Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 39 (27.9.1883)
- Article
- Aus der ersten Hälfte unseres Jahrhundert
- Date
- 1883-09-27
- Page
- 680 (sequence 3)
- Language
- German
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680 warm so groß und so süß. Aber aus einmal habe ich gehört, wie der Baron laut gesprochen hat. Sie wissen, hat er gesagt wie ich cs mit der Kirche meine, denn sic wissen, was ich's mich habe kosten lassen, daß der Arendator sich und seine Kinder hat taufen lassen. Der Ehrmaun und der Kleine, na, es sind Christen, wie cs solche viele Tausende giebt. Aber der da drinnen, der ist von ganz andcr'nr Schrot und Korn; zu was sic den zwingen wollen, von dem wird er das gerade Gcgentheil thun. Und darum, ich habe ihnen das schon einmal gesagt und sage cs ihnen noch einmal, bei dem Burschen dulde ich keinen Zwang. Ich habe cs mir nun einmal in den Kops gesetzt, es soll 'was Rechtes aus ihm werden; wenn sie ihn aber zu dem Rechten zwingen wollen, so wird er gerade das Unrechte. Und dann hat der Kaplan gesprochen, das habe ich aber nicht verstanden und was der Baron dann gesagt hat, das habe ich auch nicht ordentlich hören können, aber zuletzt habe ich den Baron wieder gut verstanden, Haben sie nur Geduld, hat er gesagt, warten sie ruhig, bis die Erinnerung an die verstorbene Mutter verblaßt ist, bis er ihre vertrackten Lehren vergessen haben wird, daun wird's schon anders mit ihm werden. Aber nur keine Drohungen und keinen Zwang, das verbitte ich mir ernstlich." Lcah hatte mit gespauntcnl Interesse den Worten des Knaben gelauscht und bange, schwere Seufzer entrangelt sich ihrer Brust. Sic hatten den Friedhof erreicht und traten ein. Ein einfach weißer Stein mit dem Namen Derjenigen, deren Hülle unter demselben ruhte, zeigte ihnen das Grab, das sic suchten. Lcah zog ihr Gebetbuch hervor und leise, als fürchteten sic, die hier Schlummernde zu stören, traten sie näher. ״Kobi," sprach sie, indem sic das geöffnete Buch dem Knaben vorhielt. ״Du kannst doch auch deutsch lesen, alsdann lies zuerst dieses Gebet hier taut aus deutsch und dann wollen wir cS mitsammen hebräisch beten." Jakob entsprach ihrer Aufforderung, und voll Andacht verrichteten Beide das übliche Gebet Sie hatten cs längst beendet, aber cs war, als könnte die alte Lcah sich nicht trennen von der letzten Ruhestätte Derjenigen, die sie so treu geliebt lind nun so iunig, so aufrichtig betrauerte — thränenumflorten Auges blickte sie auf den Knaben und dessen Zukunft. ״Laß' uns heim gehen," sprach sic endlich, ״cs wird dunkel," mld schweigend, Hand in Hand, schickten sie sich an, den Friedhof zu verlassen. Am Eingang blieben sie nochmals stehen, warfen nochmals einen Blick zurück auf das lhcure Grab. ״Kobi," sprach die Alte mit schmerzlichen: Seufzer, ״mein armes, armes Kind! — morgen geht die alte Lcah weg und dann ist keiner, keiner mehr da, der 's gut mit Dir meint. — Bis jetzt Hab' ich immer gemeint der Baron — aber nach dem, was Du mir jetzt erzählt hast, sehe ich, er ist wohl gut zu Dir, aber verführen will er Dich doch — mein armes, armes Kilid! — wirst Du nur brav bleiben'?" ^Forts, folgt.) An Israel. Orkane brausen rings und blitzcsschwanger Hangt über dir, Israel, Wolkennacht; Gar mancher Donner durch die Lüste kracht Und mancher Mövenschrci ertönet bang und banger. Jil ׳?!acht und Nebel tauchst du deinen Scheitel, Der Wind zerzaust dein flatternd Lockenhaar, Hohukrächzend schreiet eine Nabeuschaar: ״Hin ist dein Glanz, wie war er doch so eitel! Hörst du den Sturn: in die Posaunen stoßen'? Das, das, Israel, ist dein Grabeschor! Den Himmel hüllt der Wolken Trauerflor, Sieh, deinen Untergang hat selbst dein Gott beschlossen. Wie Schlangen der Medusen Stirn, umwinden Des Himmels Blitze hell dein alternd Haupt, Schon mancher hat dir manchen Ast geraubt, Bald muß der Stamm, vom Strahl getroffen, schwinden." Da rollt herbei vom Ast ein donnernd Grollen, Erschreckt hinweggescheucht zerstiebt die Nabenbrut, Und eines überird'schen Lichtes Fluth Erhellt der Wolken Schoos;, dem Gottessitz entquollen: ״Wer darf, so übertönet eine Stimme Des Donners Macht, wer darf cs wagen hier In Gottes majestätischem Revier Mit frecher Red' zu trotzen seinem Grimme'?! Nicht Raben, die nach todtem Fräße streben. Beschwören Gottes Strafgericht herauf, Nicht ihrem Zwecke dient des Blitzes Laus, Sie lesen nicht im Rath den Gottes Hände weben — Ein Hauch von mir, und das Gezücht versinket Jus eitle Nichts, dem es entstiegen ist, Er kehrt dahin nach kurzer Lebeusfrist Zurück, von סטו ihm kein Erstehen winket. Doch dir, mein Volk, ist Ewigkeit verheißen, Du wirst besteh':: trotz Drang und schwerer Noth; Färbt auch der Himmel sich unheilvoll roth, Du wankst, du stürzest nicht, wem: alle Bande reißen. Und starrt auf dir der Himincl finster nieder Und drohet dir mit Blitzen manche Wolk', Dam: o erinnere dich, verirrtes Volk, An Horeb'S ew'ge Flammenworte wieder!" S. B. Nosenhain.