Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1883-09-13 · Heft 37 (13.9.1883) · p. 635

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
16 (1883)
Issue
Heft 37 (13.9.1883)
Article
Aus der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts
Date
1883-09-13
Page
635 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2932754-2932996-2933033-2954122--13520-2954159
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

635 heit, vollständiges Abstrahiren von Vergangenheit und Zukunft, nur des Momentes und seiner untautcrn Lust unklar sich bewußt, das mußte ihn reizen. Spät am Morgen erwachte Ehrmanu. Der Rausch war verflogen, er fühlte sich ermüdet, der Kopf war ihm wüst — dennoch athmetc er freier und leichter als seit lange, denn auch der innere Mahner war noch eingclullt von dem Taumel der verwichenen Nacht. ״Ah," murmelte er, indem er gähnend bald die Augen rieb, bald die Arme weit von sich streckte, sich zu recken und zu dehnen, ״der Kaplan hat recht, mir fehlt nichts als ein junges, schmuckes Weib, das mir die Grillen vertreibt. — Na, mir scheint, 'S wird eine zu haben sein — und dann soll ein nenes Leben angchcn. — Die Kati ist '!! schmuckes Ding — aber 'S wird noch 'ne Andere zu haben sein." Trotz seiner Gcsnnkcnheit besaß er doch noch eine Art von Selbstachtung, die cS ihm nicht wünschcnSwerth erscheinen ließ, um Diejenige zu werben, die um ihn quasi geworben.. Doch ein ihm selbst unerklärliches Etwas, vermischt mit einer Art von Dankbarkeit, zog ihn abermals hin zu dem schönen schlauen Mädchen, dem er die ersten frohen Stunden in seinem Wittwerstände verdankte. Kati ProchaSka war die Tochter eines angesehenen aber mehr an Kindern als an Acckern reichen Bauern. Ihre beiden altern Schwestern waren vcrheiralhet, und auch für ihre nin zwei Jahre jüngere Schwester hatte sich bereits ein Freier gemeldet, nur für die viernndzwanzigjährige Kati wolltesich keiner sinden, trotzdem sie weit schöner als alle ihre Schwestern um׳, denn es war bekannt, daß die ״fesche Kati" Ruhe und Vergnügungen weit mehr als Arbeit liebte, und so bcgehrcnSwerlh ihre Persönlichkeit auch den jungen Burschen erscheinen mochte, nckt crnstent Anträge trat keiner hervor. Der alte ProchaSka war daher gar hoch erfreut, als er am Kirchweihfeste sein schönes .Kind am Arme dcS für reich gehaltenen ArcndatorS erblickte. Und als Ehrmanu am solgendcn Tage, trotz seines Vorsatzes, eine Andere zu wählen, sich wie mit unsichtbaren Banden zu dem schönen Mädchen hingezogen sühlte und den Abend kaum erwarten konnte, an dem er sic zu treffen hoffte, da war es der schlaue Alte selbst, der eS im ganzen Dorfe ausposanntc, daß der ״Nandar" sein Kind freien wolle. — Und von da an, Tag für Tag, sobald die Abendglockc tönte und die Schnitter heimkehrtcn von der Arbeit und die Hirten das Vieh cilitrieben von den Wiesen, konnte man den ״Nandar" mit der ProchaSka Kati Hand in Hand zwischen den Feldern wandeln sehen. Gar zu leicht war cö trotz allen! dem Nandar nicht geworden, der Dorfschöncn das Jawort zu entlocken. Die Schlaue, eben weil sie sich bewußt war, durch ihr erstes Auftreten ihm gegenüber sich gar viel vergeben zu haben, eben deswegen zeigte sic sich kaltherzig, so bald sic ihn genügend umgarnt wußte; nicht die geringfügigste Gunst ließ sie sich abschmeichcln und wochenlang ließ sic ihn bitten und flehen, bevor sie ihn erhörte. ES war abermals an einem Sonntag, als sie ihm endlich gnädiglich ihre Hand;!!sagte. Ehrmanu war außer sich vor Entzücken und schwur ihr ewige Dankbarkeit, und daß sein einziges Streben sein werde, sic zu beglücken. Kati war nicht böse von Natur und empfand eine Art dankbarer Zuneigung für Denjenigen, der sic gewählt hatte. * Die Zeit verstrich. Mit rastlosen! Eifer hatte Ehrmann die Vorbereitungen zu seiner Vermählung betrieben und am konimcndcn Sonntag sollte sie nun endlich vollzogen werden. Der kleine David war voll Jubel, er freute sich auf die bevorstehende HochzcitSfeier und freute sich auf die schone neue Mutter, die ihn mit Leckerbissen und Liebkosungen schon reichlich regalirt halte. Jakob aber ward von Tag zu Tag bleicher; die Zeit ernster Prüfung war für ihn gekomnien. (Fortsetzung folgt.) Die Gladiatoren. Von I c d i d j a h. Heut', Nomas Volk, zollst willig du Trimnphe Dem Imperator, der Legionen Held, Heut' schmettern hell die kricg'rischen Fanfaren — Doch nicht zun! Kampf, nicht auf dem blut'gen Feld. Hoch hebst du heut' den stolzen Siegernacken: ES liegt am Boden Jnda's heil'ge Stadt! — Heut' soll zu deiner Augenweide käntpfeu Den Kampf des Todes — die schon todeSmatt. Ein edles Dpfcr hast du dir erkoren: DcS GotteSvolkeS triegSgcfang'nc Schaar Beut ihre Brust der wilden Bestien Pranken, Den! Gladiatoreuschwert den Nacken dar. Drum drängt in dichtem Knaul des Pöbels Menge Auf zu des Zirkus höchster Sitzcsrcih' —׳ Drum ׳eilet ungestüm die Römerjugend, Zn schau'!! die furchtbar-blut'gc TodcSwcih'; Drun! schreiten zu den Purpur-Ehrcusitzen Senat, Pontifizes in Ernst und Würd', Drum zieren zarte Frau'u die breite Brüstung, Zu lauschen, wie die TodcSwasfe klirrt. Drun! sieht man heut' auf hohem Königssitze Den stolzen Cäsar in dem Günstlingsschwarm, Drum harrt erwartungsvoll die ganze Menge, Bis sich erhebt mit weißem Tuch sein Arm.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.