Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 16 (1883)
- Issue
- Heft 37 (13.9.1883)
- Article
- Salomonische Spruchweisheit
- Date
- 1883-09-13
- Page
- 632 (sequence 3)
- Language
- German
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632 Menschen so wenig Freude und so viel Kummer und (ileiib im Vcbc» bcscheidct, und vergißt, daß nicht Gült, sondern wie Tic gänzliche Hingebung an ihn die Geraden zum rechten Ziele leitet, 20 die Pflichtvergessenen die Krümme alles Guten beraubt. (11,3.) und Gar mancher Weg dem Menschen gerade scheint, Dessen Ende Wege des Todes sind. (!4, 11\) Die Pslichltreue des ganz seiner Pflicht Ergebenen macht seinen Wandel gerade, Und ist es seine Gesetzlosigkeit, durch welche der Gesetzlose fällt. (11, ל׳•) (Fortsetzung folgt.! 311r r!WM Iiidkirfriige. l Fortsetzung.'! Die uns vorliegende Denkschrift lvcist darauf hin, wie die russische Negierung ebenfalls schon vor längerer Zeil den ernstlichen Wunsch gehegt, daß die Inden in einem höheren Grade als bisher sich die nationale Sprache, Ditte und Bildung aneignen.möchten. Die schöpft diese Ucbcrzcngnng ans einein Schriftstück, welches dem Berfasser zur Einsicht vergönnt war. Ende der fünfziger oder Anfangs der sechszigcr Jahre hatte der damalige Minister der Aufklärung den Negiernngsrath v. Grabotvsky nach verschiedenen europäischen Staaten mit dem speziellen Aufträge gesandt, die 'Mittel und Wege zu erkunden, durch welche cs in diesen Ländern gelungen ist, die Inden der allgemeinen Kultur und Bildung zugänglich zu machen. Dein Miniüerialabgesandten war zu diesem Ende eil! Fragebogen mit einer ganzen Ncihe von Fragen mitgegeben worden, deren gutachtliche Beantwortung von durch ihre Dtellnng und Erfahrung dazu geeigneten Männern er vermitteln sollte. Alts diesem Fragebogen mußte man jedoch die Uebcrzcugnng gewinnen, daß bei der damals durchaus wohlwollenden Absicht der Negierung sie von durchaus irrigen Boranssetznngen ansgegangen war und daher sich zu Maßregeln haue bestimmen lassen, die natnrgemäß das ganz entgegengesetzte Resultat erzeugen mußten. Die war der Meinung, das jüdische Ncligionssystem und die jüdische. Religionswissenschaft seien an sich Feinde einer jeden anderen wissenschaftlichen Erkcnntniß und Bildung. Die erblickte in den Männern. welche das durchaus spontane Bertraucn der Gemeinden mit der Leitung ihrer religiösen Angelegenheiten und mit der. Pflege der religiösen Wissenschaft betraut hatten, in bcu von ihr sogenannten More Horaah die eigentlichen Gegner der Knltnrbcstrebnngcn der Negierung. Diesen von den Gemeinden gewählten More Horaah versagte sie daher jede offizielle Anerkennung und bestellte ihrerseits zu ״Negierungs-Rabbinern" Männer, denen mit wenigen Ausnahmen alle zum Nabbinatsbernfc erforderliehen Qualifikationen, insbesondere eine hinreichend tüchtige Kenntniß des religionswissenschaftlichen Schriftlhnms des jüdischen Bekenntnisses, sowie die religiöse Gewissenhaftigkeit in Gesinnung und Wandel abgingcn. Es genügte ihr, wenn diese Männer die russische Sprache verstanden und befähigt waren, die zivilen Standesbnchregister zu führen. Zn deren Heranbildung hatte sie gleichzeitig ״Nabbinerschnlen" gegründet, deren Unterricht und Leitung Männern übergeben waren, die bcreits dem herabgeerbten jüdischen Rcligionsgcsctz die Treue gebrochen hatten. Der Lebenswandel dieser Lehrer und Leiter stand in entschiedenem Gegensatz zu den religionsgesetzkicheit Institutionen und Borschrislen. deren unverbrüchliche Heilighaltung die Basis des religiösen Lebens der Gentcinden bildet. Alts solchen Schulen konnten natürlich nur solche Männer für den Rabbinerberuf hervorgchen, die gleichfalls mit Gesinnung und Wandel in einem feindlichen Gegensatz zu dent Bckcnntniß sich befanden, dessen Pflege und Leitung die Gcmcindeu ihren Händen anvertrauen sollten. Die Folgert von diesem Allen waren, wie sie nicht anders sein konnten. Statt die russischen Inden mit den Elementen der allgemeinen Kultur zu befreunden, erzeugten die getroffenen Maßregeln das Gegen theil itnd innßten dies erzeugen. Die Negierung betrachtete das jüdische Neligionssctz und die jüdische Ncligions- Wissenschaft als Feinde der allgcntcinen Bildung und handelte in diesem Glauben. Die Gemeinden hingegen betrachteten die allgemeine Bildung als Feind des jüdischen Neligionsgesetzes in Wissenschaft und Leben - und kotinlen nicht anders. Die Bildung, für welche die Negierung sic gewinnen ntochte, war ihnen ja noch eine unbekannte Größe. Unglücklicher Weise wurden ihnen aber die Elemente dieser Bildung nur dtlrch Anstalten und Männer vertreten und entgegengebracht, die mit der Bildnng. welche in ihnen gepflegt und die sie sich angecignct, die Achtung und Beachtung der Hciligthümer abgelegt hatten, deren tinveränßerliche Heilighaltnng die Lcbcnsseele des Inden bildet. Was Wunder, daß die Inden die Bildnng, für die man sic gewinnen wollte, die sie aber noch nicht kannten, als unverträglich mit ihren religiösen Gewissenspflichten, und ihre religiösen Gewissenspflichtcn als unverträglich mit der Bildnttg hielten, deren Ancignung man von ihnen verlangte, — sahen sie doch nicht einen einzigen Mann von allgctneiucr Bildnng, dem sic zugleich als religiös gebildeten und religiös gewissenhaften Mann ihre Hochachtung nicht versagen konnten! Sahen sic sich doch nach ihrer Anschauung