Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 37 (13.9.1883)
- Article
- Österreich-Ungarn : Pest [Nachricht]
- Date
- 1883-09-13
- Page
- 649 (sequence 3)
- Language
- German
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Panduren nicht auSrcichten. Erst als Letztere auf! die Exzedcntcn feuerten und einer derselben gctödtct und mehrere verwundet wurden, zerstob die Menge. Das Bild der Verwüstung ist ein furchtbares. Inzwischen ist Militär eingcrückt, welches die Ordnung aufrecht erhält. — Auch diese Exzesse erweisen sich deutlich als das Werk des Anfhetzens einiger bekannter Persönlichkeiten. — In der gleichen Nacht brach cs auch in Vcszprim los, wo sogar ein Honved Korporal bei den Exzessen bctheiligt war. Auch hier konnte nur mit großer Mühe der Tumult niedergeschlagen werden. — Gleich furchtbar ging cs in Kopyani, Gethe, Karad, Nemesker, Szcut-Jakab. Tclekes, Niava, Piszke, im Badeorte Vichuye, Szcnt Peterzir, Lenti, Tarnokber (in letzteren beiden solleit die Einzelheiten geradezu grauen- Haft sein). -- Kleinere Tumulte werden ans Gyeuekcs, Debrcczin, Ezegled, Nagh׳Kostolanh, Lagos, Dcvccser, Lenti, Puszta, Mogtyorod gemeldet. — Die .Karader Inden sind unter Zurücklassung ihres Besitzes nach Kaposvar geflohen. — Die Untersuchung gegen die bei Exzessen Vcthciligten ist zum Thcil schon' cingclcitct. Doch konnten viele der Tumultuanten, insbesondere aber die Anstifter, noch nicht dingfest gemacht werden.׳ ES mag dies zun: Theil vielleicht in den ganzen traurigen Verhältnissen liegen, indem man den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen kann, d. h. daß man nicht weiß, wen man eigentlich zuerst verhaften soll; doch 'mag aber auch viel die Gleichgültigkeit mancher Ortsvorstände die Schuld daran tragen. In Rücksicht ans letzteren Umstand hat, tute aus Zala Egerszeg, wo, nachdem cs dort ziemlich wieder ruhig, geworden ist, man mit der Einleitung der Untersuchung begonnen hat, gemeldet wird, der für die Aufrechterhaltung der Ruhe und Bestrafung der Exzedeiiteu unermüdlich thätigc Regierungskommissar Glavina eine Verordnung au die Geincinden erlassen des Inhalts, daß die Gemeindcvorstände bc,i Androhung einer. Geldstrafe von hundert Gulden verpflichtet sind, binnen 46 Stunden genaue Details über die Tumulte, insbesondere über etwa darin wirksam gewesene Agitatoren zu. geben. — Was die Letzteren betrifft, so möchte ich zum Schlüsse meines Berichtes noch anführen, was ״Egyetertcs" über das Treiben derselben mittheilt: Gewöhnlich besuchen sie die Ortschaften, angeblich, um Getreide :c. einzukaufen und fragen bei dieser Gelegenheit die Bauern, ob sic schon das Allerneueste wüßten, daß nämlich Nachts in der Stadt man über die Juden hcrfalle, wodurch Gelegenheit geboten sei, reich zu werden; cs sei kerne Zeit zu^ verlieren, eine solche Gelegenheit biete sich nicht jeden Tag. Ist cs nun nicht erklärlich, warum Exzesse in solcher Zahl und mit solcher rapiden Schnelligkeit wie Pilze aus der Erde schießen, wenn in solcher Weise mau die Leidenschaften des niederen Volkes auf die Probe stellt? *** Paris, Ende Aw. Sauss Oscliiw 6! libbi al ken auchil, Megil. Echo 3,21. Daß wir nach Tausenden von Jahren alljährlich in dem Monat Aw uns zu Herzen führen, was die Welt in diesem Monat verloren, berechtigt uns. nach dem Worte eines Erklärers zu hoffen. Hier, im Mittelpunkt der modernen Welt berührt uns der Gegensatz der traurigen Gegenwart und der stets frisch in uns genährten Hoffnung auf die Zeit, wo die Wahrheit siegen wird, doppelt lebhaft. Zuin Glück machen wir in den ״drei Wochen" auch manche tröstliche Wahrnehmung. Aus dem Boulevard des Italiens sehen wir, wie die ZeitungSträger den ״Antesimitique" vergeblich feilbicten. Zweimal haben sie bereits den Preis heruntergesctzt, umsonst. Der gesunde Sinn des Publikums verweigert auch die zwei Sons dem Blatte, das selbst bekennt, daß feine einzige der französischen Zeitungen ihm den üblichen, kollegialem Willkommengrnß gesendet. Die Leichtfertigkeit, Oberflächlichkeit und der Vorsatz, absichtlich Thatsachcu zu entstellen und Lügen zu vcrbreiten, die jede Zeile dieses Blattes zeigt, verbieten einem anständigen Menschen, es in die Hand zu nehmen. Bietet nicht der Judenhaß uns hier wie auch in dem Tiszla-Eszlarer Prozeß die Trostcserscheinnng, daß unsere Feinde zu den unglaublichsten, tollsten Lmgen ihre Zuflucht nehmen mußten, um unS anzugreifen? Sie scheinen ferner nicht genug Juden zu finden und in einer der letzten Nummern Kardinal Äntonclli, Gras Arnim, den Baron E. hier, erst zu Juden machen zu müssen, um das Indenthum heruntcrzurcißen. Was uns vor allem hoffen läßt, ist die Tüchtigkeit dcS Geistes, des Herzens und der That der Inden. Bei allen Unternehmungen für Wohlthütigkcit und Wohlfahrt der Mitmenschen sind sic obenan. DaS Geld, das sie ehrlich zu verdienen und zu sparen suchen, ist ihnen nur Mittel, lim ideale Zwecke zu verfolgen. So will es unsere Religion, so unser viel verlüumdeter Talmud. Möchten unsere Feinde nur wenige Schritte weit von der Börse und dem Boulevard Monmartre in die Nue de la Boule Rouge Nr. 1 sich begeben, da könnten sie sehen, wie junge Bankiers und Kauflcute früh Morgens und spät Abends vor und nach dem Geschäfte sich dem Studium des Talmud hiugeben in dem Synagogenlokale nach dem jüdischen Grundsätze, daß das Studium des Gesetzes die Krone des GottcSdieusles ist. In einem ganz anderem Stadttheile wieder, nahe der Bastille in einer 'Nebenstraße des Boulevard Beaumarchais, in der Nue Bille Harduin finden wir wiederunl junge Geschäftsleute und Arbeiter Morgens und Abends Talmud studireu, in dem Lokale des von den unvergeßlichen Herren Tedesco, Jedermann, Blumcuthal und Änderen gegründeten Talmudvereine. Der Vortragende ist hier Herr Rabbiner Weiskops,