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Jeschurun · 1883-09-13 · Heft 37 (13.9.1883) · p. 637

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Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 37 (13.9.1883)
Article
Die Verhandlung des Tisza-Eszlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in Nyiregyhaza
Date
1883-09-13
Page
637 (sequence 1)
Language
German
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M 37. Jeschnrun. 637 DieVerhalldlung dcsTiSza-Eözlarer Prozeß vor dem Gerichtshof in A'yiregyhäza. (Fortsetzung der Verhandlung vom 21. Juli/, Auf Befragen des VercheidigcrS Fricdniaun gicbt Zeuge an, daß er die Leiche nicht gesehen und gar nicht in ihre Nähe ging. Die erüe Nachricht von dem Aufsinden der Esther erhielt er auf dem Tokaier Markte. Zeuge nimmt sodann im Auditorium Platz. Der nächste Zeuge, Wolf Werthheimcr aus Eszlar, autwonet auf die Fragen des Präsidenten, er habe eine Taliga und ein Pferd besessen, dieselben jedoch im vorigen Jahre weder Klein noch Groß und überhaupt Niemandem geborgt. — Verthcidiger Hcumaun: Wurde nicht mit Ihrem Pferde im vorigen Jahre vor dem Gemeindchause eine Fahrprobe gemacht? — Zeuge: Ja. SmilovicS mußte das Pferd lenken, während dessen hatte ich drinnen ein Verhör zu bestehen. Im vorigen Jahre kam ich einmal vom Tokaier Jahrmärkte zurück, da sah ich auf dem Damme Eszlarer Frauen: ich holte sie ein und hörte, wie sie sagten: ״Jetzt sind wir verloren, man hat Esther Solymosi gesunden." Eine der Frauen antwortete, mau darf eben die Esther nicht erkennen, sondern nur ihre Kleider, auch sagten die Frauen, das ganze Gesetz sei schlecht, denn wenn man gewollt hätte, so hätte man während der drei Monate die Juden aufhängen können, Als sie dann mich bemerkten, brachen sie das Gespräch ab. Ich sah, daß es zwei Frauen Namens Tauyi waren. Zeuge erzählt ferner, daß er, da er Esther gut gekannt, die Dadaer Leiche besichtigen wollte, doch wurde er, sowie die anderen Juden, von Haiducken und Panduren zurückgcstoßeu und man habe sie ansgclacht. — Vertheidiger EölvöS: Haben Sie bei Gericht angcmeldct, dag Sie Esther kannten? — Zeuge: Der OrtSrichter hat gehört, als ich eS sagte. -- Farkas: Es ist möglich, dag er es gesagt hat. Ich habe es aber nicht gehört, denn sonst wäre er zugclassen lvordcn, da ja verkündet war. dag Alle, die Esther kannten, die Leiche besichtigen sollen. — Vertheidiger Eötvös: Ich will jetzt darüber nicht reden, ob das die Leiche Esther's war: aber wie seid Ihr darauf gekommen, nur Personen zuzulassen, die Esther kannten? Wenn eS nicht Esther war, mußte ja umsoinchr Jeder zugelassen wer» deu, damit vielleicht Jemand die fremde Leiche agnoSzire. — Farkas zuckt die Achseln. Der nächste Zeuge, Michael Nagy, weiß nichts mehr zu sagen, als dag er im vorigen Jahre bei Grog Feldarbeiten verrichtete. Seine Frau sagte ihm, Grog sei krank. Es war dies vor Pfingsten. Die ostgcnaunte Frau EsereS, welche so gut Jüdisch-deutsch spricht, wird sodann nochmals gefragt, wann sic bei ihrem Nach׳ barn die große Judenversammlnng wahrgenoinmen. - Sie antwortct, dag sie um 2 Uhr Morgens erwachte und damals die vielen Juden sah. Wann sich diese entfernten, weiß sic nicht, da sie wieder einschlief. Präsident: Es ist kein Zeuge mehr porgemerkt. — Verthcidiger Szckcly ersucht, eine Frau Barbara Roth, die im Zcugenzimmer bereit ist, zu vernehmen. — Frau Roth. ein ältliches Weib, ist jene Person, welche sich angeblich bei der Solymosi als Ehristin eiufnhren wollte. Sie erzählte unter andauernder Heiterkeit des Publikums, ihr Mann sei Lehrer, ge wisse aber nicht wo, zuletzt tvar er in Baja. Sie erzählte dann eine lauge Geschichte ihrer Leiden, welche begannen, als sie von der Solymosi ein wenig Wasser zn trinken verlangte. Sie wurde von derselben beschimpft, Spionin geheißen und dann vom Richter eiugcsperrt, der sic später zn Rcesky nach Nagt)׳ salu eLkortiren ließ, wo sie von der Lesko Hörle, daß Mori; mißhandelt wurde. Die LcSko wurde für diese Mitthcilung ge׳ prügelt und ans dem Dienste gejagt. Zeugin sah später, als sie auch in Nyiregphazci eiugcsperrt war, Moriz an ihrem Gc׳ fäugnisse vorübergrhen, sie sprach ihn an, er antwortete, er dürfe mit Niemandem sprechen. Zeugin wird nicht beeidet. . Staatsanwalt Szeysfert stellt dann seine Anträge bezüglich der Beeidigung der Frau Solymosi und beantragt, dieselbe nicht in Eid zn nehmen, da sie als Klägerin vor Gericht steht : auch Richter FarkaS sei nicht zn beeiden, da er als OrtSrichter be׳ züglich solcher Umstände vcrnonnnen ivurde, die sich aus sein: AmtSlhäligkcit beziehen. Die Verlheidigung tritt diesem An׳ trage bei mit Ausnahme des Richters FarkaS, und zwar in Bezug ׳einer aus die Fragen der Vertheidiger crtheilten Aut׳ Worten. Nach kurzer Berathung verkündet der Präsident, daß die Beeidigung der Frau Solymosi, deren Aussagen durch andere RechtSbewcise bewahrheitet und dnrch beeidete Zeugenaussagen bekräftigt erscheinen, überflüssig erscheint. Gabriel Farkas wird jedoch beeidet, weil er auch bezüglich solcher Umstände aussagte, die sich nicht aus seine AmlSlhäligkeit beziehen. 23. Juli. Die Verhandlung begann um halb!1 Uhr. Präsident: Nachdem der vorgcladene Zeuge Kapac; nicht erschienen ist, werden Schriftstücke verlesen werden. Staatsanwalt Szeysfert: Ich habe die Ehre, eine eingelaugte Zuschrift der Staatsanwaltschaft von Stcinamangcr zu überreichen, ans deren Beilagen hervorgeht, daß der Angeklagte Ignaz Klein im Januar vorigen Jahres in Steinamangcr Äl׳ mosen sammelte und bei dieser Gelegenheit sich dahin äußerte, daß er bezüglich der Eszlarer Afsaire wichtige Dinge wisie. In Folge dessen leitete die Staatsanwaltschaft Untersuchungen ein, deren Resultat tvar, daß der genannte Ignaz Klein zn Anfang des Frühjahres sich thatsächlich in Steinamangcr ansgehalten und dort dem Hausbesitzer Heinrich Krause erzählte, daß er wisse, wer die Esther Solymosi ermordete, doch sei es noch nicht an der Zeit, darüber zri sprechen׳, bei der Schtußverhandluug werde er Aufklärungen geben. Ich bitte, diese Aktenstücke verlesen zu lassen und sic den Untersuchungsalten bcischließen zn wollen. Präsident fordert den Angeklagten Klein ans, sich hierüber zu äußern. Angeklagter Klein gicbt zu, in Steinamangcr gewesen zu sein. Wann das war, erinnert er sich nicht, ebensowenig daran, daß er sich in dieser Weise geäußert. Er habe zwar seine Schicksale verschiedenen Personen erzählt, aber gewiß nicht gesagt, daß er wisse, wer Esther ermordete. Es wird sodann eine an den Präsidenten gerichtete Zuschrist des VizcgespanS Zoltan verlesen, in tvelcher derselbe über die Lebensweise und das Verhalten des Moriz Schars, sowie über die Art und Weise dekaillirtcn Ausschluß giebt, wie der Knabe während der ganzen Zeit, seitdem er in Obhut der ad׳ ministrativen Behörde sich befindet, behandelt wurde. Vertheidiger Eötvös erklärt, über diese Zuschrift des Vizegcspans in feinem Plaidoyer seine Meinung abgcbcn zu wollen, bemerkt jedoch schon jetzt, daß dieselbe den Umstand nicht erwähnt, daß der Vater bezüglich der Behandlung und Verpste׳ guug seines Sohnes nicht befragt wurde, daß dessen Gesuch, Moriz seinen Verwandten zu überantworten, nicht in Betracht gezogen wurde und auch nichts darüber enthalten ist. was das Komitat fernerhin mit Moriz vorzuuehmen beabsichtigt. In der Zuschrift ist auch nichts erwähnt von dem gestern erfolgten Ansuchen Joseph Scharf'S, seinen Sohn der Obhut seines Onkels, des Bruders seines Vaters, zu übergeben. Unruhe iw. Auditorium.- Ich ersuche, auch über diese Umstände dem Vizegefpan einen Bericht abzufordern.

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