Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 38 (20.9.1883)
- Article
- Zur russischen Judenfrage
- Date
- 1883-09-20
- Page
- 655 (sequence 3)
- Language
- German
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ungezügeltsten Entfachnng schlechter Leidenschaften, vor der offenen Predigt der Mißhandlung und Austreibung der Juden.Mit einem Wort, eS ist nichts ge-- schehcn zur Reinigung der schweren Atmosphäre der Gesetzlosigkeiten, Gewaltthaten, Vcrlänmdung und Insinuation, Verfolgungen und Hetze und alles dessen, was bisher das Leben der Hebräer unerträglich macht und bisher Unordnungen hervorgerufen hat und in Zukunft hervorzurufcn droht." .... Auf die Beschlußfassung der Kommission für Regelung der jüdischen Angelegenheiten setzen wir, setzen alle Menschenfreunde, setzt jeder wahre russische Patriot seine Hoffnung. Möge der Geist der Gerechtigkeit, der Wahrheit, der Weisheit und Milde ihre Bcrathnngen lenken, auf daß sie dem erhabenen Monarchen, der sie des hohen Vertrauens gewürdigt, ihm gewissenhaft und weise den rechten Weg zu zeigen, auf welchem das Heil in dieser wichtigen Sache zu erreichen ist, das Heil von vier Millionen loyaler, treuer, gesitteter, sriedfertiger Unterthanen, das wahre Heil Rußlands, solche Vorschläge zur Genehmigung unterbreitet, welche aus Gerechtigkeit, Wahrheit, Weisheit und Milde beruhen. Mögen die so ausgezeichneten Männer dieser Kommission stets eingedenk sein, daß für ihre Beschlüsse ein gerechter Gott Rechenschaft fordert, der nur Wohlgefallen hat an Wahrheit, Weisheit und Milde, daß noch die spätesten Enkel ihr Andenken segnen oder verwünschen werden, je nachdem sie zum Segen oder zum Unheil ihren Kaiser bcrathen. Der Weg zmn Segen weist aber auf Folgendes hin: völlige Gleichberechtigung der Juden, deren völliges Freizügigkeitörccht in allen Theilen Rußlands, Aushebung aller und jeder gegen die Juden erlassenen Ausnahmegesetze und Beschränkungen, wirksamen Schutz gegen alle Feindseligkeiten. Den Juden Rußlands wird es aber alsdann obliegen, unter gewissenhaftester Bewahrung der Väterlichen Religion in Wissenschaft und Uebnng, sich die ihnen noch jetzt thcilwcise fehlende national-russische Sprache und Bildung anzueignen. SglömoMe S'f1nu!jiud3!)eit. Von Tamson Raphael Hirsch. VIII. Weise und Thoren. (Fortsetzung.) Statt über Gott zu zürnen, wenn cS uns nicht nach Wunsch ergeht, sollten wir vielmehr nach dem Ausdruck der Weisen מפשפשי׳ במעשינו sein, sollten unfern Wandel und unsere Lebensweise prüfen, sollten uns fragen, ob wir denn auch auf dem geraden Wege geblieben, und zwar vor Gott uns fragen und an dem unö mit seinem Gesetze gegebenen Maßstab unsere Wege messen, denn Jeder Weg, den ein Mensch wandelt, ist in seinen Augen gerade, Aber der Werthbestinuner der Herzen ist Gott. (2k, 2.) Jeden Weg, den ein Mensch geht, hält er für gerade, er glaubt auf ihm zu dem beabsichtigten Ziele zu gelangen, sonst würde er ja den Weg nicht gehen. Ob aber dieses Ziel das rechte ist, ob dieses Ziel nicht selbst vielleicht außer der von Gott vorgcschricbcnen Richtung liegt, der ihm gerade scheinende Weg daher doch vielleicht ein krmmncr, von dem einzig heilbringenden geradcn ablcitender Abweg ist, auf welchen ihn ein Unrechtes Wollen seines Herzens geführt, daö hat er vor Gott, nach dem Urtheil Seines Wortes zu prüfen; denn Gott entscheidet zwischen Her; und Herz, zwischen dem Herzen, das seinen Willen in den Willen Gottes ausgchen läßt, und dem Herzen, das Gottes Willen dem eigenwilligen Wollen untcrordnet. Und spricht er sich nach vollzogener Prüfung frei, so traue er nicht ohne Weiteres seiner Einsicht, sondern suche sich Rath und Belehrung bei Einsichtsvolleren, denn Des Unweiscn Weg ist gerade in seinen Augen, Wer aber auf Rath hiuhört ist weise. (12. 15.) # Darum ergeht an alle sich der Belehrung bedürftig Wissende der Ruf: Verlasset Unwissende damit ihr Leben gewinnt, Und schreitet zum Heile auf bent Wege der Einsicht! (9, 6.) Verlasset die Gemeinschaft mit Unwissenden, die gleich euch in Unkenntniß des rechten Weges wandeln, nicht in der Unwissenheit, im Wissen, in der rechten, klaren Erkcnntniß liegt, das Leben, und gewinnt den Muth, mit ernster Entschiedenheit den Weg der Einsicht zu beschreiten, der allein zmn Heile führt. Und lasset euch durch die stolze Zitversicht Gesetzloser nicht irre machen, Wie keck auch ein gesetzloser Mann in seiner Gegenwart sich äußern mag. Der Gerade bleibt dabei, auf seinen Weg zu achten. oder nach dem בתיב : seinen Wegen die rechte Richtung zu geben. (2k, 29.) * Bleib von fern einem dünkelhaften Thoren, Daß du ihn nicht kennest sagt die Lippe, die ihn kennt. (14,7.) Ein kinderberaubtcr Bär mag einem Mann begegnen, Nur kein dünkelhafter Thor mit seiner Thorheit. (17, 12.)