zur krönenden Anerkennung gelangt, die Menschen der rechten Geisteserkenntniß unter allen Errungenschaften die Krone reichen. ־#- Der Inbegriff aller Weisheit hat ihr HauS gebaut, Hat ihre sieben Säulen ausgcarbeitet, Hat ihr Mahl bereitet, ihren Wein gemischt, Auch ihren Tisch geordnet, Hat ihre Dienerinnen ausgcsandt, durch die sie ruft. Auf die Gipfel der Anhöhen der Stadt: Wer unbclehrt ist, komme hierher, Wem das rechte Herz fehlt, dem redet sie zu, Kommt, esset mein Brod, Und trinket den Wein, den ich gemischt habe. Verlasset Unwissende, damit ihr Leben gewinnet. Und schreitet zum Heile auf dem Wege der Einsicht. (9,1—6.)